16.06.2016

Vietnam Street Food in Hanoi: Das vermutlich gesündeste Fast Food der Welt

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So lecker sieht ein klassisches "Nom du du" aus.

Foto: Friederike Ostermeyer

So lecker sieht ein klassisches "Nom du du" aus.

Das Street Food von Hanoi zählt nicht nur zu den besten der Welt, sondern auch zu den gesündesten und frischesten. Warum man das kulinarische Abenteuer entlang der Altstadtgassen keinesfalls verpassen darf.

„Nom du du“, sagt Ngoc Ai, „ist eine der besten Vorspeisen, die man sich vorstellen kann.“ Es ist kurz nach 12 Uhr mittags und die kleine Straße Đinh Liệt, die direkt nördlich der zentralen Hoan-Kiem-Sees beginnt, füllt sich mit immer mehr Menschen. Dicht an dicht reiht sich eine Garküche nach der anderen. Gemüse, Fleischspieße und ganze gerupfte Vögel grillen über offenes Feuer. Die Gehwege sind vollgestellt mit niedrigen Tischen und Hockern aus Plastik, zwischen denen Frauen mit spitzen Reishüten ihre mit Obst, Gemüse oder Reiskuchen beladenen Fahrräder entlang balancieren. In der Luft mischen sich die Düfte von gebratenem Fleisch, frischen Kräutern und Gewürzen. Hanoi ist das schönste Freiluft-Esszimmer der Welt, findet Ngoc Ai.

Die meisten Vietnamesen kennen die kleine, zarte Frau, deren 46 Jahre man ihr gar nicht ansieht, aus dem Fernsehen, wo sie durch die beliebte Kochsendung „MasterChef Vietnam“ innerhalb kürzester Zeit zum TV-Star wurde. Als Expertin für vietnamesische Küche und Street Food Kultur hat sie bereits 14 Kochbücher geschrieben und weiß genau, welche Gerichte bei Europäern gut ankommen und welche Spezialitäten eher als Mutprobe durchgehen. Mit einem „Nom du du“ liegt man immer richtig, sagt sie und händigt einen kleinen Teller aus, auf denen feine Streifen aus grüner Papaya, Möhren, magerem Rindfleisch und frischer Minze zu einem Salat geschichtet sind. Dazu wird ein Dressing aus Fischsauce, Chili, Zitronen und gerösteten Erdnüssen gereicht. „Erfrischend und dazu schön anzusehen“, bemerkt Ngoc Ai. Und das ist es wirklich.

Ein Stück die Straße hinauf zeigt sie anhand eines gewöhnlichen Straßenstandes, wie es sie zu Hunderten in Hanoi gibt, welche Gemüsesorten in der vietnamesischen Küche Anwendung finden. Sie deutet auf etwas, dass aussieht wie ein kleiner, violetter Maiskolben. „Das sind Bananenblüten, sie schmecken ein bisschen so wie Artischocken“, erklärt sie. Die Blätter werden gedünstet, gebraten, gekocht oder zum Dippen für Soßen benutzt und sind derart vollgepackt mit Nährstoffen, dass sie in Europa bereits als exotisches Superfood gefeiert werden. Das Gleiche gilt für die nussig schmeckenden Lotusblätter und -wurzeln oder die vielen unbekannten Sorten von Spinat, Basilikum und Minze.

Wer mit Ngoc Ai durch die Straßen Hanois schlendert, lernt die wunderlichsten Dinge kennen. „Tausendjährige Eier“ zum Beispiel, die in ganz Asien als Delikatesse gelten. Dazu werden rohe Enteneier mit einem Brei aus Späne, Salz, Kalk und Reiskleie umhüllt und mindestens drei Monate lang in die pralle Sonne gelegt. Dadurch verwandelt sich der Dotter in eine grünblaue, sahnige Konsistenz. Für das europäische Auge ist der Anblick etwas gewöhnungsbedürftig, doch einmal probiert kann man durchaus Gefallen daran finden. Genauso verhält es sich mit der vietnamesischen Schneckensuppe „Bun oc nong“, auf die Ngoc Ai schwört. Das mit viel frischem Gemüse und Reisschnaps angereicherte Gericht schmeckt mild, leicht säuerlich und soll dank der Schnecken, von denen man das Gefühl hat, auf Gummi zu beißen, vor Nährstoffen nur so strotzen. Mutige können die Schneckensuppe mit einer Dose „Saigon Special“ Bier herunterspülen.

