Aktualisiert: 31.10.2020 - 14:31

Schufa-Auskunft und Co Was passiert eigentlich... beim Bonitätscheck?

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Beim Online-Einkauf merken wir nichts davon, bei der Suche nach der Traumwohnung schon: Was ist eigentlich der Bonitätscheck – und was passiert dabei?

Foto: iStock.com/Ridofranz

Beim Online-Einkauf merken wir nichts davon, bei der Suche nach der Traumwohnung schon: Was ist eigentlich der Bonitätscheck – und was passiert dabei?

Schufa, Auskunfteien, Bonität – der Bonitätscheck ist auf den ersten Blick undurchsichtig, obwohl er viele wichtige Bereiche unseres Lebens betrifft.

Egal, ob die neue Waschmaschine finanziert werden soll, ein Kredit bei der Bank angefragt wird oder ein Wechsel des Handyvertrags ansteht: Bonitätschecks kommen heutzutage überall vor. Die wichtige Frage: Wie funktioniert der Bonitätscheck – und welche Daten können überhaupt abgefragt werden?

Kreditwürdigkeit überprüfen: Was ist ein Bonitätscheck?

Mithilfe eines Bonitätschecks (auch Bonitätsprüfung) wollen sich Unternehmen, Online-Shops, Banken oder Vermieter einen Überblick über die Kreditwürdigkeit (Bonität) ihrer Kunden verschaffen. Deshalb kommt er meistens dann zum Einsatz, wenn die Anbieter-Seite ein finanzielles Risiko eingeht – beispielsweise, weil eine Zahlung auf Rechnung ausgestellt wird, ein Kredit gewährt wird oder eine Wohnung vermietet werden soll.

Die Anbieter wollen frühzeitig einschätzen können, ob in Zukunft mit Zahlungsausfällen bzw. -verzögerungen zu rechnen ist und dementsprechend entscheiden, ob sie ein mögliches Risiko eingehen wollen. In der Praxis bedeutet das: Wer keine gute Bonität vorweisen kann, wird Probleme haben, einen Kredit zu erhalten, einen neuen Stromvertrag abzuschließen oder bei Online-Shops eine Finanzierung zu erhalten.

Da Unternehmen automatisch einen Bonitätscheck bei ihren Kunden durchführen dürfen, sobald ein "berechtigtes Interesse" (z. B. finanzielles Risiko) vorliegt, gehört er mittlerweile in vielen Branchen mit zum Standardablauf.

Was passiert bei einem Bonitätscheck?

Insbesondere bei Online-Shops laufen Bonitätschecks heutzutage meistens vollständig automatisiert ab. Das bedeutet: Bevor ein Kunde eine Bestellung (z. B. via Kauf auf Rechnung / Finanzierung) abschließen kann, wird eine automatische Anfrage bei einer Auskunftei gestellt. Die bekannteste Auskunftei in Deutschland ist dabei die Schufa.

Auskunfteien arbeiten mit ihren Partnerunternehmen wechselseitig zusammen: Auf der einen Seite leiten die Unternehmen relevante Zahlungsinformationen ihrer Kunden an die Schufa weiter; gleichzeitig können die Unternehmen bei jedem Kunden schnell und direkt auf die von der Schufa gespeicherten Informationen zum Kunden zugreifen.

Aus den relevanten Bonitätsinformationen errechnen Schufa und Co den sogenannten Bonitätsscore. Je nach Branche wird dieser in unterschiedlichen Varianten (z. B. 0 – 100 Prozent) dargestellt und gibt den Unternehmen auf einen Blick eine Übersicht über die Kreditwürdigkeit des Kunden. Wie der Score tatsächlich berechnet wird, geben die Auskunfteien nicht bekannt.

Das Problem: Online-Shops fragen meistens nur den Bonitätsscore ab – sollte dieser außerhalb des Spitzenbereichs liegen, können Kunden also schnell automatisch ausgeschlossen werden, ohne dass es eine Rolle spielt, weshalb der Bonitätsscore gesunken ist. Das kann beispielsweise auch der Fall sein, wenn mehrere Umzüge innerhalb kurzer Zeit stattfinden.

