12.09.2019

Reisegepäck und Sterbegeld? Unnötige Versicherungen: Diese Policen kann man sich sparen

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Wofür brauche ich die nochmal? Diese Versicherungen sind unnötig!

Foto: iStock/tommaso79

Wofür brauche ich die nochmal? Diese Versicherungen sind unnötig!

Sie wundern sich auch, wofür und wogegen Sie so alles versichert sind? Misten Sie aus und gucken Sie sich einmal genau an, welche Policen Sie wirklich benötigen. Diese Versicherungen lohnen sich nicht!

Die Bundesbürger besitzen ca. 457 Millionen Versicherungspolicen. Im Schnitt sind das fünf bis sechs Verträge pro Person, so die Zeitung "Die Welt". Benötigen wir diese Rundum-"Absicherung" überhaupt? Kfz- und Krankenversicherung sind in Deutschland gesetzlich vorgeschrieben. Hausrat, Haftpflicht- und Berufsunfähigkeitsversicherungen sind freiwillig, aber sinnvoll. Aber was ist zum Beispiel mit Handy-, Brillen- und Reisegepäck-Policen? Wir stellen Ihnen unnötige Versicherungen vor.

Unnötige Versicherungen: So erkennen Sie sie

Fragen Sie sich, ob die abgeschlossene Police in einem sinnvollen Kosten-Nutzen-Verhältnis steht und wie realistisch es ist, dass der Schadenfall eintreten könnte. Natürlich verändert sich der Versicherungsbedarf im Laufe des Lebens, wenn private oder berufliche Änderungen wie Familienzuwachs und Verrentung eintreten, kann sich die Notwendigkeit bestimmter Policen verändern. Hier ist eine regelmäßige Prüfung der persönlichen Versicherungslage durch einen Experten sinnvoll. Hilfe finden Sie zum Beispiel beim Bund der Versicherten (BdV).

Reisegepäckversicherung: Theorie vs. Praxis

Eine Reiserücktritts- oder Auslandsreisekrankenversicherung kann durchaus sinnvoll sein. Eine Reisegepäckversicherung ist es eher nicht. Das Problem: Theoretisch haftet die Versicherung bei Gepäckverlust. Die Realität sieht leider oft anders aus. In vielen Fällen unterstellt die Versicherung dem Reisenden grobe Fahrlässigkeit, berichten BdV-Experten. Sinnvoller ist, den Verlust des Koffers nach dem Check-In, beim Flughafen oder der Fluggesellschaft zu melden. Und wenn der Koffer im Hotel gestohlen wird oder Gegenstände daraus entwendet, greift oftmals die Hausratversicherung.

Lebensversicherungen sind zu teuer

Kapitallebensversicherungen waren mit früher noch vergleichsweise hohen Zinsen von vier Prozent und mehr eine interessante Police für Versicherungsnehmer. Sie wurde u.a. zur Altersvorsorge abgeschlossen. Dafür seien sie aber laut BdV ganz ungeeignet, da sie vergleichsweise teuer seien und kaum Erträge abwerfen.

Auch private Lebensversicherungen sind nach Meinung der Experten unrentabel. Das Prinzip: Die Auszahlung einer monatlichen Rente bis zum Lebensende, lohnt sich vor allem, je älter der Versicherte wird. Der Fallstrick: Laut Bundesstatistik haben Männer in Deutschland mit einer Lebenserwartung von bis zu 83 Jahren zu rechnen, Frauen mit 86 Jahren. Damit die Versicherungen ihre Ausgaben in Grenzen halten, setzen sie bei Abschluss der Police ein sehr hohes Alter an. Bei einigen Anbietern ist ein Alter von 95 Jahren angesetzt. Wer also vorher stirbt, verschenkt sein Geld mit einer solchen Versicherung.

Alte Lebensversicherungen kündigen bringt aber auch nicht immer was: Diese 7 Fakten über Lebensversicherungen sollten Sie kennen

Sterbegeldversicherung mit hohen Beiträgen

Die Sterbegeldversicherung als eine Form der Kapitallebensversicherung zahlt im Todesfall das eingezahlte Geld plus die entsprechenden Erträge an die Hinterbliebenen aus. Versicherungsexperten monieren, dass die Beiträge dabei oft höher seien, als die ausgezahlten Summen. Und: Falls der Versicherte bereits drei Jahre nach Abschluss der Police stirbt, zahlen die meisten Versicherungen gar nicht. Der BdV dazu: Da der Tod eine unkalkulierbare Variable ist, sollte das Geld für eine Beerdigung anders angespart werden.

