27.07.2016

SPASS AN DER ARBEIT Andrea Labonte hat einen Traumberuf: Wellness-Hotel-Testerin

Andrea Labonte auf einer Evaluierungs-Tour auf Sardinien.

Foto: Andrea Labonte

Andrea Labonte auf einer Evaluierungs-Tour auf Sardinien.

Darauf muss man erst mal kommen: Andrea Labonte arbeitet als Testerin von Wellness-Hotels und schreibt darüber in ihrer eigenen Kolumne.

bildderfrau.de: Würden Sie sich bitte kurz unseren Leser/innen vorstellen und uns erzählen, was Sie hauptberuflich machen?

Andrea Labonte: Vielen Dank, dass Sie mir Gelegenheit für dieses Interview geben. Ich arbeite als Wellnesshotel-Testerin bei einem der größten deutschen Wellnesshotel Portale www.wellness-heaven.de. In dieser Eigenschaft sammle ich nicht nur splendide Spa-Erlebnisse, sondern trage auch die skurrilsten Begebenheiten aus meinem Berufsalltag in der regelmäßig erscheinenden Kolumne „Aus dem Leben einer Hoteltesterin“ zusammen. Darüber hinaus schreibe ich als Reise-Expertin für FOCUS ONLINE und einige Traveller Magazine.

Wie kamen Sie zu dem Traumberuf Wellnesshotel-Testerin?

Im Jahr 2006 verbrachten mein Mann und ich ein verlängertes Wellness-Wochenende in einem eher mittelmäßigen Tiroler Hotel. Wären wir im Vorfeld besser informiert gewesen, hätten wir das Hotel nicht gebucht. Das war die Initialzündung. Damals gab es noch kein Online Hotelbewertungsportal mit dem Schwerpunkt Spa und wir haben diese Marktlücke für uns entdeckt.

Da mein Mann als Quantenphysiker auch über Programmier-Erfahrung verfügt, begann er, die Plattform neben seiner Promotion am Max-Planck-Institut aufzubauen. Ich arbeitete zu dieser Zeit noch hauptberuflich als Marketing Managerin bei einem globalen Luxusgüterkonzern. Somit war mir das Marktsegment internationaler „Highend“-Produkte vertraut. Diese Kenntnisse konnte ich dann bei der Evaluierung erstklassiger Wellnesshotels weiter ausbauen. All das, meine Leidenschaft zu schreiben und natürlich zu reisen, machten für mich den Beruf der Wellnesshotel-Testerin zu einem Traumberuf.

Sie testen explizit Luxushotels – da hat man vermutlich nicht viel mit den üblichen Problemen von Hotels im niedrigen Preissegment wie mangelnde Hygiene oder schlechtem Essen zu kämpfen, oder?

Ja, Sie haben Recht. Es ist tatsächlich so, dass wir den Besuchern unseres Portals nur wirklich gute Wellnesshotels empfehlen möchten. Daher testen wir in der Regel Hotels im oberen Marktsegment, die es sich nicht leisten können, extreme Fauxpas in Sachen Hygiene zu begehen. Und die Tatsache, dass ich ab und zu mit ein paar Kilos mehr auf den Rippen nach Hause zurückkehre zeigt, dass das Essen meist phantastisch und die Hotel-Restaurants einzigartig sind.

Was sind die Vorteile Ihres Berufs, abgesehen von den offensichtlicheren Luxus-Aspekten ihrer vorübergehenden Reise- und Wohnorte?

Abgesehen davon, dass ich immer wieder in spektakulären Hotel-Restaurants speisen, faszinierende Suiten bewohnen und zuweilen ungewöhnliche Spa-Treatments testen darf, ist für mich immer noch das Reisen an sich das Faszinierendste an meinem Job. Jedes Mal, wenn ich meine Koffer packe, verspüre ich dieses Prickeln im Bauch und diese ungewisse Vorfreude auf die bevorstehenden Abenteuer. Denn ich weiß, dort draußen warten wunderbare Landschaften, Begegnungen mit den unterschiedlichsten Menschen und viele Erlebnisse auf mich. Außerdem schreibe ich gerne. Dass ich beide Passionen, das Reisen und das Schreiben, als Hoteltesterin miteinander verbinden darf, erachte ich als absolutes Privileg.

Hat Ihr Beruf auch seine Schattenseiten?

In ganz seltenen Momenten, wenn z.B. eine Grippe im Anflug ist, oder mein Sohn mit dem falschen Fuß aufgestanden ist, bin auch ich etwas reisemüde. Denn mit einem Kleinkind die Welt zu erkunden ist nicht immer unbeschwert. So gestalten sich längere Flüge, Auto-, oder Bahnfahrten mit einem verständlicherweise ungeduldigen Dreijährigen hin und wieder als herausfordernd. Eine weitere Kehrseite ist, dass ich manchmal meine besten Freunde und meine Familie, die leider nicht um die Ecke wohnen, über Monate hinweg nicht sehe. Allerdings genießen wir die Treffen, die dann folgen umso mehr. Aber ich weiß, dass diese Schattenseiten im Vergleich zu den meisten anderen Berufen fast lächerlich erscheinen. Daher bin ich jeden Tag aufs Neue dankbar für meine Arbeit.

