17.06.2019

Achtung, Abzocke! Inkasso: So können Sie sich gegen Betrug wehren

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Viele Inkasso-Büros betrügen Verbraucher. Betroffene können sich aber dagegen wehren. So erkennen Sie Fake-Inkasso.

Foto: iStock/PeopleImages

Viele Inkasso-Büros betrügen Verbraucher. Betroffene können sich aber dagegen wehren. So erkennen Sie Fake-Inkasso.

Auf einmal sind Hunderte Euro vom Konto abgebucht – und Sie wissen nicht, wofür? Augen auf bei betrügerischen Inkassobüros! Das können Sie dagegen tun.

Sie haben noch nie etwas in diesem Versandhandel bestellt und fragen sich, was die Zahlungsaufforderung soll? Sie haben zwar einen Dienstleistungsvertrag bei diesem Anbieter, aber nicht über eine solche Summe? Sie haben Ihre Rechnung längst bezahlt und bekommen dennoch permanent Mahnungen? Wenn Sie sich über ungewöhnliche Zahlungsaufforderungen wundern, könnte ein betrügerisches Unternehmen dahinter stecken. Inkasso: So können Sie sich gegen Betrug wehren

Was ist Inkasso?

Inkasso bezeichnet die gewerbliche ´"Eintreibung" fälliger Forderungen. Die Voraussetzung für ein Inkassoverfahren ist eine fällige Forderung gegenüber einem Schuldner, ob aus einem Kauf auf Rechnung oder aus einem Dienstleistungsvertrag, ob vor Ort im Laden oder online. Hat ein Unternehmen eine Leistung erbracht und steht ihm dafür eine Bezahlung zu, die aus einer Rechnung oder einem Vertrag hervorgeht, können Inkassobüros vom Dienstleister beauftragt werden, das Geld beim Kunden einzufordern.

Rechtmäßig und begründete Forderungen sind das eine. Es gibt aber auch zahlreiche Fälle von betrügerischen Forderungen, Mahnungen und sogar Abbuchungen, für die keinerlei Gegenleistung erbracht wurde.

So wehren Sie sich gegen Inkasso-Betrug

Hunderttausende Bürgerinnen und Bürger haben Probleme mit sogenannten Inkassobüros. Seit Verbraucherzentralen das Portal Inkasso-Check.de im Internet anbieten, ist es monatlich für rund 10.000 Betroffene eine wichtige Anlaufstelle. Hier können Inkassobriefe online geprüft werden. "Über 20 Prozent der Inkassoforderungen stuft der Check auf Basis der Nutzerangaben als unberechtigt ein", erklärt Christian A. Rumpke, Geschäftsführer der Verbraucherzentrale Brandenburg (VZB).

So erkennen Sie überhöhte Kosten

Falsche Forderungen kommen also unrechtmäßig immer mal wieder vor – aber was ist, wenn ich eine Leistung zwar bezogen habe, die Kosten aber deutlich überhöht erscheinen?

So berechnen sich gerechtfertigte Kosten: Wenn ein Anwalt Inkasso betreibt, darf er Kosten verlangen, diese sind aber gesetzlich geregelt. Bei einfachen Schreiben sind das laut Rechtsanwaltsvergütungsgesetz 0,3 Prozent des Gegenstandswertes. Rechenbeispiel: Bei einem Gegenstandswert von 500 Euro sind das 15 Euro Gebühr. Für durchschnittlich aufwändige Schreiben sind das 1,3 Prozent, also 65 Euro, bei komplizierteren Fällen sind das bis zu 2,5 Prozent. Achtung: Inkassoschreiben gehören zu den einfacheren Standardbriefen. Verbraucherzentralen fanden in der Hälfte aller monierten Fälle aber Gebühren von über 1,3 Prozent. Einige Forderungen lagen sogar über 2,5 Prozent – das ist ungesetzlich.

D.h. liegt die ursprüngliche Forderung unter 500 Euro, dürfen die Inkassokosten 65 Euro nicht übersteigen. Gebühren wie z.B. Vernunftsappellgebühr oder Evidenzhaltungskosten existieren nicht. Augen auf auch bei angeblichen Kosten für Beratung, Verwaltung und Mahnspesen. Auch Gebühren für Kontoführung, Bonitätsauskunft oder Identitätsfeststellung sind in diesem Zusammenhang unrechtmäßig.

