27.06.2016

Finanztest So sichern Sie bei Berufsunfähigkeit Ihr Arbeitseinkommen ab

Lohnt eine Berufversicherung?

Foto: iStock/Dutko

Lohnt eine Berufversicherung?

Bei vorübergehender Krankheit, springt die Krankenversicherung ein. Doch was tun, wenn die Berufsunfähigkeit dauerhaft ist?

Vor einer Berufsunfähigkeit aus Krankheitsgründen oder durch einen Unfall kann sich leider niemand schützen. Wohl aber vor dem Einkommensverlust, der dadurch entsteht – durch eine entsprechende Versicherung. Doch wer sich für eine solche entscheidet, stellt fest, dass es eine ganze Reihe von Möglichkeiten gibt. Finanztest führt durch den Dschungel der Versicherungen rund um Berufsunfähigkeit und erklärt, welche für wen geeignet ist.

Gibt es einen gesetzlichen Schutz?

Laut Finanztest muss fast jeder fünfte Arbeitnehmer aus gesundheitlichen Gründen vorzeitig seinen Beruf aufgeben. Von den 43 Millionen Erwerbstätigen in Deutschland haben knapp 4 Millionen eine Berufsunfähigkeitsversicherung abgeschlossen, weitere 13 Millionen sind durch eine Zusatzversicherung, etwa eine Kombination aus Lebens- und Berufsunfähigkeitsversicherung, teilgeschützt. Finanztest macht darauf aufmerksam, dass eine zusätzliche Vorsorge besonders wichtig ist, da die staatlichen Leistungen schon 2001 deutlich gekürzt wurden. So bekommen alle nach dem 2. Januar 1961 Geborenen gar keine gesetzliche Berufsunfähigkeitsrente. Die stattdessen eingeführte Erwerbsminderungsrente ist meist zu gering zum Leben. Daher empfiehlt Finanztest allen, die finanziell auf ihre Arbeitskraft angewiesen sind, eine Versicherung abzuschließen.

Als erste Wahl nennt Finanztest eine Berufsunfähigkeitsversicherung.

Diejenigen, die keine Berufsunfähigkeitsversicherung bekommen (K.-o.-Kriterien sind etwa risikoreiche Berufe oder Vorerkrankungen) oder denen sie zu teuer ist, sollten eine Erwerbsunfähigkeitsversicherung abschließen.

Berufsunfähigkeitsversicherung

Ist der Versicherte für mindestens sechs Monate nicht in der Lage, seinen Beruf zu 50 Prozent auszuüben, zahlt eine gute Versicherung eine monatliche Rente bis zum vereinbarten Alter. Der Versicherungsschutz tritt ein beim Verlust der Arbeitsfähigkeit durch Unfall, Krankheit, Kräfteverfall oder psychische Erkrankungen. Die Höhe der Beiträge und spezielle Konditionen werden anhand von verschiedenen Faktoren berechnet wie risikoreiche Berufe, riskante Hobbies oder Vorerkrankungen. Es ist zu beachten, dass der Beitrag steigen kann.

Finanztest rät: Mehrere Angebote von verschiedenen Anbietern vergleichen – dasselbe gilt für die Erwerbsunfähigkeitsversicherung! Finanztest stellt hier www.test.de/berufsunfaehigkeit Informationen bereit.

Erwerbsunfähigkeitsversicherung

Diese Versicherung tritt in Kraft, wenn der Versicherte aus gesundheitlichen Gründen nur noch bis zu drei Stunden pro Tag in seinem Beruf arbeiten kann. Sie ist nicht so umfangreich wie die Berufsunfähigkeitsrente, sichert aber den schlimmsten Fall ab. Solange die Voraussetzungen für die Erwerbsunfähigkeit bestehen, zahlt diese Versicherung eine monatliche Rente bis zum vereinbarten Alter.

