03.03.2017

Clever fahren Fahren Sie als Frau selbstbewusst in die Autowerkstatt!

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Motorhaube auf und in Ruhe erklären, was gemacht wird. Kundin Manuela hört Fachfrau Carolin aufmerksam zu.

Foto: Jörg Riethausen

Motorhaube auf und in Ruhe erklären, was gemacht wird. Kundin Manuela hört Fachfrau Carolin aufmerksam zu.

Fast jede zweite Frau denkt, dass sie in der Autowerkstatt über den Tisch gezogen wird. Und leider ist es oft auch so. Diese Frauen helfen…

Christel liebt ihren kleinen blauen Mitsubishi. Das 17 Jahre alte Auto hat für 500 Euro einen neuen Katalysator bekommen, der aber schnell wieder kaputt geht: „Ich habe zwei Werkstätten angesteuert und sollte bei beiden mehr als 600 Euro für die Reparatur zahlen. Also mehr als der Anschaffungspreis des Kats“, erzählt die Rentnerin.

Die 63-Jährige wird misstrauisch und wendet sich mit ihrem Problem an die Firma Auto Gahse, eine Werkstatt von Frauen für Frauen in Großenhain bei Meißen (Sachsen). Ans Licht kam Erstaunliches: „Die Mädels haben mir erklärt, dass überhaupt kein neuer Kat eingebaut wurde. Ich bin abgezockt worden, habe es natürlich nicht gemerkt. Ob die Werkstatt das auch mit einem männlichen Kunden gemacht hätte, das bezweifele ich stark“, sagt sie.

Die Infos müssen verständlich erklärt werden - frei von Fachchinesisch. Lassen Sie sich jedes Detail erklären, fragen Sie nach, wenn etwas unklar geblieben ist. Wichtig: die Rechnung muss in jedem Punkt für Sie nachvollziehbar sein.

Wenn irgend möglich, sollten Sie sich am Auto zeigen lassen, um was es genau geht. Wer noch einen draufsetzen will, kann an einem Auto-Workshop für Frauen teilnehmen, um z. B. zu wissen, wie Öl nachgefüllt und ein Rad gewechselt wird.

Frauen zahlen für Reparaturen 20 Prozent mehr als Männer

Werkstattinhaberin Lydia: „Das stärkt das Selbstvertrauen. Und je selbstsicherer Sie auftreten, desto ernster nimmt man Sie. Das zahlt sich aus.“ Denn bewiesen ist: Kundinnen zahlen in der Regel 20 Prozent mehr als Männer, weil sie sich nicht auskennen.

Außerdem lässt jede zweite Frau lieber dem Ehemann den Vortritt, wenn es darum geht, das Auto in die Werkstatt zu bringen. Wohl auch, um sich nicht dumme Sprüche anhören zu müssen.

Zum Beispiel diesen: „Frau am Steuer, das kommt teuer“, schmetterte ein Mechaniker Hörgeräteakustikerin Manuela (38) entgegen, als sie auf den Hof fuhr. Sie sagt: „Absolute Frechheit. Es ist mir wichtig, nicht nur als Nummer behandelt zu werden und dass man mir freundlich entgegenkommt.“

In einer Studie gefragt, was ein „sehr gutes Werkstatterlebnis“ ausmache, liegen neben freundlicher Ansprache Kostentransparenz, kurzfristige Terminvergabe, Kompetenz und ein vertrauenswürdiger Eindruck ganz weit vorne. „Hören Sie auf Ihr Bauchgefühl“, rät Expertin Carolin.

„Fühlen Sie sich von Ihrer Werkstatt verstanden, wird Ihnen Respekt entgegengebracht und werden Sie korrekt bedient, sind Sie genau richtig. Sollte dies nicht so sein: keinesfalls den Ärger runterschlucken, sondern protestieren oder weiter suchen. Jeder hat das Recht, ehrlich behandelt zu werden.“

Zufrieden mit der Reparatur: So klappt’s!

  1. Lassen Sie auf jeden Fall einen Kostenvoranschlag machen, dann vermeiden Sie bei der Rechnung böse Überraschungen.
  2. Vereinbaren Sie, dass sich die Werkstatt meldet, bevor zusätzlich etwas repariert wird.
  3. Finger weg von Pauschalaufträgen wie „TÜV-fertig machen“.
  4. Die Werkstatt sollte Innungsmitglied sein - das garantiert keine Höchstleistungen, vereinfacht aber evtl. Beschwerden.
  5. Eine gute Werkstatt zeigt Ihnen beim Abholen, wenn Sie danach fragen, die ausgetauschten Teile.

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Dieser Artikel erschien auch in der BILD der FRAU Nr. 8.

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