Sie schreiben als Reise-Expertin auch zahlreiche Berichte und Kolumnen – besteht bei dem Thema nicht die Gefahr, sich zu wiederholen?

„Wenn einer eine Reise tut, dann kann er was erzählen.“ Meiner Erfahrung nach besitzt das über 200 Jahre alte Zitat von Claudius auch heute noch absolute Gültigkeit. Denn sobald ich auf Reisen gehe, sprudeln die Inspirationen und Ideen ganz von alleine. Das Schöne daran ist, dass die meisten Wellnesshoteliers, deren Häuser wir bewerten, sehr kreativ und phantasievoll sind, sodass ich während meiner Testbesuche immer auch auf „Beutezug“ neuer Stories gehe, die einmalig sind.

Außerdem hat mich mein Vater gelehrt, mir stets den Blick für Situations- und Alltagskomik zu bewahren. Und so versuche ich mit offenen Augen durch die Welt zu gehen und die ein oder andere ernste, lustige und zuweilen auch groteske Geschichte zu entdecken.

Wie sind die Leserinnen und Leser ökonomisch aufgestellt, die Ihre Berichte lesen? Können durchschnittlich verdienende Menschen von den Orten und Hotels, die Sie bereisen, nur träumen?

Nein, eigentlich nicht. Manche Menschen müssen für das ein oder andere Hotel sicherlich etwas länger sparen, aber es kommt immer darauf an, wie man seine Prioritäten setzt. Viele meiner Freunde mit „herkömmlichen“ Berufen fragen mich oft nach Wellnesshotel-Tipps, denen Sie dann auch folgen. Vielleicht nicht für einen dreiwöchigen Urlaub, aber zumindest für ein verlängertes Wochenende.

Allerdings eignen sich manche Luxus-Destinationen, etwa im Indischen Ozean, nicht für einen solchen Kurztrip. Doch auch Urlauber mit niedrigerem Einkommen erfüllen sich im Rahmen ihrer Hochzeitsreise ihren Traum und gönnen sich manch eine Extravaganz. Die hohen Besucherzahlen auf Wellness Heaven zeigen deutlich, dass die Nachfrage nach attraktiven Wellnesshotels immer größer wird.

Was sind einige der besonderen Ansprüche von Luxus-Travellern?

Alle Urlauber – und da schließe ich Luxus-Traveller mit ein – suchen während ihrer Wellness-Auszeit das ganz besondere Erlebnis. Sie möchten überrascht und zu einem gewissen Grad auch verwöhnt werden.

Dieses Verwöhn-Programm beginnt nach einem Langstreckenflug am besten schon in der hoteleigenen VIP-Lounge am Flughafen, bevor es z.B. mit dem Wasserflugzeug weiter gen einsame Hotel-Insel geht. Hier kann der Gast duschen, auf Wunsch massiert werden und sich kulinarisch stärken. Dabei spielt Exklusivität und die Wahrung der Intimsphäre eine große Rolle. Check-In Schlangen vor Flugzeugen oder Hotel-Rezeptionen sind dem anspruchsvollen Reisenden ein Gräuel. Daher wird er nach dem kurzen Transfer per Wasserflugzeug beispielsweise zu seinem maledivischen Urlaubs-Eiland auch direkt von seinem persönlichen Butler am Ankunfts-Steg in Empfang genommen.

Dieser regelt die Check-In Formalitäten umgehend und geleitet den neuen Gast zu seiner Villa. Hier ertönt im Idealfall schon leise die Lieblingsmusik des Eintretenden und eine für ihn maßgeschneiderte Urlaubs-Bibliothek wartet darauf gelesen zu werden. Denn die individuellen Vorlieben und Erwartungen des Luxus-Travellers an seinen Urlaub wurden bereits vor Reiseantritt dem Hotel kommuniziert. Es ist dabei keine Seltenheit, dass persönliche Butler das Gepäck auspacken, Kühlboxen für Kosmetika reichen und als Willkommensgeste Pralinen bedruckt mit einem Portraitfoto des Reisenden reichen.

Gilt bei den Luxus-Hotels die Faustregel: je teurer, desto besser?

Ich kann vor allem von Wellnesshotels sprechen und hier gilt diese Regel nicht zwangsläufig. Meiner Erfahrung nach kommt es sehr stark auf die Bedürfnisse des Reisenden an. Es gibt wunderschöne kleine und günstige Hotels, die hohe Qualität liefern. Sie leben oft von ihrer einzigartigen Lage und der Herzlichkeit der Gastgeberfamilie. In diesen Häusern kann man auch für weniger Geld unvergessliche Urlaubstage verbringen. Ist man allerdings auf der Suche nach dem „Rundum-Sorglos-Paket“ mit Haute Cuisine, einem großen und abwechslungsreichen Spa sowie top ausgestatteten Suiten mit 24 h Hotel-Service, dann muss man etwas tiefer in die Tasche greifen. Ich bin aber überzeugt, dass man sein Urlaubsglück in beiden Hotelvarianten finden kann.

