10.12.2018

Für Zugreisende Bahnstreik? Verspätungen? Das müssen Fahrgäste wissen!

Was tun, wenn die Bahn streikt? Bekomme ich das Geld für mein Ticket zurück? Welche Alternativen habe ich? Die Antworten auf Fragen wie diese gibt es hier!

Foto: imago/Markus Heine

Was tun, wenn die Bahn streikt? Bekomme ich das Geld für mein Ticket zurück? Welche Alternativen habe ich? Die Antworten auf Fragen wie diese gibt es hier!

Was tun, wenn die Bahn streikt? Bei Zugausfällen und Verspätungen haben Fahrgäste in vielen Fällen das Recht auf Entschädigung. Wir verraten mehr!

Für viele Reisende und Pendler war es ein wenig schöner Start in die Woche: Die Lokführer der Bahn streiken – und damit sind eine Menge Unannehmlichkeiten und Stress schon am frühen Montagmorgen verbunden, denn es kommt bundesweit zu unzähligen Zugausfällen und Verspätungen.

Zunächst gilt es allem Ärger zum Trotz, eine alternative Fahrtmöglichkeit zum erstrebten Ziel zu finden (Informationen gibt es online bei der Bahn sowie unter der kostenpflichtigen Telefonnummer 0180/6 99 66 33/ 20 Cent pro Anruf aus dem Festnetz, Tarife bei Mobilfunk max. 60 Cent pro Anruf) – und dann kommen auch schon die nächsten Fragen auf. Was passiert eigentlich mit meinem Ticket, wenn die Bahn streikt? Erhalte ich bei einem Bahnstreik eine Erstattung des Fahrtpreises? Welche Rechte hat man als Fahrgast im Falle einer Verspätung? BILD der FRAU gibt Ihnen die Antworten auf die wichtigsten Fragen.

Bahnstreik: Erstattung? Was passiert mit meinem Ticket?

In der Regel werden Streiks vorher angekündigt. Wenn ein Streik beispielsweise am Montag stattfinden soll und sie haben ausgerechnet für diesen Tag bereits ein Flexpreis- oder Sparpreis-Ticket gebucht, so haben Sie folgende Möglichkeiten:

  • Sie reisen bereits am Sonntag oder erst nach Streik-Ende, etwa am Dienstag. Sie können das erworbene Ticket trotzdem nutzen, da in solchen Fällen die Tages- und Zugbindung für diese Fahrkarten aufgehoben werden.
  • Sie können die Reise auch stornieren. Aus Kulanzgründen bietet die Bahn im Falle eines Streiks eine kostenlose Erstattung der Tickets an – auch nach dem ersten Gültigkeitstag. Wenn Sie von Ihrer Reise zurücktreten wollen, können Sie das über ein Online-Formular der Bahn machen, insofern Sie das Ticket auch online erworben haben. In anderen Fällen wenden Sie sich ans Reisezentrum oder an eine DB-Agentur.

Zug-Verspätung: Ab wann gibt es eine Entschädigung?

Ab 60 Minuten Verspätung hat der Reisende das Anrecht auf Entschädigung. Dabei gilt: Die 60 Minuten beziehen sich auf die Differenz zwischen tatsächlicher und geplanter Ankunftszeit am Zielort – nicht bei Abfahrt. Oft können verspätete Züge einen Teil der Verspätung im weiteren Fahrtverlauf wieder aufholen.

Auf der anderen Seite betrifft diese Regelung aber auch jene Reisen mit mehreren Zügen – auch verschiedener Bahnunternehmen. Wer zum Beispiel wegen Verspätung von einer halben Stunde seinen Anschlusszug verpasst, kommt aller Wahrscheinlichkeit noch später am Zielort an, als besagte 30 Minuten. Womöglich sogar später als die maßgeblichen 60 Minuten, weshalb Ihnen auch in diesem Fall eine Entschädigung zusteht.

Wie hoch ist die Entschädigung?

Hier gilt eine einfache Faustregel:

  • Ab einer Verspätung von 60 Minuten: Bahnreisende haben Anspruch auf eine Erstattung in Höhe von 25 Prozent des Fahrtpreises
  • Ab einer Verspätung von 120 Minuten: Bahnreisende haben Anspruch auf eine Erstattung in Höhe von 50 Prozent des Fahrtpreises
  • Die Reise mit dem ICE-Sprinter kostet einen Aufpreis – diesen bekommen betroffene Fahrgäste ab 30 Minuten der Sprinter-Verspätung erstattet

Wie komme ich an meine Entschädigung?

Verspätungen können auf unterschiedlichen Wegen nachgewiesen werden. Zum einen entwertet der Zugbegleiter Ihr Ticket mit einer Zange, wodurch Datum und Uhrzeit der Entwertung auf dem Ticket angegeben werden. Digitale Tickets auf dem Smartphone werden wiederum im System hinterlegt. Die Mitarbeiter an den Service-Points der Bahn sowie die Schaffner können die Verspätung bestätigen.

Doch am Ende gilt: Sie brauchen diese Bestätigung nicht zwangsläufig, da die Service-Center Zugriff auf die Bahn-Reisedaten samt eventueller Verspätungen haben.

