05.03.2020

Arbeitsrecht im Pandemie-Fall Coronavirus: Habe ich ein Recht auf Homeoffice?

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Darf ich jetzt eigentlich aus Angst vor dem Coronavirus im Homeoffice arbeiten? Und wie sehen die Rechte für Arbeitgeber im Epidemie-Fall aus? Ein Rechtsanwalt beantwortet dringende Fragen.

Foto: iStock/damircudic

Darf ich jetzt eigentlich aus Angst vor dem Coronavirus im Homeoffice arbeiten? Und wie sehen die Rechte für Arbeitgeber im Epidemie-Fall aus? Ein Rechtsanwalt beantwortet dringende Fragen.

Wie ist das eigentlich, wenn ich jetzt krank werde? Wie kann ich mich als Arbeitnehmer genügend schützen, etwa wenn ich im Großraumbüro arbeite oder einen langen Arbeitsweg mit öffentlichen Verkehrsmitteln vor mir habe? Ein Rechtsanwalt und Experte in Sachen Arbeitsrecht beantwortet die wichtigsten Fragen.

Die Verbreitung des neuartigen Coronavirus Sars-CoV-2 sorgt bei vielen Menschen für Unsicherheiten, auch in Bezug auf den Arbeitsplatz. Nachdem die Behörden in Nordrhein-Westfalen mehrere häusliche Quarantänen angeordnet haben, stellt sich die Frage, ob arbeiten im Homeoffice als präventive Maßnahme gegen das Coronavirus nicht sinnvoll wäre. Doch ist das so einfach möglich? Und wenn nicht, was passiert bei einer Infektionsgefahr am Arbeitsplatz? Wie das genau mit dem Arbeitsrecht in Coronavirus-Zeiten aussieht, beantwortet unser Experte, Rechtsanwalt Markus Mingers.

Coronavirus und Arbeitsrecht: Schutz der Arbeitnehmer geht vor

Arbeitnehmer müssen vor vermeidbaren Schäden für Leben oder Gesundheit vom Arbeitgeber geschützt werden. Das gebietet die Fürsorgepflicht des §§ 242 Abs.2, 618 BGB. Die Reichweite dieser liegt erstmal im Ermessen des Arbeitgebers. Präventiv sollte jedoch eine Aufklärung über Infektionsgefahr und Hygienevorschriften erfolgen. Bei konkreter Infektionsgefahr sollten weitere Vorsichtsmaßnahmen ergriffen werden.

Sollte der Betrieb vom Gesundheitsamt geschlossen werden, haben die Mitarbeiter ein Recht auf Lohnfortzahlung. Das gleiche gilt, wenn Quarantäne für einzelne Arbeitnehmer angeordnet werden. In beiden Fällen wird das Geld den Arbeitgebern jedoch erstattet.

Recht auf Homeoffice: Weisungsrecht liegt derzeit noch beim Arbeitgeber

Ein Recht auf Homeoffice wird zwar gerade diskutiert, noch hat der Arbeitgeber aber das Weisungsrecht inne, darf also entscheiden, wo der Arbeitnehmer seine Arbeitsleistung erbringen soll. Dabei muss er sich jedoch an den Rahmen des Arbeitsvertrags oder eine (nachträgliche) Zusatzvereinbarung mit dem Angestellten halten. Die Entscheidung, ob überhaupt im Homeoffice gearbeitet werden darf, kann dementsprechend nur vom Arbeitgeber und -nehmer zusammengetroffen werden.

Darüber hinaus gibt es allerdings verschiedene Voraussetzungen für die Arbeit im Homeoffice. Erstmal muss die Arbeit im Homeoffice überhaupt möglich sein, was meistens nur bei Büroarbeit zutrifft. Zweitens muss der häusliche Arbeitsplatz entsprechend vom Arbeitgeber eingerichtet sein. Beispielsweise dürfen ein PC, ein Telefon und gutes Internet nicht fehlen. Weiter müssen Vorkehrungen für den Schutz von betriebsinternen Daten ergriffen werden.

