Aktualisiert: 08.09.2021 - 22:05

Tierfreundliche Innovation Ende der grausamen Gefangenschaft: PETA will Delfine durch Roboter ersetzen

Von Franziska Wohlfarth

Delfinshows begeistern seit jeher Groß und Klein – den Preis für die kommerzielle Unterhaltung müssen die Meeressäuger bezahlen. (Symbolbild)

Foto: Getty Images/alexxx1981

Delfinshows begeistern seit jeher Groß und Klein – den Preis für die kommerzielle Unterhaltung müssen die Meeressäuger bezahlen. (Symbolbild)

Delfine gehören nicht in Gefangenschaft – das findet auch die Tierschutzorganisation PETA. Damit Fans der Meeressäugetiere jedoch nicht auf einen Besuch im Delfinarium verzichten müssen, sollen die Tiere durch realistische Roboter-Delfine ersetzt werden.

Seit 50 Jahren strömen selbsternannte Tierliebhaber:innen in das Delfinarium des Nürnberger Zoos. Die intelligenten Meeressäuger begeistern Groß und Klein mit ihrem wunderschönen Aussehen und ihren beeindruckenden Tricks.

Doch zu welchem Preis? Schon seit Jahren stehen Einrichtungen wie das Delfinarium in Nürnberg in der Kritik: Wilde Tiere gehören nicht in enge, kahle Betonbecken gesperrt. Die Tierschutzorganisation PETA fordert deshalb, dass die Zoos in Duisburg und Nürnberg stattdessen auf Roboter-Delfine setzen.

Roboter statt Delfine: PETA fordert Ende der grausamen Gefangenschaft

Momentan leben sechs Delfine im Delfinarium des Nürnberger Zoos – zwei von ihnen wurden aus ihrem Leben in der Wildnis gerissen, die anderen vier wurden bereits in Gefangenschaft geboren.

Das Delfinarium wurde 2011 zwar ausgebaut, doch letztlich macht es keinen Unterschied, wie groß oder modern die Becken sind: Artgerecht ist nur die Freiheit. Dafür steht auch die Tierschutzorganisation PETA, die sich bereits seit Jahren für die sofortige Schließung von Einrichtungen wie der im Tierpark Nürnberg einsetzt.

Wer Tiere liebt, geht nicht in Zoos

"Zahlreiche Tiere werden abgeschoben oder zwischen zoologischen Einrichtungen zu krampfhaften Zuchtzwecken hin- und hergereicht, damit immer neue Tierbabys Besucher:innen anlocken, die die Kassen füllen.", kritisiert PETA auf der eigenen Website. "Damit die intelligenten Meeressäuger die triste Gefangenschaft überhaupt ertragen, werden sie in Zoos und Delfinarien oft mit Psychopharmaka ruhiggestellt."

Den unwissenden Besucher:innen ist meist gar nicht bewusst, wie viel Leid die dressierten Tiere ertragen müssen. Die kommerziellen Einrichtungen nehmen keinerlei Rücksicht auf das natürliche Verhalten und die Bedürfnisse der intelligenten Meeressäugetiere – ansonsten würde man sie ja wohl kaum aus ihrem natürlichen Lebensraum zerren und in Betonbecken sperren.

Roboter-Delfine sollen das Leid beenden

Diese geniale Erfindung könnte jetzt jedoch das Leid beenden: Die US-Amerikaner Roger Holzberg und Walt Conti haben einen ferngesteuerten Delfin-Roboter entwickelt, der von dem lebendigen Tier kaum zu unterscheiden ist. Die Nachbauten sehen aus wie echte Delfine und verhalten sich auch so – die Tümmler reagieren sogar auf menschliche Gesten und lernen dazu.

Versuche mit dem Prototypen des "Robotic Dolphins" haben gezeigt, dass Besucher:innen sehr positiv auf das ferngesteuerte Meeressäugetier reagieren:

Roboter-Delfin

PETA möchte sich mit 50.000 Euro an der Anschaffung beteiligen

Die Tierschutzorganisation PETA hat deshalb die Zoos in Duisburg und Nürnberg dazu aufgefordert, ihre Delfine in sogenannte "Sactuarys" abzugeben – das sind betreute Meeresbuchten, in denen ehemalig gefangene Tiere wieder selbstbestimmt leben und sich erholen können.

PETA bietet sogar an, sich mit 50.000 Euro an der Anschaffung zu beteiligen. Das Problem: Dieser Betrag würde nur einen kleinen Teil der Investition decken. Der lebensechte Roboter-Delfin kostet nämlich 23 Millionen Euro. Auf lange Sicht würde sich die Ausgabe bezahlt machen, wenn man bedenkt, dass bei ihm die Kosten für Futter und Co wegfallen. Und seien wir mal ehrlich: Das Wohl der Tiere sollte wichtiger sein als Gewinn.

Tierpark lehnt Angebot ab

Doch das sieht der Tierpark wohl etwas anders: "Wir sind kein Kino, sondern ein Zoo. Wir kümmern uns um Tiere und nicht um technische Spielereien. Das ist nicht unser Metier. Außerdem können wir die im Zoo geborenen Delfine nicht einfach im Meer aussetzen – sie hätten keine Überlebenschance", äußert sich Zoo-Chef Dag Encke gegenüber BILD. Dabei vergisst er jedoch, dass die Tiere nicht "einfach im Meer ausgesetzt", sondern in einem Sactuary überwacht ausgewildert werden sollen.

Focus zitiert Lorenzo von Fersen, den Zuständigen für Artenschutz im Zoo Nürnberg: "Den Delfinen geht es sehr gut bei uns und sie sind Teil eines wichtigen pädagogischen Programms – mit Robotern wäre das undenkbar. Ein Appell an PETA: Die Millionen für die Robo-Delfine lieber in den Tierschutz investieren!"

Witzig, wenn man bedenkt, dass die Tierschutzorganisation PETA schon deutlich mehr in den Tierschutz investiert hat, als der Tierpark Nürnberg es je getan hat. Vielleicht sollte Lorenzo von Fersen also mal seinen eigenen Rat beherzigen...

Quellen: peta.de, bild.de, focus.de, welt.de, rtl.de

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Auf Elefanten reiten, sich von Affen Kokosnüsse pflücken lassen, mit Haien für Selfies posieren: Was als Urlaubsspaß gedacht ist, ist in Wahrheit oft brutale Tierquälerei!

Die Tierschutzorganisation PETA kritisiert außerdem das EM-Elefantenorakel im Tierpark Hagenbeck. Denn um dieses Spielchen mitzumachen, eine Flagge zu ziehen, würden die Dickhäuter gedemütigt und gequält – mithilfe des Elefantenhakens.

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