Warum vietnamesisches Street Food gesund ist und sogar schlank macht

Frisches Gemüse, Kräuter und Sprossen sind die Hauptbestandteile nahezu jeder Speise. Hinzu kommen zahlreiche Soßen zum Dippen und noch mehr Gemüse und Salatblätter, die man sich zusätzlich zusammen mit Fleisch in dünnes Reispapier wickelt. Das Auge isst bekanntlich mit und das trifft auf das Street Food von Hanoi besonders zu. Vermutlich gibt es kaum eine farbenfrohere Art, gesundes und vielseitiges Essen auf der Straße zu genießen.

Traditionell nutzen die Asiaten keine Milch- oder Weizenprodukte, sodass alle Gerichte weder Laktose noch Gluten beinhalten. Bis auf wenige Ausnahmen kommen nur magere Fleischsorten wie Rind oder Hühnchen auf den Tisch. Figurbewusste sollten bei Schweinefleischgerichten und frittierten Frühlingsrollen etwas vorsichtiger sein. Auf Nummer sicher geht man, wenn man einfach die vegetarische Option bestellt. Reisnudeln in Suppen oder Reispapier zum Umwickeln dienen dabei meist als einzige Kohlenhydratquelle und schlagen weit weniger ins Gewicht als man vermutet.

Mit der Wahl des richtigen Street Food-Standes können Foodies sich regelrecht schlank futtern, ohne auf intensive Geschmackserlebnisse verzichten zu müssen. Einzige Fallen sind das köstlich, erfrischende Saigon Bier oder frittierte Reisbällchen zum Nachtisch. Doch auch diese kleinen Sünden gehören zum Street Food-Abenteuer dazu und sollten keinesfalls verpasst werden. Und selbst wenn gleich drei oder vier Stände getestet werden, hat man danach nie das Gefühl sich „überfressen“ zu haben. Im Gegenteil: Dank der vielen vitamin- und nährstoffreichen Zutaten spürt man regelrecht, dass man Körper und Seele etwas Gutes getan hat.

Woran man einen guten Street Food-Laden in Hanoi erkennt

Für die Einheimischen ist Street Food kein Event, sondern ein wichtiges Ritual während der Mittagspause und nach Feierabend. Wo immer sich die Bewohner Hanois niederlassen, sollte man sich dazugesellen. Sprachbarrieren sind übrigens kein Problem, denn jeder Stand bietet nicht mehr als ein oder zwei Gerichte an. Sagt einem Gesehenes zu, ist die Bestellung mittels Zeichensprache schnell erledigt.

Ein Street Food-Stand ist chaotisch. Servietten oder Essenreste auf dem Boden gehören zum Lebensgefühl. Trotzdem sollte der Koch-Bereich sauber und appetitlich aussehen. Niemals darf ein Gericht umgerechnet mehr als zwei Euro kosten, alles andere sind Touristen-Fallen. Wer hinterher mehr geben möchte, kann seine Anerkennung in Form von Trinkgeld ausdrücken.

Und noch ein Tipp: Suchen Sie das Unbekannte und das Außergewöhnliche. Sommerrollen oder Nudelsuppen gibt es auch hierzulande in jedem vietnamesischen Restaurant. Doch sind es gerade jene Gemüse- und Obstsorten, die sich nur schwer exportieren lassen, die einem ungeahnte Geschmackserlebnisse bieten. Und keine Sorge, selbst wenn es hier und da noch Orte geben soll, an denen Hundefleisch angeboten wird, haben selbst die Einheimischen ihren Genuss daran verloren. Mittlerweile haben die meisten nämlich erkannt, dass Hunde echte Freunde sind und sich statt Suppen-Einlage viel besser als liebenswerte Haustiere eignen.

Die Recherche wurde unterstützt von Vietnam Airlines und www.enchantingtravels.de. Der deutschsprachige Reiseveranstalter bietet übrigens auch spannende Street Food-Touren mit einheimischen Experten an.

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