Richtwerte: Muss die Inkassofirma eine Adresse ermitteln, stehen ihr dafür 15 Euro Auslagenpauschale zu, nicht mehr. Bei Zinsforderungen müssen im Schreiben Zeitraum und Zinssatz genannt werden. Der Zinssatz darf maximal 5 Prozent über dem Basiszins liegen. Der liegt zurzeit bei minus 0,88 Prozent. D.h. im Inkassoschreiben dürfen max. 4,12 Prozent Zinsen verlangt werden. Wenn ein höherer Satz verlangt wird, muss das explizit begründet werden.

Inkasso: Lassen Sie sich von Drohungen nicht verunsichern

Pfändung, Zwangsvollstreckung, Gerichtsvollzieher – solche Drohungen sind bei unseriösen Inkassobüros nicht unüblich. Wenn Sie in Ihrem Inkassoschreiben einen Entwurf einer Klageschrift finden oder sogar Hausbesuche angekündigt werden, geraten Sie nicht in Panik. Gern werden Betrugsopfer auch mit Anrufen drangsaliert. Diese unmoralische Verhaltensweise ist leider nicht verboten. Umso wichtiger ist, dass Sie einen kühlen Kopf bewahren und sich bei Verbraucherschutzorganisationen oder einem Anwalt beraten lassen.

Häufig wird Verbrauchern von Inkassobetrügern auch mit der Schufa gedroht. Negative Einträge dort sind aber gar nicht erlaubt, wenn der Schuldner die Forderung bestreitet. Liegt allerdings ein rechtskräftiges Urteil vor oder ist der Schuldner mit Raten im Rückstand, ist dies möglich. "Wer so eine Drohung erhält, sollte widersprechen, aus Beweisgründen per Einschreiben", empfiehlt Rechtsanwalt Thomas Feil, Schufa-Experte aus Hannover. Wer dennoch ungerechtfertigt einen Schufa-Eintrag zu beklagen hat, sollte schnellstmöglich zu einer Verbraucherzentrale oder zum Anwalt gehen.

Inkasso ohne Mahnung

Sie müssen keine Inkassokosten bezahlen, wenn Sie keine Mahnung erhalten haben? Das ist falsch! Wenn auf der Rechnung eine Zahlungsfrist oder ein eindeutiger Termin stehen, sind Kunden auch ohne Mahnung in Verzug und der Händler ist berechtigt, ein Inkasso zu beauftragen. Das gilt auch, wenn das Konto bei Kartenzahlung im Laden nicht genügend Deckung aufweist. Werden Lastschrift zurückgewiesen, ist laut einigen Gerichten auch keine Mahnung erforderlich.

So erkennen Sie Fake-Inkasso

"Fake-Inkasso ist ein Riesenproblem", sagt Kay Uwe Berg, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands Deutscher Inkasso-Unternehmen. Frei erfundene Forderungen folgen aber einem bestimmten Muster. So entlarven Sie Fake-Inkassoforderungen:

  • Sie haben die genannten Leistungen nie bezogen, mit diesen Dienstleistern noch nie etwas zu tun gehabt bzw. kennen diese noch nicht einmal.
  • Oft geht es um Gewinnspiele, Abos oder Erotikdienste.
  • Das angegebene Konto liegt im Ausland, und das erkennen Sie an der IBAN. Deutsche Konten beginnen mit DE, tschechische zum Beispiel mit CZ.
  • Überprüfen Sie den Briefkopf: Ist hier ein rückdatiertes Datum zu lesen, das lange vor dem tatsächlichen Absende-Datum liegt, seien Sie wachsam.
  • Auch Rechtschreibfehler können ein Hinweis auf Fake-Inkasso sein.
  • Jedes Inkassobüro muss registriert sein. Und nur registrierte Firmen oder Rechtsanwälte dürfen Inkassoforderungen eintreiben. So können Sie online überprüfen, ob eine Registrierung vorliegt: Gehen Sie auf die Website www.rechtsdienstleistungsregister.de. Klicken Sie dort "Registrierungen suchen" an. Lesen Sie hier mehr: Inkassobüros müssen registriert sein.
  • Achtung! Eine Registrierung bedeutet nicht automatisch, dass der Inkassodienst auch seriös arbeitet, da einige Betrüger die Namen registrierter Büros missbrauchen, indem Sie deren Briefkopf kopieren und in ihrem Namen als Inkassoforderung an Verbraucher versenden. Rufen Sie also nicht die auf dem Briefkopf genannte Nummer an, sondern die aus dem Rechtsdienstleistungsregister.