Insassenunfallversicherung: doppeltgemoppelt

Unnötig ist ebenso eine Insassenunfallversicherung. Der Grund: Bei einem Unfall springt die Kfz-Haftpflichtversicherung des Verursachers ein, wenn Ihre Insassen zu Schaden kommen.

Unfallversicherung mit Prämienrückgewähr

An der Unfallversicherung mit Prämienrückgewähr kritisieren Experten den geringen Risikoschutz. Die Versicherungen dagegen argumentieren, den Schutz einer Unfallversicherung sowie die Erstattung der gezahlten Prämien zum Ende der Laufzeit anzubieten. Die Realität sieht laut Experten anders aus: Die Erstattung erfolge nur bei einer sehr langen Laufzeit.

Versicherung gegen häusliche Notfälle ist irreführend

Wer denkt, dass mit dieser Versicherung Unfälle daheim abgesichert seien, irrt. Diese Versicherung soll helfen, wenn man sich ausgeschlossen hat, wenn die Heizung nicht mehr funktioniert oder Ihr Tier versorgt werden muss, wenn Sie einen Unfall hatten.

Hochzeitsrücktrittskostenversicherung

Wenn aus gesundheitlichen Gründen die Hochzeitsfeier abgesagt werden muss, deckt diese Versicherung einen Großteil der Kosten. Aber nur, wenn Braut oder Bräutigam erkranken. Bei weiteren unwahrscheinlichen Fällen werden Sie mit einer Selbstbeteiligung herangezogen. UND: Die Police deckt keine Ausfälle ab, die durch ein "Umentscheiden" entstehen oder mit einer Verweigerung des JA-Wortes einhergehen.

Handyversicherung: Keine Preis-Leistungsrelation

Eine Handyversicherung wird von Experten als unsinnig eingestuft, da der Verlust oder Schaden des Telefons, keinen existenziellen finanziellen Schaden beim Versicherungsnehmer verursachen würde und der geringere Zeitwert, den diese Versicherung erstatten würde, in keinem Verhältnis zu einer extra Versicherung stünde.

Krankenhaustagegeldversicherung nicht lohnenswert

Die Krankenhaustagegeldversicherung zahlt kleinere Summen dazu, wenn Zusatzkosten bei einem Krankenhausaufenthalt anfallen, so zum Beispiel Gebühren fürs Parken oder fürs TV. Keine lohnenswerte Police finden die Experten, da die Kosten-Nutzen-Rechnung nicht stimme. Außerdem sei ein Kuraufenthalt von diesen Zuzahlungen ausgeschlossen.

Brillenversicherung: Selbstbehalt und Nulltarifsegment

Der große Minuspunkt bei Brillenversicherungen: Der Versicherte muss bei Beschädigung der Brille einen Selbstbehalt leisten, und bei einer Neubrille übernimmt die Versicherung in der Regel nur Produkte aus dem Nulltarifsegment.

Glasbruchversicherung: Bereits abgedeckt

Nun gut: Wer stolzer Besitzer eines Wintergartens ist, für den kann sich eine Glasbruchversicherung unter Umständen lohnen. Für alle anderen ist sie unnötig, da eine kaputte Fensterscheibe oder Schäden durch Brand, Leitungswasser oder Wetter sowieso durch die Wohngebäude- und die Hausratversicherung abgedeckt sind.

Kälteschutzversicherung: keine planbare Absicherung

Ein hübsches Beispiel ist auch die Kälteschutzversicherung. In besonders kalten Wintern soll diese exzessiv hohe Heizkosten abfedern. Die Systematik: Die Versicherung zahlt einen Euro pro Minusgrad, wenn die Temperatur unter den festgelegten Grenzwert fällt. Wenn die Temperaturen aber steigen, gibt es keine Absicherung. Da das Wetter weder planbar ist, noch extreme Temperaturstürze realistisch sind, kann sich jeder ausrechnen, wie sinnvoll diese Versicherung ist.

Online kann man zum Beispiel unter www.bundderversicherten.de einen Bedarfscheck durchführen. Hier gibt es auch persönliche Beratungen für Mitglieder.

Unnötige Versicherungen: Diese Policen kann man sich sparen. Diese Versicherungen sollten Sie aber unbedingt abschließen!

Weitere hilfreiche Tipps finden Sie auch auf unserer Themenseite Ratgeber Recht.

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