27.06.2016

Finanztest Die Folgen der Niedrigzinsen – und was Sie jetzt tun können!

Problem Niedrigzinsen: Was tun mit dem Ersparten und Verdienten, wenn das Geld immer weniger wert wird?

Foto: iStock/2Mmedia

Problem Niedrigzinsen: Was tun mit dem Ersparten und Verdienten, wenn das Geld immer weniger wert wird?

Die Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank trifft jeden Sparer. Finanztest erklärt die Folgen und was man tun kann, um dennoch etwas (mehr) von seinem Geld zu haben.

Null Prozent Zinsen! Weil die Politik den Leitzinssatz auf null Prozent gesenkt hat, haben private Sparer das Nachsehen: Fest- und Tagesgeld werfen kaum etwas oder gar nichts mehr ab, Immobilien werden immer teurer, auch Versicherungen lohnen sich kaum noch. Ärgerlich! Denn immerhin sparen die Deutschen im Durchschnitt 10 Prozent ihres Einkommens – nach wie vor.

Das Ziel der Sparpolitik ist das Anheizen der Inflation. Vom Geld der Sparer sollen die Banken zum Beispiel Unternehmen Kredite geben und dadurch ein Wachstum der Wirtschaft ankurbeln: Kunden sollen mehr Geld ausgeben – damit die Nachfrage steigt und letztendlich die Preise.

Schön und gut. Aber was tun mit dem Ersparten und Verdienten, wenn das Geld immer weniger wert wird? Wie kann man sein Vermögen sichern? Was wird aus Altersvorsorge und Versicherungen?

Finanztest beantwortet die wichtigsten Fragen und gibt wertvolle Tipps für Sparer:

Konto oder Kopfkissen?

Lohnt es sich überhaupt noch, Geld aufs Konto zu legen? Das fragen sich viele Sparer. Finanztest meint: Ja. Das Geld im Sparstrumpf (festangelegtes Geld) verliert an Wert, während es sich auf einem gut verzinsten Tageskonto nach wie vor vermehrt. Das liegt am sogenannten „realen Zins“, dem Zins, der um die Inflation korrigiert wird. Die besten Tagesgeldangebote stellt Finanztest unter https://www.test.de/Zinsen-Tagesgeld-Festgeld-und-Sparbriefe-4209104-4209110/ vor.

Lohnt sich das Sparen überhaupt noch?

Finanztest rät ganz klar: Ja. Zwar erscheint das Sparen mit den derzeitig niedrigen Zinserträgen und ebenso geringem Zinseszinseffekt (die Mitverzinsung der Zinsen aus den vorigen zwei Jahren) als wenig sinnvoll. Doch nach wie vor gilt, je mehr und je länger man spart, umso mehr kommt am Ende dennoch dabei heraus. Finanztest gibt dazu ein Rechenbeispiel: Bei einem Zinssatz von 0,05 Prozent und einer Einlage von 10.000 Euro macht der Sparer nach 20 Jahren gut 1000 Euro Gewinn, bei einem Zinssatz in Höhe von 4 Prozent sogar knapp 12.000.

Wer in Aktienfonds investieren möchte, dem rät Finanztest weltweite Anleihen wie Indexfonds (ETF) auf den Aktienindex MSCI World. Bei diesen Aktien hängt der Erfolg nicht von einer einzigen Region ab.

Was passiert mit meiner Altersvorsorge?

Wenn die Rente nicht reicht, um im Alter die Grundbedürfnisse zu decken, braucht man eine Rentenversicherung. Herkömmliche Kapitallebensversicherungen mit garantierter Verzinsung sind out.

Durch seine staatlichen Zulagen und Steuererleichterungen kann sich ein Riester-Vertrag selbst bei den momentanen Niedrigzinsen lohnen.

Wer keine Riester-Förderung bekommt, sollte eine private Rentenversicherung abschließen, die eine garantierte Rente bietet. Von fondsgebundenen Versicherungen rät Finanztest ab, da diese meist keine Garantie bieten und relativ teuer sind. Für Fonds-Sparer empfiehlt Finanztest günstige Indexfonds (ETF).

Die relativ unflexiblen Rürup-Verträge lohnen sich vorwiegend für gut verdienende Selbstständige.

Geringere Leistungen verspricht eine betriebliche Altersvorsorge. Finanztest rät, diese jedoch zu nutzen sofern der Arbeitgeber Beiträge dazugibt.

Finanztest-Tipp: Neben einer klassischen Rentenversicherung mit monatlichen Raten, gibt es die Möglichkeit, sein Vermögen zunächst auf andere Weise aufzubauen, etwa mit dem Pantoffel-Sparplan, und später

eine Rentenversicherung gegen Einmalbeitrag abzuschließen. Mehr dazu bei Finanztest https://www.test.de/ETF-Sparplan-Aus-monatlichen-Raten-ein-kleines-Vermoegen-machen-5015866-5015869/

Lohnt es sich, jetzt eine Immobilie zu kaufen?

Immobilienkredite sind durch die niedrigen Zinsen zwar günstiger geworden, doch dadurch stieg auch die Nachfrage nach Wohneigentum und somit die Preise. Ob sich derzeit eine Immobilienblase entwickelt, schätzen Experten unterschiedlich ein, da die Kosten für Immobilien in einigen Gebieten (vor allem Städten) deutlich steigen, während sie anderswo in Deutschland (in ländlichen Regionen) gleich bleiben oder sogar sinken. Finanztest rät, Wohneigentum nur mit solidem Eigenkapital zu finanzieren und sich nicht überwiegend auf Kredite zu verlassen.

Wie sicher sind Versicherung und Betriebsrente?

Grundsätzlich besteht laut Finanztest eine hohe Sicherheit. So stuft die Finanzaufsichtsbehörde Bafin, die kurz- bis mittelfristige Kapitalausstattung der Versicherer als stabil ein. Langfristige Folgen der Niedrigzinspolitik, etwa bei Lebensversicherungen, seien dagegen schwieriger einzuschätzen. Wenn der Anbieter der Lebensversicherung pleite geht, so ist für die Versicherten durch die Auffanggesellschaft Protektor immerhin ein teilweiser Schutz gewährt. Protektor zahlt garantierte Leistungen aus – jedoch keine Überschüsse.

Bei Betriebsrenten gilt: Im Ernstfall zahlen entweder Protektor oder der Pensions-Sicherungs-Verein die Renten weiter. Weitere Informationen stellt Finanztest unter https://www.test.de/Betriebsrente-So-wehren-Sie-sich-wenn-Ihr-Arbeitgeber-die-Rente-einfriert-5003868-0/?mc=kurzurl.betriebsrente-sicherheit bereit.

Nützt die Niedrigzinspolitik der EZB überhaupt etwas?

Finanztest erklärt, dass das Ziel, die Inflationsrate im Euroraum von derzeit leicht unter Null auf knapp 2 Prozent anzuheben, noch lange nicht erreicht sei. Dazu müsse das Bruttoinlandsprodukt (die Wirtschaftsleistung) aller Euroländer steigen. Andererseits seien die Maßnahmen der EZB in der derzeitigen Krise unbedingt nötig, um eine tiefere Krise zu verhindern. Dennoch seien noch weitere Reformen und staatliche Konjunkturprogramme notwendig, um etwa die hohe Verschuldung einiger Mitgliedsländer zu mindern.

Ein Ende der Sparpolitik ist demnach noch nicht in Sicht, es scheint aber, dass Europa auf dem richtigen Weg ist. Und auch trotz Niedrigzinsen das Ersparte nicht futsch.

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