12.09.2016

INTERVIEW Aus dem Tagebuch einer Reisebloggerin: "Geld ist nicht alles."

Nirmalarajah Asokan

Annemarie Strehl macht Luftsprünge, wenn Sie mal wieder in den Flieger darf.

Foto: travelonthebrain.net

Annemarie Strehl macht Luftsprünge, wenn Sie mal wieder in den Flieger darf.

Annemarie Strehl hat vor allem eines im Kopf: das Reisen. Und sie liebt es darüber zu berichten - in ihrem Blog Travel on the Brain - und bei uns.

bildderfrau.de: Würden Sie sich bitte kurz unseren Leser/innen vorstellen und uns erzählen, was Sie beruflich machen?

Annemarie Strehl: Ich bin Reisebloggerin und somit die meiste Zeit des Jahres unterwegs. Durch meinen Blog arbeite ich mit Unternehmen aus der Reisebranche zusammen, zum Beispiel Tourenanbieter, Tourismusbehörden und Hotels. Dadurch kann ich meinen Lesern vielfältige Reisemöglichkeiten und -angebote vorstellen, sie austesten und gleichzeitig meinen Kooperationspartnern eine authentische und ehrliche Onlineberichterstattung ermöglichen. Meine Leser und Follower können meine Reisen über Social Media live miterleben und sind somit direkt dabei.

Sie betreiben mit travelonthebrain.de einen Blog rund um das Thema Reisen. Wie sind Sie auf die Idee zum Blog gekommen?

Vor zwei Jahren kaufte ich mir ein Hinweg-Flugticket nach Neuseeland, denn ich wollte mir eine einjährige Auszeit nehmen und die Welt bereisen. Da meine Verwandten und Freunde mir ständig Löcher in den Bauch fragten, was ich denn so alles erlebte und jedem jeden Tag eine Email zu schreiben, nicht nur unrealistisch gewesen wäre, sondern auch bedeutet hätte, dass ich nichts erleben und daher nichts zu berichten hätte, startete ich einen Blog.

Eine Freundin hatte mir ein paar Monate vorher den Blog World of Wanderlust der Australiern Brooke Saward gezeigt und ich war hin und weg. Ich hatte bereits damals schon viele Reisegeschichten auf Lager und so konnte ich jeden Tag meiner Reisen in einer Art Tagebuch festhalten und gleichzeitig mit meinen Lieben teilen.

Das hatte ich bereits vorher in einem anderen kleinen, privateren Blog während meines Praktikums in Schweden getan, aber dieses Mal hatte ich das Ziel das Ganze auszubauen. Ich wollte sehen, ob ich denn auch ein richtiger Reiseblogger werden konnte.

Wie wird man eigentlich ein Reiseblogger?

Der Anfang ist theoretisch ganz einfach. Man sucht sich eine Bloggerplattform aus, wie zum Beispiel Wordpress, Blogger oder auch einen Social Media Kanal und fängt an regelmäßig Inhalte zu erstellen. Dabei muss man sich vorher im Klaren sein, warum man diesen Blog schreiben will.

Das Geld sollte dabei nicht im Vordergrund stehen, denn vom Bloggen wird man nicht reich und bei dem Meer an Blogs, kann es schon mal zwei Jahre dauern bis man ihn auf eine ernst zu nehmende Größe und Leserschaft bekommt.

Die Inhalte sollten am besten auf eine spezielle Leserschaft zugeschnitten sein, das Aussehen einheitlich und der Schreibstil einzigartig, eben mit Wiedererkennungswert. Da Blogs persönlich sind, darf und sollte man sie ruhig individuell gestalten und schreiben und sich nicht verbiegen.

Ist das viele Reisen nicht auf Dauer auch sehr teuer?

