13.06.2016

Erlebnistipps Reise Vietnam: 5 Dinge, die man in Hanoi erlebt haben muss

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Vietnam ist nicht zuletzt eine Reise wert für die gesunden und leckeren Speisen.

Foto: Friederike Ostermeyer

Vietnam ist nicht zuletzt eine Reise wert für die gesunden und leckeren Speisen.

Hanoi ist laut, chaotisch und auf seine Art wunderschön. Unsere fünf Highlights verraten, wo Sie jenseits der Touristen-Hotspots den einzigartigen Charme der vietnamesischen Hauptstadt erfahren.

Sich auf ein Street Food-Abenteuer in der Altstadt einlassen

In Hanoi spielt sich das Leben auf der Straße ab. Die Gehwege vor den Häusern dienen als Arbeitsstätte, Spielplatz, sozialer Treffpunkt und sogar als Entspannungsort. Vor allem aber, ist die Straße ein einziges großes Esszimmer. Deshalb hat Vietnam von allen asiatischen Ländern die ausgeprägteste und leckerste Street Food-Kultur. Die Gerichte sind so hochwertig, dass selbst ein ungeübter europäischer Magen damit bestens zurecht kommt. Perfekter Startpunkt, um das quirlige Street Food-Abenteuer zu beginnen, ist die Straße Đinh Liệt, die direkt nördlich des zentralen Hoan-Kiem-Sees beginnt. Von da an heißt es: immer der Nase nach. Und den Augen.

Wuselige Garküchen, Grillfeuer, über denen ganze Enten braten, Auslagen mit farbenprächtigem Obst und Gemüse reihen sich hier dicht an dicht. Vor jedem Stand, die meistens jeweils nur ein Gericht anbieten, stehen wiederum unzählige, meist vollbesetzte Plastiktische mit niedrigen Hockern. Neben Frühlingsrollen, gegrillten Fleischspießen, Salate aus Lotus, Minze, Sprossen und Papaya, gehört eine echte „Pho“ zu den absoluten Highlights. Weil die traditionelle Nudelsuppe mit Fleisch, Gemüse und Kräutern so simpel wie genial ist, hat der Nachrichtensender CNN sie kürzlich zu den 40 besten Gerichten der Welt gekürt. Sich einem Tag oder Abend dem Street Food hinzugeben, ist ein Fest für die Sinne und obendrein gesund. Die traditionelle vietnamesische Küche ist glutenfrei, laktosefrei und arm an Kohlehydraten. Lässt man all zu fettiges Fleisch weg, kann man sich auf den Straßen Hanois regelrecht schlank futtern – und das mit allergrößtem Genuss.

Spaziergang durch die sonderbare Schienen-Gasse

Mitten in der Altstadt befindet sich eine schmale, scheinbar namenlose Gasse, die so eng ist, dass selbst ein Auto kaum hindurch käme. Doch statt einer Straße oder einem Gehweg ist in der engen Häuserschlucht gerade mal Platz für ein Bahngleis. Die Menschen, die links und rechts davon leben, gehen wie alle anderen auch, ihren täglichen Geschäften vor der Haustür nach. Es gibt dort kleine Läden, Tischlereien, Werkstätten und an den hohen Häuserwänden baumelt bunte Wäsche. Die Gleise dienen als Ablagemöglichkeit, Arbeitsfläche und Abenteuerspielplatz für Kinder. Doch wenn ein erstes Vibrieren und schließlich lautes Hupen den nächsten Express-Zug nach Saigon ankündigt, räumen alle seelenruhig ihre Habseligkeiten zusammen, stellen sicher, dass kein Kind mehr auf den Schienen herumtollt und drücken sich solange in die Hauseingänge bis der Zug vorbeigerauscht ist.

Dann wird das Tagesgeschäft wieder aufgenommen. Die ganze Szenerie hat etwas Pittoreskes, fast Unwirkliches an sich. Wer hier entlang spaziert, betritt einen ganz eigenen Mikrokosmos innerhalb Hanois, dessen Rhythmus von Fahrplänen bestimmt wird. Die Bewohner, die das Ritual um den vorbeirasenden Zug völlig entspannt mehrmals täglich mitspielen, müssen von einem ganz besonderen Schlag sein. Vielleicht würden gerade deshalb die meisten von ihnen nie im Leben daran denken, ihren verrückten Ort zu verlassen. Ihr Gleichmut beweist, dass ihr rasendes Ungetüm genauso zu ihrem Alltag gehört, wie tägliche Portion Pho. Die Gleis-Gasse ist vermutlich eine der eigenartigsten Straßen der Welt und damit perfekte Kulisse für ausgefallene Fotos.

Die Schienen-Gasse geht links und rechts von der Hauptstraße Điện Biên Phủ Nr. 10 ab.

Ein Besuch im Wasserpuppentheater

Zugegeben gehört der Besuch eines Wasserpuppentheaters nicht gerade zu den ultimativen Geheimtipps. Allerdings ist diese mehr als 500 Jahre alte Kunst weltweit nur in Hanoi und Saigon zu sehen. Entstanden ist das Wasserpuppentheater auf dem Land, als irgendein Bauer während der Regenzeit auf die Idee kann, das viele Wasser als Bühne zu nutzen. Darsteller sind wunderschön geschnitzte Holzpuppen, die an langen Stangen unter einem Bambusvorhang geschoben werden. Dahinter befinden sie die Puppenspieler, die gleichzeitig die Puppen übers Wasser halten und die beweglichen Arme und Beine Figuren an Strängen und Schnüren steuern.

