02.02.2012

Recht & Rat Garantie-Verlängerungen: Oft mehr Wucher als echter Schutz

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Foto: © iStock / Bet_Noire

Beim Kauf eines Fernsehers, eines Trockners oder einer Waschmaschine empfehlen Händler oft, eine Garantie-Verlängerung mitzukaufen. Prüfen Sie kritisch, ob sich das wirklich lohnt. Georg Tryba, Sprecher bei der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen erklärt die Tücken beim Extra-Schutz.

 

Was ist eine Gewährleistung?

Nach dem Gesetz (§ 437ff Bürgerliches Gesetzbuch) muss der Händler noch zwei Jahre nach dem Kauf für das neu erworbene Gerät haften. Aber: Bereits nach Ablauf von sechs Monaten kann es passieren, dass der Kunde beweisen muss, dass es den Mangel schon beim Kauf gab. Dies ist oft schwierig und bedeutet: Kann er das nicht, wird die Waschmaschine oder die Stereoanlage nicht auf Händlerkosten repariert.

Kann ich diese Frist mit einer sogenannten Garantie-Verlängerung hinauszögern?

Ja, diese Garantie-Verlängerung ist eine Art Versicherung, die Elektronikmärkte (z.B. Saturn, Conrad) oder Firmen wie Apple anbieten. Sie springt dann ein, wenn es nach den sechs Monaten bzw. zwei Jahren Probleme gibt. Der Preis hängt von der Art des Gerätes ab. So kostet beispielsweise die vierjährige „Plus-Garantie“ bei Saturn für mobile Navigationsgeräte bei einem 201 Euro teuren Gerät zusätzlich einmalig 50 Euro. Saturn übernimmt dafür dann die Reparatur bei Material- oder Produktionsfehlern. Verschleiß-Reparaturen bleiben aber ausgeschlossen. Da müssten sich Kunden schon mit dem zusätzlichen „Plus-Schutz“ (40 Euro) absichern. Das 201 Euro teure Navi kostet mit allen Zusatzgarantien dann allerdings stolze 291 Euro.

 

Muss ich den ganzen Versicherungsbetrag immer in einer Summe zahlen?


Nein, einige Anbieter verstecken die hohe Summe in kleinen monatlichen Raten. Beispiel: So kostet die Garantie-Verlängerung für ein 1099 Euro teures Notebook zwölf Euro monatlich – macht bei fünf Jahren Laufzeit stolze 720 Euro.

Lohnt sich der Abschluss einer Garantie-Verlängerung?

In der Regel nicht. Ausnahme: wenn Sie teure Geräte (z.B. einen PC) ständig und dauerhaft nutzen, weil Sie selbstständig sind – und vielleicht bei einem Ausfall sofort ein Leihgerät erhalten. Der Haken an diesen Garantie-Verträgen: Ist eine Reparatur teurer als der Zeitwert des Gerätes, läuft das unter „Totalschaden“. Sie bekommen dann nur den Zeitwert erstattet, und es wird weder der Defekt repariert noch gibt es ein gleichwertiges Neugerät.


Kann der Händler auch eine freiwillige Garantie-Verlängerung anbieten?

Ja, das ist für Sie als Kunde sogar besser, denn dann sind Sie nicht in der Beweispflicht! Fragen Sie danach. Wichtig: Immer genau klären, was die Garantie beinhaltet.

Darf ich aus dem Vertrag wieder aussteigen?

Das hängt von den Kündigungsbedingungen ab. Einige Verträge sehen eine Laufzeit von einem Jahr vor, in anderen Fällen beträgt die Laufzeit sogar 24 Monate.


Unser Experte:


Georg Tryba ist Sprecher der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen in Düsseldorf. Er berät Verbraucher, welche Vorteile und Nachteile sich aus Garantie-Verlängerungen ergeben.

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