09.06.2016

Beratung Lebensversicherungen vor dem Bankrott: 5 Tipps für Anleger

Von

Foto: iStock/MartinPrescott

Die Zinsen sind im Keller, Lebensversicherungen dadurch immer weniger wert. Was sollen Anleger jetzt tun?

Jeder zweite Besitzer einer Police überlegt jetzt, ob er aussteigen soll. Annika Krempel, Expertin beim Verbraucherportal Finanztip, gibt die wichtigsten Tipps.

1. Vertrag kündigen?

Lohnt sich oft nicht. Allein 2015 wurden Lebensversicherungen im Wert von mehr als 13 Millionen Euro vorzeitig gekündigt. Viele haben dabei reichlich Geld verschenkt. Denn gerade alte Kapitallebensversicherungen zahlen sich wegen der alten Garantiezinsen (bis zu vier Prozent) immer noch aus. Sie sollten fortgeführt werden. Zudem fallen für Verträge von 2004 und früher bei der Auszahlung nach zwölf Jahren keine Steuern an. Was außerdem oft nicht bedacht wird: Wer kündigt, bekommt nur den momentanen Rückkaufswert. Erst bei regulärem Ablauf der Police gibt’s den Schlussüberschuss.

2. Vertrag verkaufen?

Wer wirklich Geld benötigt, bekommt durch den Verkauf mehr als bei Kündigung. Ein Verkauf ist ab 8000 Euro Rückkaufswert möglich. Unbedingt mehrere Angebote einholen, z. B. bei policendirekt.de oder cfi-fairpay.de. Darauf achten, dass der Aufkäufer Mitglied im Verband BVZL ist. Wichtig: Mit dem Steuerberater oder dem Finanzamt klären, ob der Verkaufserlös versteuert werden muss.

3. Vertrag beleihen?

Ist sinnvoll, wenn man nur vorübergehend Geld braucht. Beleihen ist bei manchen Anbietern, z. B. Lifefinance oder der SWK Bank, schon ab 1000 bis 2500 Euro Rückkaufswert möglich. Aber: Die Zinsen für solch ein Policendarlehen sind in der Regel höher als die laufende Verzinsung der Lebensversicherung. Unterm Strich macht man also mit dem Beleihen Verlust. Weil die Schulden während der Laufzeit normalerweise nicht getilgt werden, summieren sich die Zinsen. Es ist dadurch oft teurer als ein Ratenkredit. Wer aber regelmäßig tilgt, kann sparen. Vor dem Abschluss alle Möglichkeiten durchrechnen.

4. Vertrag stunden lassen?

Das können Sie machen, wenn Sie einen finanziellen Engpass haben, der aber ein absehbares Ende hat. Dann kann man ein bis zwei Jahre mit den Beiträgen aussetzen. Aber Achtung: Danach werden alle gestundeten Prämien fällig, müssen nachgezahlt werden! Da ist es oft besser, die Beiträge nur zu senken, um wieder etwas flüssiger zu sein. Sprechen Sie am besten mit dem Versicherer über diese Möglichkeit.

5. Vertrag beitragsfrei stellen?

Diese Variante entlastet das Haushaltsbudget. Oft ist es möglich, in den Vertrag nichts mehr einzuzahlen. Dann aber bedenken, dass es am Ende auch weniger Geld gibt. Tipp: In der Jahresmitteilung der Police steht, wie hoch die Versicherungssumme ausfällt, wenn der Vertrag beitragsfrei bis zum ursprünglich vereinbarten Zeitpunkt fortgeführt wird.

Ursprünglichen erschienen in der BILD der FRAU Nr. 21.

Seite