19.08.2016

GESUND MIT ACHILLES Sportausreden: vom Aufschieber zum Angeber

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Mit dem frühen Vogel aus dem Bett und auf die Laufstrecke. Sich für Sport zu motivieren kann eine echte Herausforderung sein, egal zu welcher Uhrzeit.

Foto: iStock/Geber86

Mit dem frühen Vogel aus dem Bett und auf die Laufstrecke. Sich für Sport zu motivieren kann eine echte Herausforderung sein, egal zu welcher Uhrzeit.

Anna Achilles ist ehrgeizig – zumindest, wenn es um Ausreden fürs Laufen geht. Doch zum Glück gibt es Tricks, um sich selbst zu überlisten.

Die Aufschieb-Ausrede: Ich laufe morgen

Begründung: Abends nach der Arbeit habe ich keine Lust auf Sport. Ich bin zu müde. Vor allem im Winter. Vor allem, wenn es dunkel ist. Mein schlechtes Gewissen ist riesengroß, aber ich kann mich nicht aufraffen. Mein Laufvorhaben schiebe ich lieber auf morgen, gleich vor der Arbeit. Dann aber wirklich.

Problem: Die Mach-ich-morgen-Taktik funktioniert nicht. Denn sie hat einen Nachteil: Für den morgendlichen Lauf müsste ich um 6.30 Uhr mein warmes Bett verlassen, um in die vernebelte Kälte zu stapfen. Hinzu kommt mein größter Gegner: der Schlummermodus im Wecker.

Lösung: Entscheidend ist nicht der Lauf, sondern die Vorbereitung. Der Morgenlauf klappt, wenn man darauf eingestellt ist, dass man schwach sein wird.

Trick 17: Ich ziehe meine Laufklamotten schon am Abend vorher an. Sport-BH, Laufshirt und Hose werden zum Schlafanzug. Kein Witz. Am nächsten Morgen muss ich nur aufstehen, in Socken, Schuhe, Jacke schlüpfen – und losrennen.

Warum das funktioniert? Weil ich den ersten – und bekanntlich schwersten – Schritt bereits getan habe. Ich stecke schon in meinen Laufklamotten. Am Morgen weiß mein Körper intuitiv, was ansteht. Er beschwert sich nicht. Er macht einfach.

>> Sportausreden: "Ich habe keine Zeit" – Die große Kunst der kleinen Laufschritte

Die Jammer-Ausrede: Es ist zu heiß/ kalt/ regnerisch/windig ...

Begründung: Je nachdem, welches Adjektiv ich oben eingesetzt habe, passe ich die Begründung entsprechend an. Minusgrade sind schädlich für die Bronchien. Ein Sonnenstich kann fatale Folgen haben. Regen fördert mit Sicherheit die Erkältung, die sich eh gerade anbahnt. Wenn man das Wetter doch endlich als offizielle Krankheit anerkennen würde.

Problem: Wetter ist einfach. Immer. Da. 365 Tage im Jahr.

Lösung: Die Witterung als Gegner sehen. Schönwetter kann jeder. Aber je kälter und ekliger es draußen ist, umso besser. Ich mag den sportlichen Wettkampf. Das Duell. Statt Frau gegen Frau, Frau gegen Wetter. Wann sonst hat man beim Laufen schon mal einen direkten Rivalen? Wettergott! Schneewehen und eiskalter Ostwind – ist das alles, was du hast?!

Eingemummt in Schal und Fleece-Jacke spüre ich das Abenteuer bis tief in meine eingefrorenen Zehen. Ich laufe nicht schnell. Aber ich bin draußen. Ich trotze der Natur. Ich bin die Siegerin in diesem Zweikampf.

Das Beste kommt ja zum Schluss: die heiße Dusche. Das Gefühl, wenn warmes Wasser die eingefrorenen Muskeln auftaut und die Haut richtig schön brennt. Das ist wie eine Siegerehrung – und ich ganz oben. Laufen hat viel mit Masochismus zu tun. Genau das ist leider geil.