Alternative: Konditionsanfrage

Die Alternative zum Bonitätscheck ist die sogenannte Konditionsanfrage. Diese Methode ist vor allem bei Online-Kreditanbietern beliebt: Mithilfe der Konditionsanfrage können ebenfalls in wenigen Sekunden alle Informationen abgefragt werden, die für einen Kreditantrag relevant sind. Der Unterschied: Im Gegensatz zu einem vollwertigen Bonitätscheck im Rahmen eines Kreditvertrags wird die Konditionsanfrage nicht in der Schufa-Akte der Kunden gespeichert und hat somit auch keine Auswirkungen auf den Bonitätsscore. Wird der Kreditantrag also letztendlich abgelehnt, hat das keine negativen Folgen für die Kunden.

Welche Daten sind bei einem Bonitätscheck relevant?

Auf den ersten Blick mag es so wirken als hätten Schufa und Co einen Einblick in alle Lebensbereiche der Verbraucher. Das stimmt glücklicherweise nicht. Denn auch wenn es anders wirken mag: Faktoren wie der Beruf, das Einkommen oder Ersparnisse spielen für die Schufa keine Rolle – deshalb müssen sie bei Vermietern und Banken auch häufig separat eingereicht werden. Von Auskunfteien gespeichert – und dadurch über einen Bonitätscheck abrufbar – sind vor allem folgende Daten:

  1. Personendaten: Alter, Wohnort, Geschlecht etc.
  2. Informationen zu laufenden Verträgen
  3. Informationen zur vergangenen Zahlungshistorie
  4. Offene Forderungen
  5. Anzahl von Girokonto und Kreditkarten
  6. Daten aus öffentlichen Schuldnerverzeichnissen
  7. Inkasso- und Gerichtsdaten

Das bedeutet: Wer seine Rechnungen rechtzeitig bezahlt und seine Finanzen grundsätzlich im Griff hat, muss auch bei einem Bonitätscheck keine Ablehnung befürchten.

Bonitätscheck – wie kann ich mich vorbereiten?

Wenn ein wichtiger Vertrag (z. B. Kreditantrag, Mietvertrag) ansteht, soll die Bonität natürlich keinen Grund für potenzielle Probleme darstellen. Aber: Auch bei der Schufa schleichen sich immer wieder fehlerhafte oder veraltete Einträge ein.

Glücklicherweise hat auch jede Privatperson die Möglichkeit, die von Schufa und Co gespeicherten Daten einzusehen. Bis vor einigen Jahren war das nur einmal jährlich auf kostenlosem Weg möglich – wer häufiger Informationen benötigte, sollte zahlen. Das hat sich seit dem Inkrafttreten der DSGVO (Datenschutz-Grundverordnung) im Mai 2018 jedoch geändert: Die Auskunfteien sind nun dazu verpflichtet, Verbrauchern mehrmals jährlich eine kostenlose Selbstauskunft über alle gespeicherten Daten bereitzustellen.

Diese kostenlose "Datenkopie nach Artikel 15 DSGVO" lässt sich direkt über die Website der Schufa anfordern. Wichtig dabei: Auch wenn die Auskunfteien eigentlich zur mehrmaligen Bereitstellung verpflichtet sind, werden häufigere Anfragen gerne durch Vorgaben wie "in angemessenen Abständen" abgewehrt, um weiterhin eine Möglichkeit zu haben, kostenpflichtige Produkte zu verkaufen. Wer also lediglich den eigenen Bonitätsscore einsehen möchte und keine genaueren Informationen über die vorhandenen Einträge braucht, sollte dafür lieber einen der vielen Online-Anbieter nutzen und sich die Datenkopien für regelmäßige, umfassende Selbst-Checks aufbewahren.

Hilfreiches über Finanzen verrät Ihnen übrigens Podcasterin Babett Mahnert in ihrem großen Finanzen-verbessern-Ratgeber auf BILD der FRAU:

Mehr Infos zu rechtlichen Themen finden Sie übrigens in unserem Ratgeber Recht.

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