03.05.2019

Amazon-Rezensionen vs. Produkttests Stiftung Warentest: Wie verlässlich sind Kundenbewertungen bei Amazon?

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Volle Punktzahl? Darf man sich auf Amazon Kundenbewertungen eigentlich verlassen? Das sagt Stiftung Warentest.

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Volle Punktzahl? Darf man sich auf Amazon Kundenbewertungen eigentlich verlassen? Das sagt Stiftung Warentest.

Wie fundiert sind Kundenbewertungen beim Onlinehändler Amazon? Objektive Produkttests von Profis vs. Verbrauchermeinung: Das meint Stiftung Warentest.

Wie kann das sein? Warum gibt es Produkte, die von Verbraucherexperten der Stiftung Warentest abgestraft werden, aber bei Amazon gute Bewertungen bekommen? Das sind die Gründe und in diesen Fällen sollten Sie bei Kundenbewertungen vorsichtig sein.

Hand aufs Herz: Wie oft werden Sie in Ihrer Kaufentscheidung durch Kundenbewertungen beeinflusst, wenn Sie die Qual der Wahl aus ähnlichen Produkten haben? Wer nicht sicher ist, welches nun das bessere ist, verlässt sich gern auf die Meinung anderer Verbraucher und auf Test- und Gütesiegel. Vor allem bei einem Onlinegiganten wie Amazon, bei dem die Auswahl schier unerschöpflich ist. Stiftung Warentest: Wie verlässlich sind Kundenbewertungen bei Amazon?

Stiftung Warentest: Ein Produkt – zwei unterschiedliche Bewertungen

Eine Untersuchung der Technischen Universität Dortmund untersuchte den vermeintlichen Widerspruch zwischen zwei Bewertungen. Verglichen wurden dafür bei 1322 Elektronikprodukten die Test-Noten von Stiftung Warentest aus den Jahren 2014 bis 2017 mit den Bewertungen bei Amazon. Das Ergebnis überrascht: Nur bei knapp einem Drittel der Produkte war der Warentest-Testsieger auch das Produkt mit der besten Amazon-Bewertung. Stiftung Warentest hat dafür folgende Erklärungen.

Amazon-Bewertungen sind emotionaler

Die Sterne-Bewertungen werden bei Amazon nach Ansicht von Stiftung Warentest vor allem zwischen zwei Extrempolen vergeben – d.h. entweder von sehr zufriedenen oder sehr unzufriedenen Kunden. Die Skala von einem Stern (sehr schlecht) bis fünf Sterne (ausgezeichnet) berücksichtigt also häufig nicht genug mittelmäßige Bewertungen.

Die Stiftung Warentest vergleicht dagegen vor allem nach wissenschaftlichen Kriterien, Ärger über ein Produkt, über Lieferzeiten oder eine kaputte Verpackung seien dagegen keine Kriterien.

Amazon-Bewertungen sind nicht wissenschaftlich fundiert

Kein Durchschnittskunde kann daheim – so wie die Stiftung Warentest in ihren Laboren – eine Überprüfung auf Schadstoffe, Datenmissbrauch oder elektrische Sicherheit durchführen.

Diese Kriterien fließen deshalb naturgemäß nicht in die Amazon-Bewertungen ein, sie sind somit wissenschaftlich betrachtet oberflächlicher.

Das Beispiel einer Überwachungskamera: Ein Gerät, das von der Stiftung Warentest mit mangelhaft bewertet wurde, konnte bei Amazon fast die Höchstzahl an Sternen einheimsen. Die Erklärung der Warentester: Festgestellt wurde, dass die Kamera sich leicht von Hackern knacken lässt und Passwort und Benutzername unverschlüsselt ins Netz gelangen konnten. Amazon-Prüfer dagegen konnten diese Sicherheitskriterien nicht nachprüfen.

Amazon folgt bei der Durchschnittsbewertung einem eigenen Modell

Bei Amazon wird keine Durchschnittsrechnung durchgeführt, sondern besondere Kriterien zugrundegelegt, nämlich z.B. das Alter der Bewertung, wie nützlich andere Kunden eine Kritik fanden, wie authentisch Rezensenten wirken und ob es sich um einen verifizierten Kauf handelt.

Das Beispiel eines Multifunktionsdruckers: Während ein Gerät von der Stiftung Warentest nur das Urteil "Ausreichend" aufgrund mäßiger Druckqualität und hoher Tintenkosten erhielt, konnte sich dasselbe Gerät bei Amazon über vier Sterne freuen. Die Erklärung von Stiftung Warentest: Zwar hätten sich auch bei Amazon ca. ein Viertel der Bewerter als unzufrieden mit dem Gerät geäußert. Die Gewichtung nach eigenen Amazon-Kriterien hätten beim Onlinehändler aber zu einer guten Bewertung geführt.

Sind Amazon-Bewertungen also zu vernachlässigen?

Nein, meint Stiftung Warentest, da die Kundenbewertungen oft Hinweise auf die Alltagstauglichkeit von Produkten geben. Grundsätzlich gelte aber: Positive Kundenrezensionen werden häufiger manipuliert als negative Bewertungen. Somit sollte man vor allem auf die kritischen Stimmen hören.

Tipps für den Umgang mit Kundenrezensionen bei Amazon

  • Suchen Sie bei negativen Bewertungen gezielt nach übereinstimmenden Mängeln. Das könnte ein Hinweis für eine Produktschwachstelle sein.
  • Nutzen Sie die Wörter-Suchfunktion auf PC oder Handy, um für den Käufer wichtige Schlagwörter in den Rezensionen zu finden. Erfahrungen mit der Haltbarkeit bestimmter Produkte finden Sie z.B., wenn Sie den Suchbegriff "kaputt" eingeben.
  • Lassen Sie sich nicht von Service-Kriterien wie einer schnellen Lieferung beeinflussen, da diese rein gar nichts mit der Produktqualität zu tun hat.
  • Achten Sie auf Hinweise zu "bezahlten Rezensionen": Bewertet ein Rezensent auffällig viele ähnliche Produkte? Sind die positiven Bewertung auffällig lang und ausführlich? Ähnlich einer werblichen Produktbeschreibung? Haben Sie Zweifel an der Objektivität dieses Rezensenten, klicken Sie sein Profil an und überprüfen Sie die anderen Bewertungen auf Plausibilität.

Stiftung Warentest: Wie verlässlich sind Kundenbewertungen bei Amazon? Lesen Sie auch wie die Verbrauchertests bei Optikern abgeschnitten haben und was Stiftung Warentest über Google zu sagen hat.

Mehr hilfreiche Artikel finden Sie auf unserer Themenseite Stiftung Warentest.

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