So reagieren Sie bei betrügerischem Inkasso

  • Der Inkasso-Brief muss alle notwendigen Angaben, also auch die Originalforderung, enthalten. Es sollte darinstehen, wann, wo und was Sie gekauft haben.
  • Fehlen diese Angaben, sollten Sie diese verlangen, bevor Sie etwas zahlen. Dabei ist es egal, ob Sie im Internet oder im Geschäft gekauft haben.
  • Zahlen Sie nur die angemessenen Gebühren und streichen Sie unzulässige. In diesem Fall schreiben Sie daneben, wofür Sie zahlen, denn sonst wird Ihr Geld zuerst auf die Inkassokosten angerechnet.
  • Streichen Sie Klauseln, dass Sie die Forderung mit Kosten und Zinsen akzeptieren.
  • Oft liegt dem Brief ein Vertrag zur Ratenzahlung bei, das ist in der Regel aber viel teurer als z.B. ein kurzfristiger Bankenkredit.
  • Ist das Inkassobüro registriert, besteht die Forderung aber zu Unrecht, widersprechen Sie unter Nennung von Gründen per Einschreiben.
  • Wenn Sie ein gerichtliches Mahnschreiben erhalten, sollten Sie unbedingt sofort reagieren. Füllen Sie dazu das beiliegende Widerspruchsformular aus und senden Sie dieses ebenfalls per Einschreiben an das Gericht zurück.

Inkasso aus anderen EU-Staaten: So wehren Sie sich

Sie haben im europäischen Ausland falsch geparkt, die Maut nicht bezahlt und ärgern sich jetzt über komplett überzogene oder unverständliche Inkassoforderungen?

Wer Post aus Kroatien, Italien, Ungarn oder Großbritannien bekommt, wundert sich oft nicht schlecht. Anstatt 10 oder 20 Euro Bußgeld kommen nicht selten Inkassokosten von mehr als 300 Euro auf sie zu. Jährlich treffe es eine halbe Million Deutsche, so der ADAC. Oft läge der Verstoß viele Monate zurück.

Der rechtliche Hintergrund: Es gibt ein sogenanntes 70-Euro-Limit: Nur Bußgelder, die höher liegen, dürfen in Deutschland eingetrieben werden (Strafen aus Österreich: ab 25 Euro). Diese Regelung gilt aber nur für Behörden, nicht für Firmen. Daher geben einige trickreiche Ämter ihre Forderung an Inkassodienste weiter, die das Geld dann nicht als Behörde, sondern als Firma auf eigene Rechnung eintreiben. So wird fälschlicherweise eine Zivilrechtssache aus einem Fall, der das aber gar nicht ist.

Leider ist die Lösung hier aber nicht so einfach: Ein Einspruch ist nur im Urlaubsland direkt möglich. Und wenn das Inkassobüro dann dort Klage einreicht, treibt das die Kosten in ungeahnte Höhen. Der Rat der Juristen:

  • Halten Sie Parkvorschriften und Verkehrsregeln vor Ort strikt ein.
  • Lösen Sie unbedingt, wenn erforderlich, auf Parkplätzen ein Ticket. Heben Sie diese Belege unbedingt auf.
  • Dasselbe gilt für Mautbelege, bewahren Sie alle Scheine auf. Mautstationen in Italien: Zahlung mit Kreditkarte prüfen.
  • Wenn Sie sich bereits einen Strafzettel eingehandelt haben, versuchen Sie unbedingt, diesen vor Ort zu bezahlen, das gilt auch für polizeiliche Bußgelder, die z.B. bei einer Kontrolle verhängt wurden.
  • Verlangen Sie unbedingt einen Beleg mit Gebührenhöhe.
  • Und: Kommt dann doch ein Inkassobrief, wenden Sie sich umgehend an einen Automobilclub oder eine Verbraucherzentrale, bevor Sie bezahlen.

Inkasso: So können Sie sich gegen Betrug wehren! Vorsicht auch bei dieser Masche: "Das Angebot gilt nur heute". Kann man sich im Internet rechtlich beraten lassen? Wir verraten Ihnen, wann sich eine Rechtsberatung im Internet lohnt und worauf Sie bei der Beratung im Netz achten sollten.

Mehr Informationen bekommen Sie auf unserer Themenseite Ratgeber Recht.

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