19.07.2018

Kritik vom Bundesamt So systematisch tricksen Krankenkassen ihre Kunden aus

Das Bundesversicherungsamt wirft den gesetzlichen Krankenkassen vor, ihre Patienten mit unlauteren Praktiken unter Druck zu setzen.

Foto: iStock/sturti

Das Bundesversicherungsamt wirft den gesetzlichen Krankenkassen vor, ihre Patienten mit unlauteren Praktiken unter Druck zu setzen.

Der Treppenlift, das Hörgerät oder die lang ersehnte Reha-Kur – wenn es um die Übernahme von Leistungen durch die Krankenkassen geht, müssen Verbraucher oft viel Geduld aufbringen. Jetzt rügt das Bundesversicherungsamt die Verzögerungs-Taktiken und Tricks der gesetzlichen Krankenkassen in einem offiziellen Schreiben.

Lange Bearbeitungszeiten, Telefonterror oder eine undurchsichtige Dokumentenflut – die gesetzlichen Krankenkassen lassen sich so einigeTricks einfallen, um ihre Kunden hinzuhalten oder zu verwirren. Das Bundesversicherungsamt (BVA) erhebt jetzt offiziell Vorwürfe gegen diese Verschleierungspraktiken.

In dem Schreiben an die Kassen-Chefs kritisiert die Behörde "regelmäßig Fehler bei der Widerspruchsbearbeitung" und mahnt zur Einhaltung der geltenden Vorschriften des Sozialgesetzbuchs und des Sozialgerichtsgesetzes. Aber was bedeutet das genau?

Erfahren Sie hier mehr über die wichtigsten Kritikpunkte des Bundesamtes, und wie Sie sich gegen die Tricks der Krankenkassen wehren können.

Das sind die Tricks der Krankenkassen

1. Fehlende Rechtsbelehrung

Werden einem Patienten von der Krankenkasse die Zahlung eines Zuschusses oder einer Leistung verweigert, hat jeder Patient das Recht, gegen diese Entscheidung Widerspruch einzulegen.

Doch scheinbar vermeiden es die Krankenkassen in vielen Fällen, dem Widerspruchsbescheid eine Rechtsbelehrung beizulegen – obwohl das gesetzlich vorgeschrieben ist. So verzichten Patienten womöglich darauf, rechtliche Schritte einzuleiten, weil sie nicht ausreichend über ihre Rechte aufgeklärt wurden.

2. Unzulässige Aufforderungen zur Rücknahme des Widerspruchs

Scheinbar gehört es ebenfalls zur gängigen Praxis einiger Krankenkassen, Patienten mit wiederholten Nachfragen unter Druck zu setzen und sie so zur Rücknahme eines Widerspruchs zu bewegen. Dazu komme, dass Verfahren künstlich in die Länge gezogen, so dass bei Patienten schnell der Eindruck entstehe, dass der Widerspruch sowieso keine Erfolgsaussichten habe.

Scheinbar drängen manche Sachbearbeiter ihre Kunden sogar direkt dazu, ihren Widerspruch zurückzunehmen. Ein solches Insistieren kann vor allem ältere Patienten verunsichern und ist ohne relevanten Anlass, zum Beispiel ohne ein neues medizinisches Guthaben, ausdrücklich verboten.

Übrigens: Entscheidet sich ein Patient doch für eine Rücknahme seines Widerspruchs, darf er diesen Antrag nur in schriftlicher Form einreichen. So sollen Manipulationsversuche am Telefon verhindert werden.

Achtung Falle: Diese drei neuen Betrüger-Tricks sollten Sie kennen.

So können sich Patienten wehren

Thorben Krumwiede von der Unabhängigen Patientenberatung Deutschland rät gegenüber "MDR aktuell", dass Patienten nicht auf solche Aufforderungen eingehen sollten. Legt ein Patient nämlich Widerspruch gegen einen Kassen-Ablehnungsbescheid ein, entscheide der Kassen-Ausschuss von neuem über den Antrag. Lehnt auch der Ausschuss den Widerspruch ab, kann der Patient immer noch vor das Sozialgericht ziehen. Die Kosten für das Verfahren muss er nur dann selbst tragen, wenn sein Antrag auch vom Gericht endgültig abgelehnt wird.

Wer das Schreiben der BVA im Volltext lesen möchte, kann sich hier den gesamten Text ansehen.

Ob Krankenversicherung, Altersvorsorge oder Kinderbetreuung, unser Ratgeber Recht gibt Antworten auf die wichtigsten Fragen.

Seite