04.01.2020

Vorstoß für den Umweltschutz? DHL will nur noch einen Paketdienst pro Straße

Bald nur noch ein Paketzusteller pro Zustellgebiet? Das ist eine Idee der Deutschen Post. Die Konkurrenz sieht das aber gar nicht so rosig.

Foto: iStock/AndreyPopov

Bald nur noch ein Paketzusteller pro Zustellgebiet? Das ist eine Idee der Deutschen Post. Die Konkurrenz sieht das aber gar nicht so rosig.

Zahlreiche Paketdienste gibt es in Deutschland, alle fahren sie überall hin. Das ist der Deutschen Post zu viel. Sie will neue Zusteller-Regelungen – vor allem im Sinne der Umwelt. Aber was steckt wirklich dahinter?

DHL, DPD, UPS, Hermes, Amazon Logistics... die Liste der Paketzusteller in Deutschland ist lang. Alle agieren sie unterschiedlich, aber eines haben sie gemein: Theoretisch fahren sie alle jede Adresse an. Das hat zur Folge, dass der Paketbote manchmal gleich mehrmals am Tag klingelt. DHL bzw. die Deutsche Post will dies aber ändern: Durch eine neue Zusteller-Regelung soll erreicht werden, dass in jeder Gegend nur noch ein Paketdienst zustellt.

Nur ein Paketdienst pro Region: Das bedeutet die "konsolidierte Zustellung"

Konkret heißt das: Zukünftig will die Deutsche Post die Fahrten in jedem Zustellgebiet auf einen einzigen Dienstleister ummodeln – vor allem, so die Post, aus Umweltschutz-Gründen. Man nennt dies in Post-Kreisen "konsolidierte Zustellung". Und aussehen soll das so, dass die jeweils zuständige Firma die Pakete von den Wettbewerbern für das betreffende Zustellgebiet übernimmt und gegen Entgelt zustellt.

Dazu Post-Betriebsratschef Thomas Koczelnik gegenüber der Deutschen Presse-Agentur: "Es ist nicht mehr zeitgemäß und nicht gut für die Luft, wenn in ein und derselben Straße fünf, sechs verschiedene Paketzusteller vorfahren und ausliefern."

Bundesnetzagentur soll wichtige Rolle übernehmen

Starten solle demnach alles mit einem Ausschreibungsverfahren, in dem auch die Kommunen eingebunden würden, erklärt der Gewerkschafter. Unterstützen soll dabei auch die Bundesnetzagentur. Die habe schließlich viel Erfahrung im Überwachen von Netzzugängen, etwa bei der Bahn, wenn mehrere Firmen dieselben Schienen nutzen, oder in Sachen Internet sowie im Gas- und Strommarkt.

"Die Behörde kennt sich aus mit Netzzugängen – sie könnte auch beim Paketmarkt dafür sorgen, dass der Nutzen für die Allgemeinheit höher ist als jetzt", überlegt Koczelnik.

Grund: Steigender Online-Handel führt zu höherem Schadstoffausstoß

Der Hauptgrund für diese Überlegung sei vor allem der Umweltschutz. Denn je mehr Menschen online bestellen und je mehr der Paketmarkt dadurch wächst, desto mehr Lieferfahrzeuge sind auch täglich auf Deutschlands Straßen unterwegs. Entsprechend mehr Schadstoffe werden ausgestoßen, die Verkehrsinfrastruktur wird belastet. Und in diesem Thema geraten Paketzusteller immer mehr in die Kritik. Die Deutsche Post setzt mittlerweile vermehrt auf Elektrotransporter. Anderen Zustellern fehlt es aber noch an Expertise und Nutzbarkeit der E-Mobilität.

Daher soll laut Koczelnik auch schon bei der Ausschreibung auf sozialverträgliche und umweltschonende Standards gesetzt werden. Doch das würde bedeuten: Die Deutsche Post würde mit DHL dabei aufgrund der hohen Zahl an Elektrofahrzeugen wohl am besten abschneiden.

Wettbewerber kritisieren Vorschlag

Den Wettbewerbern gefällt die Idee einer konsolidierten Zustellung allerdings bisher gar nicht. Unter anderem meldet sich ein Sprecher des DPD, einer Tochter der französischen Post: "Die Zustellfahrzeuge von DPD sind sehr gut ausgelastet", man habe im letzten Abschnitt bis zur Übergabe an der Haustür eine sehr gute Aufstellung. Ein solcher Wettbewerbsvorteil käme bei einem "Einheits-Dienstleister" nicht mehr zur Geltung.

Ähnlich sieht dies wohl Hermes, wie eine Sprecherin des Unternehmens bestätigt. Eine konsolidierte Zustellung würde den Wettbewerb abbremsen, was wiederum zu Lasten des Kunden gehen würde. Hermes-Fahrzeuge seien bisher auch schon voll beladen. Im Grunde würde dies bedeuten, dass beim Austragen bis zum Kunden am Ende nicht weniger Verkehr auf den Straßen zu finden sei.

Fahrzeuge müssten demnach also möglicherweise mehrmals täglich fahren. Andererseits würden pro Zusteller dann nur noch bestimmte Gegenden befahren werden. So hat eben alles seine Vor- und Nachteile.

Auch preislich müssten dann wohl einige Änderungen geschehen, denn in Sachen Kosten unterscheiden sich die Zusteller bisher. DHL hat die Paketpreise übrigens zum 1. Januar 2020 wieder angehoben: Ein kleines Päckchen in den Maßen bis 35x25x10 cm kostet nun 3,79 Euro, ein größeres Päckchen 4,79 Euro. Pakete bis 5 kg kosten in der Filiale 7,49 Euro, bis 10 kg müssen Sie 10,49 Euro berappen und bis 31,5 kg wird es mit 18,49 Euro in der Filiale richtig teuer. Welche Änderungen 2020 noch auf Sie zukommen, lesen Sie hier. Und wenn dann mal was weg ist? Diese Tipps helfen bei verloren gegangenen Paketen oder Briefen.

Mehr Interessantes finden Sie auch auf unserer Themenseite Ratgeber Recht.

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