Für Personen, die in Risiko-Berufen arbeiten, ist diese Versicherung deutlich günstiger als eine Berufsunfähigkeitsversicherung, auch hier kann der Beitrag steigen. Die Auswahl an Versicherungen dieser Art ist groß und umfangreich, selbst bei gesundheitlichen Vorbelastungen, bieten manche Versicherer einen Schutz.

Wer die teils strengen Voraussetzungen, um in eine Berufs- oder Erwerbsunfähigkeitsversicherung aufgenommen zu werden, nicht erfüllt, hat andere Möglichkeiten. Die folgenden Versicherungen bieten zwar nur lückenhafte Absicherung, Finanztest aber meint: besser als gar kein Schutz!

Schwere-Krankheiten-Versicherung (Dread-Disease)

Vertraglich vereinbart wird ein Schutz, wenn die Arbeitsfähigkeit infolge schwerer Krankheiten wie Schlaganfall, Herzinfarkt, Krebs, Organ- oder Gehirnerkrankungen oder Verlust von Hören oder Sehen durch einen Unfall eintritt. Es gibt keine monatliche Rente, sondern eine vereinbarte Versicherungssumme wird auf einmal ausbezahlt. Da schwere Erkrankungen die Hauptursache für Erwerbsunfähigkeit sind, kann man mit dieser Versicherung dieses Risiko abdecken.

Unfallversicherung

Der Versicherungsfall tritt ein, wenn durch einen Unfall bleibende Schäden entstehen. Laut Finanztest eine wichtige Versicherung für alle, die keinen gesetzlichen Unfallversicherungsschutz haben (zum Beispiel Selbstständige) oder als Teilabsicherung für Personen, die keine Berufs- oder Erwerbsunfähigkeitspolice bekommen. Im Versicherungsfall wird ein Einmalbetrag ausgezahlt. Die Beitragshöhe ist abhängig vom Beruf, der nach Risiko bewertet wird, die Beitragshöhe steigt in der Regel nicht. Die Versicherung gilt nicht für Krankheiten. Finanztest rät: Gefährliche Hobbies sollten unbedingt angegeben und es sollte geklärt werden, ob diese mitversichert sind.

Grundfähigkeitsversicherung

Als Grundfähigkeiten gelten zum Beispiel Sprechen, Hören, Sehen, Treppensteigen, das Gebrauchen von Armen und Händen sowie Autofahren. Geht eine oder mehrere dieser Fähigkeiten aufgrund von Krankheit, Unfall oder Kräfteverfall für mindestens ein Jahr vollständig verloren, zahlt die Versicherung eine monatliche Rente bis zum festgelegten Alter oder bis die Fähigkeit zurückkehrt. Bei den meisten Versicherungen zählen auch Pflegegrade zu den Voraussetzungen eines Leistungsbezugs. Wichtig: Nur die tatsächlich im Vertrag festgelegten Fähigkeiten sind versichert. Bei den meisten Versicherern kann der Beitrag steigen.

Funktionsinvaliditätsversicherung

Hinter diesem sperrigen Begriff verbergen sich Versicherungen von Unfall- oder Lebensversicherern, die je nach Vertrag bei dauerhaften Unfallschäden, Verlust von Grundfähigkeiten, schweren Krankheiten, psychischen Störungen oder Pflegebedürftigkeit zahlt. Finanztest empfiehlt, auf diesem Weg mehrere Invaliditätsrisiken mit einer Police abzudecken, wenn eine Berufs- oder Erwerbsunfähigkeitsversicherung nicht in Frage kommt. Da die Angebote, Bedingungen und Leistungsspektren äußerst vielfältig sind, sollten sie je nach persönlichem Anspruch erfragt und verglichen werden. Grundsätzlich bewertet Finanztest die Anforderungen für eine Rente bei allen Versicherern als sehr hoch.

Allgemeiner Tipp:

Um überhaupt versichert zu werden, sollte man möglichst wenig Vorerkrankungen oder akute Beschwerden wie Rückenschmerzen oder Allergien haben. Je jünger man daher bei Vertragsabschluss ist, umso größer die Chance, gute Versicherungsbedingungen zu bekommen – oder überhaupt versichert zu werden.

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