Für mein erstes Jahr besorgte ich mir ein Working Holiday Visum für Australien und Japan und plante so unterwegs meine Reisen zu finanzieren, hatte mir aber auch einiges angespart während meines Studiums. In meinem ersten Jahr auf Reisen, war ich dadurch nonstop unterwegs, das war um einiges billiger als meine Zeit in München und wenn man speziell weniger kostenintensivere Länder anreist, wie zum Beispiel Südostasien, dann hat man auch viel weniger Ausgaben und kann somit länger reisen.

Es ist nicht wahr, dass Reisen teuer sein muss, da haben wir Reiseblogger viele Tricks drauf. Zum Beispiel wann genau man seine Flüge buchen muss. Das kann schon ganz schön ins Geld gehen, wenn man die optimalen Zeiträume verpasst. Aber dafür sind Reiseblogs wie meiner da.

So weiß ich, dass man für einen Flug von Deutschland nach New York 17 oder 30 Wochen im Voraus Flüge buchen sollte, aber für einen Flug von den USA nach Europe sind 39 Wochen optimal. Zu meinen Spartipps habe ich sogar einen Online-Kurs in Englisch erstellt, wo ich Schritt für Schritt in Videos erkläre, wo man überall während der Reiseplanung und auch vor Ort sparen kann, ohne dass die Reisequalität leidet. Er heißt Budget-Proof your DIY Travels.

Sind Sie mehr der Typ Sehenswürdigkeiten-Tourist oder Atmosphäre-Genießer?

Das hat sich im Laufe der Zeit geändert. Früher war ich ein bekennender Tourist, ich wollte alle Sehenswürdigkeiten so schnell wie möglich abhaken, um noch mehr in mein Reiseprogramm zu stecken, vor allem, weil ich meist nur Kurztripps unternahm. Aber umso länger man reist, umso anstrengender und unattraktiver wird das.

Wie viele Tempel kann man sehen, bevor man die Lust verliert? In Australien wollte ich nach ein paar Wochen keinen Strand mehr besuchen, es war ja doch nur wieder Sand und Wasser. Auch Kängurus waren langweilig geworden. Jetzt reise ich daher entspannter und lasse mich eher treiben. Ich mache mir bewusst keine Pläne mehr, sondern laufe einfach nur drauf los und komme so auch leichter ins Gespräch mit Einheimischen, die keine Touristen in ihren Vierteln gewohnt sind. Das ist ein komplett anderes Reiseerlebnis und viel lehrreicher.

Wie erklären Sie sich Ihre Reiselust? Gab es da ein frühkindliches Ereignis oder ist es einfach nur die Lust am Neuen und Unentdecktem?

In der Grundschule fing ich an, die englische Sprache zu lernen und sie ließ mich seitdem nie mehr los. Durch das Verständnis der Sprache und der kulturellen Hintergründe erschloss sich mir eine fremde Kultur, die doch unserer recht ähnlich schien, auf völlig neue Weise. Und auf Klassenfahrten nach Italien und England entdeckte ich eine andere Seite an mir.

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Ich war viel selbstbewusster, konnte zwanglos Gespräche mit Fremden anfangen und war viel neugieriger. Durch das Reisen lernt man so viel über andere Kulturen, aber auch vor allem über seine eigene und sich selbst. Das passiert zu Hause nicht so häufig, man nimmt vielen als gegeben oder „normal“ hin.

Sie haben mit travelonthebrain.net auch einen englischsprachigen Ableger Ihres Blogs. Weshalb die Entscheidung, sich noch mehr Arbeit zu machen?

Der englische Blog war zuerst da, den gibt es bereits zwei Jahre lang. Anfangs verfasste ich ihn bilingual, da ich bald eine Zielgruppe in sowohl Deutschland als auch Australien und den USA erreichte. Aber meine englischsprachige Leserschaft wuchs so schnell und der Arbeitsaufwand war so hoch, dass ich ihn nun nur noch in Englisch halte. Für meine deutschen Leser gibt es daher einen eigenen Blog mit etwas anderem Fokus, mehr Lifestyle, mehr Geschichten und ganz neu – meine eigenen Zeichnungen, die absurde und lustige Episoden besser darstellen.