Wonach beurteilen Sie die Hotels? Auf welche Besonderheiten achten Sie bei Luxushotels?

Wir achten bei unseren dreitägigen Hoteltests auf jedes noch so kleine Detail. Die Qualität eines frisch gepressten Orangensafts beim Frühstück wird ebenso bewertet wie die Aussicht vom Whirlpool im Spa-Bereich. Insgesamt werden über 500 Kriterien im Rahmen einer Matrix evaluiert und von einem von uns entwickelten Algorithmus statistisch ausgewertet. Das Resultat sind Einzelnoten in fünf Bewertungskategorien (Spa, Kulinarik, Zimmer, Lage und Service) sowie eine Gesamtbewertung und ein detaillierter Testbericht.

Sind Sie als Hoteltesterin eigentlich anonym unterwegs, um einen möglichst ungefälschten Eindruck zu bekommen?

Unsere Tester kommen vorangemeldet. Die Ergebnisse sind dennoch verlässlich, weil es bei unseren Checks vorwiegend auch um die Überprüfung der „Hardware“ eines Hotels geht. So nehmen wir die Größe, Vielfalt und Qualität des Hotel-Spas genauestens unter die Lupe. Ebenfalls bewerten wir die Ausstattung der Zimmer und Suiten, die Lage des Hotels oder den Gesamteindruck der Kulinarik. Solche fest stehenden Bewertungskriterien lassen sich trotz Voranmeldung nicht beeinflussen.

Denn entweder verfügt ein Wellnesshotel über eine ausgezeichnete, solitäre und ruhige Lage oder eben nicht. Wie viele Pools, welcher Größe, Qualität und Varietät sind in dem Hotel vorhanden? Gibt es einen Indoor-, Outdoor, Sole-, oder Meerwasserpool? Wie abwechslungsreich ist die Saunalandschaft? Wie ist das Können des Küchenchefs und seiner Mannschaft einzuschätzen? Genau solche Fragestellungen sind es, die uns beschäftigen und die auch durch eine Voranmeldung nicht kurzfristig vom Hotelier verändert werden können. Die Wellness Heaven Hotelchecks sind anerkannt im Rahmen der Deutschen Hotelklassifizierung, die auch die Sterne vergibt.

Laufen in den Luxus-Hotels viele sonderbare Gestalten herum wie man sie aus den Filmen kennt, von den Gästen bis hin zu den Hotelmitarbeitern?

Meiner Erfahrung nach sind die meisten Gäste in der gehobenen Wellnesshotellerie eher diskret und auf Wahrung ihrer Privatsphäre bedacht. Allerdings ist es für mich immer wieder beeindruckend zu wissen, dass ich während eines Hoteltests zum Beispiel von derselben Therapeutin massiert werde, die einige Monate zuvor die Verspannungen von Barack Obama löste. Oder dass auch schon Daniel Craig im Bett meiner Suite nächtigte und Madonna am selben Hotelstrand wie ich spazierte.

Mit Hotelmitarbeitern ergaben sich hingegen schon skurrile Begebenheiten. Einmal hat mich ein Masseur gefragt, ob ich im Zuge eines Ganzkörperpeelings auch eine gepeelte Brust wünsche. Bis heute hat sich mir die Sinnhaftigkeit einer glatt gebohnerten Brust nicht offenbart. Auch eine überambitionierte persönliche Trainerin hat sich mir ins Gedächtnis gebrannt. Sie hat den Nordic-Walking-Anfängerkurs, den mein Mann und ich gebucht hatten, kurzerhand abgebrochen, weil wir scheinbar nicht den richtigen Walking-Rhythmus drauf hatten.

Wie vereinbaren Sie Ihr Familienleben mit dem vielen Reisen oder nehmen Sie Mann und Kind oft mit auf Reisen?

Seit der Geburt unseres Sohnes vor drei Jahren nehmen wir auch Wellnesshotels mit Familienausrichtung genauer unter die Lupe, sodass mich mein Mann und mein Sohn stets auf Reisen begleiten. Nur Adults-Only Hotels verzichten bislang auf den Besuch unseres „Junior-Testers“.

Was würden Sie Leserinnen raten, die auch einmal ein Luxushotel buchen möchten? Worauf sollten sie besonders achten?

Wie beim Kauf einer guten Immobilie ist vor der Buchung eines Hotels die Lage zu checken. Grundsätzlich rate ich Urlaubern darüber hinaus, sich vor einer Hotelbuchung unbedingt im Internet auf Bewertungs-Portalen wie eben Wellness Heaven schlau zu machen. Häufig sind auch Insider-Hoteltipps von guten Freunden mit ähnlichen Interessen und Vorlieben Gold wert.

---

Vielen Dank für das aufschlussreiche Interview!

Seite