Dafür benötigt man das Fahrgastrechte-Formular – Sie erhalten das zweiseitige DIN-A4-Schreiben beim Schaffner, im Reisezentrum oder online auf der Webseite der Bahn. In diesem tragen Sie Folgendes ein:

  • den geplanten Reiseverlauf
  • den TATSÄCHLICHEN Reiseverlauf
  • falls vorhanden: Bahncard-Nummer
  • die gewünschte Art der Erstattung
  • Außerdem: Fügen Sie die Originalfahrkarte oder eine Kopie der Zeitkarte hinzu

Das Ganze geben Sie im Reisezentrum ab. Alternativ können Sie die Unterlagen auch via Post an "Servicecenter Fahrgastrechte in 60647 Frankfurt am Main" schicken. Auch das im Internet verfügbare Formular muss ausgedruckt und ausgefüllt werden.

Wichtig ist: Das Formular sollte innerhalb eines Jahres eingereicht werden.

Auf welchem Wege erfolgt die Erstattung?

Ihre Entschädigung kann auf verschiedenen Wegen zur Auszahlung kommen – entweder bar am Schalter, via Überweisung auf ein angegebenes Bankkonto oder in Form eines Gutscheins bei der Bahn. Dieser kann beim Kauf der nächsten Fahrkarte eingelöst werden, entweder beim Kauf am Schalter, im Internet oder am Automaten.

Gibt es Ausnahmen?

Es gibt eine Bagatellgrenze, die bei 4 Euro liegt. Sollte der Betrag der Entschädigung darunter liegen, so wird nichts erstattet. Die Bahn haftet auch in jenen Fällen nicht, wenn sie nichts dafür kann, etwa durch Streikauswirkung, Personenschaden auf der Strecke oder eigenem Verschulden des Reisenden.

Was ist mit Inhabern von Zeitkarten? Haben auch sie ein Recht auf Entschädigung?

Für Inhaber von Zeitkarten wurden von der Bahn Pauschalbeträge festgelegt. Ab einer Verspätung von 60 Minuten bekommen Zeitkartenbesitzer des Nahverkehrs eine Gutschrift von 1,50 Euro. Es müssen also drei solcher Verspätungen geltend gemacht werden, um die bereits angesprochene Bagatellgrenze von 4 Euro zu überschreiten.

Inhaber einer Fernverkehr-Zeitkarte sowie Inhaber der Bahncard 100 erhalten 5 Euro für eine Verspätung von 60 Minuten.

Kann ich bei Verspätung einer Regionalbahn auch auf IC oder ICE umschwenken?

Wenn eine Verspätung von mindestens 20 Minuten angekündigt wird, können Sie auch einen höherwertigen, nicht reservierungspflichtigen Zug nehmen. Allerdings ist das Prozedere ganz schön kompliziert. "Kunden mit einer Nahverkehrsfahrkarte müssen zunächst eine gültige Fernverkehrs-Fahrkarte, beziehungsweise den Produktübergang" bezahlen heißt es im Kleingedruckten. Heißt: Zunächst muss ein gültiges Ticket oder eine Erweiterung des Tickets für den höherwertigen Zug erworben werden. Die Differenz kann sich der Reisende anschließend erstatten lassen.

Nicht gültig ist das Ganze für Fahrkarten, die bereits erheblich ermäßigt sind, etwa das Schönes-Wochenende-Ticket oder ein Länder-Ticket.

Zugausfall & Verspätung: Kann ich ein anderes Verkehrsmittel nutzen?

Manchmal sitzt man wegen eines Zugausfalls oder einer massiven Verspätung ganz schön in der Klemme – etwa, wenn man dringlichst zur Arbeit muss oder mitten in der Nacht noch am Startbahnhof steht oder irgendwo in der Mitte der Strecke "gestrandet" ist. In diesen Fällen können Sie nicht nur unter bestimmten Voraussetzungen auf einen höherwertigen Zug ausweichen, Sie können auch andere Verkehrsmittel (z.B. Bus und Taxi) nutzen – zumindest unter bestimmten Bedingungen. Diese lauten:

  • die planmäßige Ankunftszeit Ihrer eigentlichen Zugverbindung liegt zwischen Mitternacht und 5 Uhr morgens,
  • die zu erwartende Verspätung am Zielbahnhof beträgt mindestens 60 Minuten,
  • der Ausfall eines Zuges (insofern er die letzte fahrplanmäßige Verbindung eines Tages war), oder
  • wenn der Zielbahnhof ohne die Nutzung eines anderen Verkehrsmittels nicht mehr vor 24 Uhr erreicht werden kann.

In diesen Fällen erstattet die Bahn die Kosten für andere Verkehrsmittel bis maximal 80 Euro. Aber auch das nur, wenn das Eisenbahnunternehmen kein anderes Verkehrsmittel zur Verfügung stellt und der Fahrgast nicht mit dem Eisenbahnunternehmen in Kontakt treten kann – etwa weil keine Servicestelle am Bahnhof geöffnet hat und auch sonst keinerlei Personal der Bahn zu finden ist, mit denen Alternativen besprochen werden könnten.

Gibt es eine Kostenerstattung bei Nichtantritt einer Reise?

Wenn schon vor Reisebeginn klar ist, dass eine Verspätung von mehr als 60 Minuten eintreten wird, kann der Reisende auch von der Fahrt zurücktreten. In diesem Fall kann er sich den vollen Fahrtpreis zurückerstatten lassen – bei Nutzung einer Teilstrecke immerhin den nicht genutzten Anteil.

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Außerdem: Die 10 besten Spar-Tipps, um günstig Bahn zu fahren

Alle weiteren Artikel finden Sie auf unserer Themenseite " Ratgeber Recht".

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