Was waren die schönsten Orte, die Sie bereist haben, und warum stechen sie für Sie persönlich so heraus?

Mein liebster Urlaub war bisher in Lappland zum Ende des Winters. Tanzende Nordlichter, Rentiere und Huskyschlittenfahrten. Ich saß sogar beim Weihnachtsmann. Der mit Abstand fantastischste Ort wird in meinen Augen wohl der Uluru in Australien bleiben. Es ist unmöglich seine magische Ausstrahlung in Wort und Bild festzuhalten, man muss ihn einfach mal erlebt haben und das am besten zu verschiedenen Tageszeiten, wenn er alle Farben der Rotpalette annimmt.

Reisen Sie in der Regel alleine? Wenn ja, welche Vorteile hat das als Frau?

Ich reise fast ausschließlich allein. Das bedeutet absolute Freiheit. Ich kann tun und lassen, was ich will. Ich kann spontane Ausflüge machen, meine Reiseroute ändern und bin unglaublich flexibel. Außerdem bin ich eigentlich nie allein, man trifft so viele andere Reisende und wenn man alleine ist, kommt man viel leichter ins Gespräch.

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Auf meiner Karibikkreuzfahrt, auf die ich eingeladen wurde, um live zu berichten, wurde ich fast täglich beim Dinner angesprochen und traf so die herrlichsten Pärchen und tauschte wunderbare Geschichten aus. Der Konsens war, dass sie sich wünschten selbst viel mehr und auch alleine in ihren jungen Jahren gereist zu sein.

Wie entscheidend ist die kulinarische Komponente bei der Auswahl Ihres Reiseziels?

Leckeres Essen gibt es fast überall, mir ist Essen sehr wichtig, aber das ist nicht das ausschlaggebende Kriterium. Vielmehr geht es mir um die Landschaften, die ich entdecken kann und wie leicht es ist, ohne Auto voranzukommen.

Da war die USA schon eine große Herausforderung. Um die besten Speisen vor Ort auszumachen, frage ich einfach an der Rezeption oder verwickle Leute auf der Straße in ein Gespräch, zum Beispiel im Park diejenigen, die gerade Gassi gehen, oder ich frage einfach meine Follower und Bloggerkollegen. Die Reisecommunity ist unglaublich offen und hilfsbereit. Daher habe ich auch kurzerhand eine eigene kleine Facebookgruppe gegründet, die auf meinem Blog verlinkt ist.

Welches Reiseziel konnte sie bisher mit seiner Küche positiv überraschen?

Japan! Ich bin kein Fan von Sushi und Fisch, aber in Japan hat man so viel Auswahl und es ist fast unmöglich, etwas zu finden, das nicht schmeckt. Nur vom Miso-Eis kann ich abraten. In jeder Stadt Japans gibt es eigene Spezialitäten und man kann passend dazu Schlüsselanhänger kaufen, denn die Japaner sind sehr stolz auf ihre regionale Küche.

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Sie sind auch auf vielen verschiedenen sozialen Kanälen aktiv. Welcher ist Ihr Favorit zum Teilen Ihrer Reiseerlebnisse und warum?

Ja, ich bin auf verschiedenen Plattformen aktiv und baue gerade meine Youtube Präsenz aus, aber Instagram macht mir bei weitem am meisten Spaß. Hier kann ich jeden Tag neue Fotos von meinen derzeitigen und auch mal Rückblicke von früheren Reisezielen in den schönsten Farben zeigen.

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Dazu schreibe ich meist kleine Hintergrundinformationen oder inspirierende Denkansätze für den kleinen Schuss Reiseinspiration an jedem Tag. Und in den Kommentaren kann man mir jederzeit Fragen stellen. Das ist das Schönste am Reisebloggen, der rege Ideen-Austausch mit anderen Reiselustigen.

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Vielen Dank für das Interview und weiterhin gute Reise(n) wünschen wir!

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Nirmalarajah Asokan

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