Es heißt, dass es drei Jahre Übung braucht, die bis zu 5 Kilo schweren Puppen elegant tanzen lassen zu können. Die Geschichten handeln von feuerspeienden Drachen, dem Leben auf dem Land oder einer goldenen Schildkröte, die König Le Loi das Schwert entreißt, um es den Göttern zurückzubringen. Begleitet wird das Schauspiel, dessen Abfolge seit Jahrhunderten unverändert bleib, von einem traditionellen Orchester, das die Bedeutung der einzelnen Szenen mit Trommeln, Flöten und herzzerreißenden Gesängen unterstreicht. Fast wäre das besondere Kulturgut in den 1980er-Jahren ausgestorben, doch eine kleine französische Organisation hat sich darum bemüht, die alte Theaterkunst im letzten Moment wieder aufleben zu lassen. Zum Glück. Denn in diesem Fall ist ein Besuch der Wasserpuppen zu Recht eine bekannte Touristen-Attraktion.

Adresse: Thăng Long Water Puppet Theatre, 57b Đinh Tiên Hoàng

Nudelsuppe im Bún chả – wo Obama schon speiste

Die kleine Garküche im Zentrum von Hanoi wirkt von Außen so unscheinbar, dass Uneingeweihte achtlos daran vorbeigehen. Drinnen wird es auch nicht besser: In einem schmalen Raum, der einzig von kalten Neonröhren beleuchtet ist, stehen dicht gedrängt zehn speckige Blechtische, vor denen die Gäste auf porösen und vor allem viel zu kleinen Plastikhockern sitzen. Die Wände sind fleckig, der Deckenventilator zu laut und der Boden ist mit heruntergefallenen Essenresten übersät. Ist das ein Ort für einen Präsidenten? Als Barack Obama während seines Staatsbesuchs im Mai 2016 hier mit seinem berühmten Leibkoch Anthony Bourdain einkehrte, überschlugen sich die englischsprachigen Medien vor Verwunderung.

„US-Präsident isst 6-Dollar-Nudeln in Hanoi“, titelte beispielsweise der Telegraph. Doch was für eine: Die Bún chả ist eine Reisnudelsuppe mit gegrilltem Schweinefleisch und frischen Kräutern, also eine regionale Version der klassischen Pho, die es so nur in Nordvietnam gibt. Dazu gibt es frittierte Frühlingsrollen und Dipp-Soßen nach Geheimrezept. Einmal probiert, kann man nicht genug davon bekommen. Bourdain wusste ganz genau, warum der mächtigste Mann der Welt sich diese Speise in seinem Original-Ambiente nicht entgehen lassen darf. Übrigens hat man im Bún chả nicht die Qual der Wahl. Auf der nicht vorhandenen Karte gibt nur ein Gericht: nämlich Bún chả. Und auch wenn der Telegraph ebenfalls anmerkte, dass dieses Bún chả tatsächlich das beste der Welt sei, hat er sich in einer Sache geirrt. Sie kostet keine sechs Dollar, sondern gerade mal 2,50. Also etwas mehr als umgerechnet zwei Euro.

Adresse: 24 Lê Văn Hưu, Hanoi

Frisches Bier trinken in einem traditionellen Bia Hoi

Hanoi ist kein Ort für Weinliebhaber, aber ein umso schönerer für Bierfreunde. Das beste, frischeste und auch günstigste Bier gibt es in einem „Bia Hoi“, das sich in der Altstadt an fast jeder Straßenecke findet. Erkennbar ist die simple Bierbar an einem großen Stahlfass, vor dem ab späten Nachmittag ein paar niedrige Tische und Hocker auf den Gehweg aufgestellt werden. Darin befindet sich das am Vormittag frisch gebraute Bier, welches nur 24 Stunden haltbar ist. Erfahrungsgemäß ist das Fass gegen 11 Uhr leer, denn das Bia Hoi ist für die Einheimischen ein wichtiger sozialer Treffpunkt. Drei Gläser von dem kühlen, süffigen Gebräu sind schnell getrunken. Ein 0,4-Glas von dem frisch Gezapften kostet gerade mal 30 Cent ist aufgrund seines etwas niedrigeren Alkoholgehaltes sehr erfrischend. Genau das Richtige bei den tropischen Temperaturen.

Die dazu gereichten Erdnüsse verdoppeln die Rate schnell, zudem man lieber noch eines bestellt, als sich umständlich von den viel zu niedrigen Hockern zu erheben. Außerdem ist ein Bia Hoi die lustigste Möglichkeit, Einheimische kennenzulernen. Der sehr enthusiastisch ausgerufene Trinkspruch „Mot hai ba yoooo“, der so viel wie „eins, zwei, drei runter damit!“ bedeutet, ist schnell gelernt und wirkt ungeheuer verbindend. Mittlerweile beherrschen die meisten jungen Leute auch ein paar Brocken Englisch, mit denen vor allem sie ihre Begeisterung für die deutsche Fußballnationalmannschaft ausdrücken. Die Braukunst haben die Vietnamesen allerdings tschechischen Arbeitern zu verdanken, die ihnen einige ihrer besten Rezepte anvertrauten. Die Hanioer entwickelten daraus ihre einzigartige Bia Hoi-Kultur, die seitdem zum typischen Lebensgefühl der Stadt beiträgt. Keinesfalls verpassen!

Ein Bia Hoi ist dank der Hinweisschilder und dem großen Fass bei einem Abendspaziergang durch die Altstadt schnell zu finden. Getestet und für gut befunden ist beispielsweise das Bia Hoi in der 5B Trần Phú, Cửa Đông

Die Recherche wurde unterstützt von Vietnam Airlines und dem Reisveranstalter www.enchantingtravels.de.

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