23.09.2019

Insolvenzantrag für ältesten Reiseveranstalter Thomas Cook ist pleite: Deutsche Urlauber sitzen fest!

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Thomas Cook ist pleite, und 600.000 Urlauber sind gestrandet. Nun sollen 140.000 deutsche Urlauber zurückgeholt werden.

Foto: iStock/Nirian

Thomas Cook ist pleite, und 600.000 Urlauber sind gestrandet. Nun sollen 140.000 deutsche Urlauber zurückgeholt werden.

Der britische Reiseveranstalter Thomas Cook hat in der Nacht zum Montag seine Insolvenz angemeldet. Nun werden katastrophale Zustände bei der Rückholung von 140.000 deutscher Urlauber befürchtet.

Am gestrigen 23. September hieß es auf der Website von Thomas Cook: "Die Verhandlungen zur geplanten Rekapitalisierung der Thomas Cook Group plc sind gescheitert. Daher sieht sich die Thomas Cook GmbH gezwungen, auf Notgeschäftsführung umzustellen. Die Durchführung von Reisen mit Abreisedatum 23. und 24. September kann nicht gewährleistet werden. Jeglicher Verkauf von Reisen ist gestoppt." Heute dann die traurige Gewissheit! Thomas Cook ist pleite. Das bedeutet der Insolvenzanrag für 140.000 deutsche Urlauber.

Thomas Cook ist pleite: Das sind die Konsequenzen für Reisende

Die Verhandlungen des Reisekonzerns mit seinen wichtigsten Gläubigern und größten Anteilseignern waren in der Nacht zum Montag gescheitert. Thomas Cook hätte als letzten Rettungsversuch 200 Millionen Pfund benötigt, um der Insolvenz zu entgehen. Der älteste Touristik-Konzern der Welt hat in der Nacht zum Montag seine Insolvenz mitgeteilt. Kurz vorher gab die britische Flugbehörde CAA die Streichung aller Flüge bekannt.

Der Insolvenzantrag von Thomas Cook bringt auch die Fluggesellschaft Condor und den Veranstalter Neckermann-Reisen in große Turbulenzen. Weltweit sind 600 000 Touristen betroffen. Mehrere 140.000 deutsche Urlauber sitzen fest.

Die Pleite des Reisekonzerns macht es den Urlaubern nun schwer, wieder nach Hause zu kommen. Es werden katastrophale Zustände befürchtet, da Condor Thomas-Cook-Fluggäste nicht mehr ans Reiseziel bringen darf. BILD berichtet, dass Hotels Urlauber offensichtlich "als Geiseln" halten, da die Hotels befürchten kein Geld mehr vom Reiseveranstalter zu bekommen. Ein Twitter-Video von @Ivana83556697 zeigt Urlauber vor verschlossenen Toren.

Weiter hieß es gestern auf der Website des Reiseveranstalters: "Sollten diese (Optionen) scheitern, wird für die Thomas Cook GmbH, Thomas Cook Touristik GmbH und Bucher Reisen & Öger Tours GmbH und möglicherweise auch weitere Gesellschaften ein Insolvenzantrag gestellt. Gäste mit Abreisen am 23. und 24. September werden baldmöglichst kontaktiert. Betroffene Gäste werden gebeten davon abzusehen, selbst in den CallCentern anzurufen."

Thomas Cook ist insolvent: Condor beantragt Kredit bei Bundesregierung

Zahlreiche Flugzeuge im Cook-Konzern fliegen für den Ferienflieger Condor. Dieser teilte auf seiner Website und Twitter mit, die Flüge fänden planmäßig statt. "Wir führen den Flugbetrieb ganz regulär fort", sagte ein Sprecherin am Montagmorgen laut BILD. "Um Liquiditätsengpässe bei Condor zu verhindern, wurde ein staatlich verbürgter Überbrückungskredit beantragt. Dieser wird derzeit von der Bundesregierung geprüft", heißt es in einer Condor-Mitteilung.

Alle Condor Flüge finden planmäßig statt, aber ...

Auf der Website der Fluggesellschaft heißt es: "Hinweis für Gäste, die eine Reise mit Thomas Cook, Neckermann, Oeger Tours, Air Marin und Bucher Reisen gebucht haben: Condor wurde von Ihrem Reiseveranstalter informiert, dass eine Gewährleistung zur Durchführung Ihrer Reise heute und morgen nicht gegeben ist. Wir dürfen Sie daher für Ihren Flug nicht annehmen, was uns außerordentlich leid tut. Thomas Cook wird sich mit allen Gästen direkt in Verbindung setzen, deren Abreise für heute (23. September) oder morgen (24. September) geplant ist. Wenn Sie sich einen von Ihrer Pauschalreise losgelösten Flug kaufen möchten, wenden Sie sich bitte an den Condor Serviceschalter an Ihrem Flughafen oder besuchen Sie die Condor Website."

Urlauberrückhol-Aktion: Die Rechtslage

Bei Pauschalreisenden aus Deutschland springt bei einer Insolvenz des Veranstalters ein Versicherer ein. Wer eine Pauschalreise oder eine verbundene Reiseleistung gebucht hat, dem werden laut EU-Recht sämtliche Reisekosten erstattet, falls der Veranstalter insolvent wird. Wenn im Reisepaket der Transport enthalten ist, gehört auch der Rücktransport zu den abgesicherten Leistungen.

Wenn Reisende aus Großbritannien stranden, zahlt der Staat für die Rückholung aus dem Ausland.

Nach Thomas Cook-Pleite: Und wie kommen Urlauber jetzt zurück?

In Deutschland muss der Versicherer bei einer Insolvenz des Reiseveranstalters dafür sorgen, dass Pauschalurlauber im Notfall mithilfe der Reisesicherungsscheine zurückkommen. Praktisch müssen dann andere Fluggesellschaften die gestrandeten Touristen nach Deutschland zurückholen.

Die "Operation Matterhorn" - die größte Rückholaktion, die es in Friedenszeiten je gegeben hat, ist durch das britische Verkehrsministerium und die britische Luftfahrtbehörde in Vorbereitung. Unter den rund 600.000 Kunden, die gerade mit Thomas-Cook-Buchungen im Urlaub sind, befinden sich auch 150.000 Briten. Die ersten Maschinen haben bereits in der Nacht zum Montag britische Touristen nach Hause gebracht.

Thomas Cook wird sich nach eigenen Angaben mit allen Reisenden in Verbindung setzen, deren Abreise heute geplant ist.

Thomas Cook ist pleite: Die Auswirkungen des Brexits?

Nun wird nach Verantwortlichen gesucht. Der Hintergrund der Krise von Thomas Cook? Der Reisekonzern war nicht nur durch eine milliardenschwere Abschreibung auf ein britisches Tochterunternehmen in Schwierigkeiten geraten, auch die Unsicherheit durch den Brexit und der Wertverlust des Pfundes haben zu starken Einbußen beim Reisegeschäft geführt, da das Reisen für Briten nun teurer geworden ist.

Wie BILD berichtete macht die britische Transportgewerkschaft TSSA die Londoner Regierung für die Pleite verantwortlich. "Dass sie (die Regierung) unsere Mitglieder lieber hängen lassen als Thomas Cook zu retten, ist beschämend und falsch", so Gewerkschaftsboss Manuel Cortes. Der Hintergrund: Die Regierung lehnte eine Bitte um Finanzierungshilfe in Höhe von 150 Millionen Pfund (170 Millionen Euro) ab.

In unserem Ratgeber Recht finden Sie weitere interessante Beitrage zu Rechtsthemen.

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