>> Sportausreden: Das Wetter ist schlecht

Die Wehwehchen-Ausrede: Ich habe Knie/ Rücken/ Hüfte

Begründung: Ständig verspüre ich ein kleines Ziepen in unterschiedlichen Körperregionen. Mal im Knie, mal in der Hüfte. Sofort befürchte ich, dass es eine schlimme Verletzung sein könnte, die nicht weiter aufbrechen darf. Also laufe ich lieber nicht. Die Gefahren von Übertraining lauern überall. Man will sich ja die Wettkampfform nicht kaputtmachen lassen von zu überzogenem Ehrgeiz.

Problem: Natürlich gibt es Verletzungen, bei denen man keinen Sport treiben sollte. Und man soll es bekanntermaßen nicht übertreiben.

Aber zum Übertraining gehört, dass man:

1) überhaupt, 2) über einen längeren Zeitraum, 3) regelmäßig, 4) hart, 5) zu viel trainiert. Wenn ich ehrlich bin: Das ist bei mir noch nie vorgekommen.

Lösung: Schmerzen verstehen lernen. Ein Beispiel: Wenn mein rechtes Knie an der Außenseite schmerzt, dann liegt das nicht am Knie selbst, sagt meine Osteopathin, sondern am Bindegewebe im Oberschenkel.

Das Bindegewebe sollte eigentlich locker und weich sein. Trainiert man jedoch viel, wird es fest. Das wirkt sich aufs Knie aus und verursacht Schmerzen. Klingt nach Hokuspokus, aber meine Osteopathin hat Recht.

Meine Geheim-Übung, um das Bindegewebe zu lockern: Mit den Fingern seitlich in den Oberschenkel drücken, so dass die Haut zusammengequetscht wird. Während der Daumen ruhig liegt, presst man die restlichen Finger in die Haut und streicht langsam von der Oberschenkel-Unterseite zur Oberseite.

Achtung: Das tut höllisch weh, muss aber so sein. Man startet auf Höhe der Kniekehle und massiert sich hoch bis zur Hüfte. Je häufiger man das macht, umso lockerer wird das Bindegewebe – und umso weniger Schmerzen hat man später beim Laufen.

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Die Angeber-Ausrede: Meine Laufuhr ist nicht aufgeladen

Begründung: Meine GPS-Uhr ist meine Lauf-Visitenkarte. Wenn ich sie trage, fühle ich mich wichtig. Mit Uhr werde ich als Läuferin ernst genommen, völlig unabhängig von dem, was ich wirklich leiste. Ohne Uhr fühle ich mich nackt. Außerdem: Ohne Uhr kein Beweis. Nur ein aufgezeichnetes Training fühlt sich für mich wie Training an.

Problem: Da ich immer dieselbe Strecke im selben Tempo laufe, sind meine Trainingsdaten so abwechslungsreich und interessant wie die schönsten Bahnstrecken Deutschlands.

Lösung: Es ist möglich, ohne Uhr zu laufen . Es gibt da nämlich noch jemanden, der abspeichert, wenn ich trainieren war. Er nennt sich Körper. Zwar postet er nichts auf Facebook, trotzdem merkt er sich alles: gelaufene Kilometer, Geschwindigkeit, Kalorienverbrauch. Er speichert meine Daten so gut ab, dass ich am Ende sogar schneller werde. Das nennt sich dann Trainingseffekt.

Neulich musste ich an meinen ersten Wettkampf denken. Im Oktober 2013 lief ich in Amsterdam als komplette Laufanfängerin einen 8-Kilometer-Lauf. Ich war vorher ein paar Mal gelaufen. Wirklich trainiert hatte ich aber nicht. Während des Laufs trug ich keine Uhr, sondern lief einfach nur nach Gefühl. Am Ende lag meine Zeit knapp unter 45 Minuten.

Danach fing ich an, mit Uhr zu laufen. Die Zeit von Amsterdam habe ich selbst mit Training nie mehr wiederholen können. Ich bin überzeugt, dass mich die Uhr beim Laufen hemmt. Ständig sehe ich, wie langsam ich gerade bin. Das frustriert. Viel besser sind Freunde, an die ich mich dranhängen kann. Sie ziehen mich mit. So werde ich wirklich schneller – und das ganz ohne Frust.

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