24.10.2016

HOHE GELDVERLUSTE MÖGLICH Finanzberatung:Warum werden Senioren häufig abgezockt?

Hohes Risiko und lange Laufzeiten: Viele Senioren schließen Geldanlagen ab, die gar nicht zu ihrer Lebenssituation passen.

Foto: iStock/Ridofranz

Hohes Risiko und lange Laufzeiten: Viele Senioren schließen Geldanlagen ab, die gar nicht zu ihrer Lebenssituation passen.

Hohes Risiko und lange Laufzeiten – ältere Menschen werden bei Geldanlagen häufig falsch beraten und verlieren so einen Teil ihres Vermögens.

“Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser“ – dieses alte Sprichwort sollte vor allem gelten, wenn es um Ihre Finanzen geht. Denn nicht jeder Finanzberater, will auch das Beste für Ihr Geld. Vor allem ältere Menschen werden mit falschen Versprechen und mangelnder Beratung häufig über den Tisch gezogen, berichtet die Zeitschrift “Finanztest“ in ihrer aktuellen Ausgabe.

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Wenn es um ihr Geld geht, wollen Senioren kein Risiko eingehen, das belegt eine kürzlich veröffentlichte Studie, die der Bundesverband deutscher Banken von der Gesellschaft für Konsumforschung 2014 durchführen ließ. Demnach wollen 72 Prozent der Befragten gar kein Risiko bei Geldanlagen eingehen und 20 Prozent möchten “eher nicht“ mit Risiko investieren.

Warum schließen ältere Menschen riskante Geldanlagen ab?

Dennoch schließen viele Senioren riskante Verträge ab. Aber warum? Laut “Finanztest“ sind ältere Menschen und vor allem ältere Damen, die nach dem Tod ihres Mannes erben, leichte Opfer für Finanzberater. Sie vertrauen ihnen blind. Neben geschlossenen Fonds werden älteren Menschen gerne Zertifikate und Bonitätsanleihen empfohlen. Diese Produkte sind kompliziert zu verstehen, bringen den Beratern aber hohe Provisionen ein. Da das Geschäft so lukrativ ist, kommen die Berater sogar in die Altersheime.

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Banken und Sparkassen haben Zweigstellen in Altersheimen. Die Senioren sehen das meist als Segen, sie müssen nicht mehr den beschwerlichen Weg zur Filiale antreten, außerdem kennen sich Berater und Kunde meist über Jahre. Viele Senioren denken, “wenn meine Bank mir das empfiehlt, wird das schon passen“. Ob diese Geldanlage wirklich die richtige ist, wird dann nicht mehr genau hinterfragt. Honoraranlageberater Alexander Schmidt warnt in “Finanztest“: Bankberater nutzen dies gnadenlos aus“.

Praxis-Beispiele: So werden Senioren abgezockt

Eine Beraterin verkaufte einem 78-jährigen Altersheim-Bewohner langjährige riskante Schiffsbeteiligungen, obwohl sie wusste, dass er sein Geld in Kürze für die Pflege benötigte. Das passte nicht zu den Wünschen des alten Herrn, brachte der Bank aber eine satte Provision. Der alte Herr wehrte sich und bekam vor Gericht Recht.

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In einem anderen Fall empfahl die Bank einem 90-Jährigen eine Beteiligung an einem geschlossenen Immobilienfonds, der eine Laufzeit von 21 Jahren hatte. Der ältere Herr verlor einen nicht unerheblichen Anteil seines Geldes, die Bank fand die Anlageempfehlung trotzdem völlig in Ordnung.

Viele Senioren erfahren gar nicht mehr von den Verlusten ihrer Geldanlage, weil sie das Ende ihrer Beteiligung nicht mehr erleben. Wollen Erben später gegen die Banken vorgehen, müssen sie einen langen und harten Kampf vor Gericht führen.

Gut vorbereitet für die Finanz-Beratung

Um solche Finanz-Fallen zu vermeiden, sollten sich Senioren auf eine Finanzberatung gut vorbereiten. Sie sollten sich in jedem Fall über ihr Anlageziel im Klaren sein, bevor sie zu ihrem Bankberater gehen. Wichtige Punkte sind dabei die Sicherheit und die Verfügbarkeit des Geldes.

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Grundsätzlich sollte jeder zu einer Anlagenberatung einen Vertrauten als Zeugen mitnehmen, um im Streitfall eine Falschberatung beweisen zu können. Verträge sollten nur unterschrieben werden, wenn wirklich alles verstanden wurde und das Beratungs-Protokoll korrekt erstellt wurde.

Zweitmeinung einholen

Wer nicht sicher ist, ob ein Finanzprodukt das richtige für ihn ist, sollte seine Verträge unbedingt von Experten oder einer Verbraucherzentrale überprüfen lassen. Auch der Gang zu einem Honorarberater kann sinnvoll sein. Ein Honorarberater darf keine Provisionen von Anbietern annehmen, er wird ausschließlich vom Kunden bezahlt. Dadurch ist die Chance ein passendes Produkt empfohlen zu bekommen höher, schreibt “Finanztest“.

Tipp: Wer sein Geld vererben möchte und den Erben vertraut, sollte Anlagestrategien frühzeitig mit den Erben besprechen und ihnen für den Notfall eine Vermögensvollmacht ausstellen. Dann gibt es später weniger Probleme und im Streitfall einen Zeugen.

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