Vom Homeoffice muss das mobile Arbeiten unterschieden werden. Während beim Homeoffice ein festinstallierter Arbeitsplatz zuhause besteht, beschreibt mobiles Arbeiten das Innehaben eines Arbeitsauftrages, der überall erledigt werden kann.

In beiden Fällen greift nichtsdestotrotz das Arbeitszeitgesetz, das Höchstarbeitszeiten, Ruhepausen Arbeitszeitvorgaben vorschreibt. Kernarbeitszeiten und Erreichbarkeit können jedoch individuell abgestimmt werden. Allerdings besteht eine Dokumentationspflicht der Arbeitszeit.

Verdachtsfälle am Arbeitsplatz: Was tun im Virusfall?

Sollte keine Homeoffice-Regelung bestehen, dann darf der Arbeitnehmer auch nicht aus Angst oder nur bei Verdachtsfällen einer Infektion der Arbeit fernbleiben.

Der Aufenthalt am Arbeitsplatz könnte erst unzumutbar sein, wenn mehrere Infektionen im Betrieb bekannt sind, also eine konkrete Ansteckungsgefahr besteht. Selbst dann würde das Zurückbehaltungsrecht aber nur gelten, bis der Arbeitgeber geeignete Schutzmaßnahmen ergriffen hat. Das Risiko einer Fehleinschätzung der Lage trägt allerdings der Arbeitnehmer und grundloses Fernbleiben kann zu einer Abmahnung führen.

Geeignete Maßnahmen durch den Arbeitgeber wäre ein Betriebsverbot für den Infizierten und das Informieren des zuständigen Gesundheitsamtes. Die zuständigen Stellen könnten weitere Maßnahmen einleiten, wie im Kreis Heinsberg, die Arbeitnehmerinnen und -nehmer in häusliche Quarantäne geschickt haben.

Weitere Möglichkeiten der Arbeitgeber

Wenn solche Regelungen wie Homeoffice oder mobiles Arbeiten vorher nicht festgelegt wurden, muss der Arbeitgeber arbeitsfähige Mitarbeiter auch beschäftigen. Nur kranke Mitarbeiter dürfen zum Arzt zur Krankschreibung und schließlich nach Hause geschickt werden. Dann besteht ein Anspruch auf Krankengeld.

Urlaub und Überstundenabbau sind nur möglich, wenn der Arbeitnehmer diese freiwillig beantragt. Allumfassende Betriebsferien können nur mit einer angemessenen Frist angeordnet werden.

Wenn der Arbeitgeber Infektionen befürchtet, kann er den Betrieb als Vorsichtsmaßnahme schließen. Dann hat er den Arbeitsausfall jedoch selbst verursacht und muss folglich trotzdem weiter Gehalt an die Mitarbeiter zahlen, zuzüglich weiterer variablen Vergütungsbestandteile.

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Markus Mingers ist Rechtsanwalt und Inhaber der Kanzlei Mingers & Kreuzer sowie Gründer der Mingers. Rechtsanwaltsgesellschaft mbH. Als Experte für Arbeitsrecht, Bank-und Kapitalmarktrecht vertritt er deutschlandweit Verbraucher von mittlerweile drei Standorten aus, u. a. Köln, Jülich und Düsseldorf. Gemeinsam mit seinem Team erkämpft er Gelder aus Urteilen und Gesetzen, die für Verbraucher bisher nicht zugänglich waren. Nach dem Prinzip "David gegen Goliath" geht er gegen Großkonzerne, Banken und Versicherer vor. Somit konnte er für seine Mandanten bereits diverse erfolgreiche Prozesse im Bereich Widerruf Autokredit, Darlehen, Rückabwicklung Lebensversicherung und im VW-Abgasskandal gewinnen.

Bei uns gibt er außerdem Tipps dazu, welche Rechte Arbeitnehmer haben, wenn das eigene Kind krank ist.

Mehr rechtliche Themen lesen Sie in unserem Ratgeber Recht. Infos zur aktuellen Lage der Coronavirus-Ausbreitung gibt's in unserem Ticker.

Hier finden Sie eine interaktive Karte zur aktuellen Ausbreitung von Sars-CoV-2 in Deutschland.

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