Aktualisiert: 23.08.2021 - 10:06

Sie verläuft sehr schmerzhaft FORL: Katzen haben unter der Zahnerkrankung sehr zu leiden

FORL ist eine tückische Katzenzahnerkrankung. Tierheilpraktikerin Monika Weßeling erklärt, was Halter:innen tun können, um ihrem Haustier zu helfen.

Foto: Getty Images / cunfek

FORL ist eine tückische Katzenzahnerkrankung. Tierheilpraktikerin Monika Weßeling erklärt, was Halter:innen tun können, um ihrem Haustier zu helfen.

Die Zahnerkrankung FORL ist für Katzen mit großen Schmerzen verbunden! Tierheilpraktikerin und Katzenexpertin Monika Weßeling erklärt, wie sie verläuft, wie Sie sie bei Ihrem Tier erkennen und was Sie tun können.

Zahnschmerzen können einen so richtig in die Knie zwingen. Das ist bei Tieren nicht anders als beim Menschen. Gar nicht mal so selten haben Katzen unter der Zahnerkrankung FORL zu leiden, die sehr schmerzhaft für die Tiere verläuft. Was genau ist unter FORL zu verstehen? Wie erkennen Katzenhalter:innen, ob es ihren Liebling erwischt hat? Wie läuft die Behandlung ab, was kann vorbeugend getan werden? Tierheilpraktikerin und Katzenexpertin Monika Weßeling hat die Antworten.

Katzenzahnerkrankung FORL: Eine Tierexpertin über die schmerzhafte "Geißel der Katze"

Frau Weßeling, was genau ist FORL? Warum setzt die Zahnerkrankung Katzen extrem zu?

Monika Weßeling: Die Zahnerkrankung FORL, eine Abkürzung für Feline Odontoklastische Resorptive Läsionen, ist noch wenig bekannt. Jede dritte Katze über fünf Jahren soll von FORL betroffen sein. Neueste Untersuchungen haben ergeben, dass es bereits jede zweite Katze sein soll. Mittlerweile leiden auch viele noch jüngere Katzen an FORL. Der Begriff FORL wird immer mehr durch RL ersetzt (Resorptive Läsionen).

Die Ursache für diese Erkrankung konnte bisher nicht festgestellt werden. Vermutet werden Störungen im Calciumhaushalt, auch Autoimmunerkrankungen oder Entzündungen können dafür verantwortlich sein. Scheinbar trägt auch die Genetik dazu bei.

Zuerst werden Anteile der Zahnwurzel aufgelöst, danach die Zahnhartsubstanz. Durch die Aktivierung von körpereigenen Zellen (Odontoklasten) wird die Zahnhartsubstanz abgebaut. FORL verursacht sehr starke Schmerzen. Deshalb wird diese Erkrankung als "Geißel der Katze" bezeichnet.

Diese Symptome können auf FORL hinweisen

Wie können Zahnschmerzen bei der Katze erkannt werden?

Katzen sind Meister im Verbergen von Schmerzen. Der Grund besteht darin, dass sie in der Natur bei Anzeichen von Schmerzen leicht zur Beute werden können. Daher ist es für den Katzenhalter sehr schwierig, Zahnschmerzen bei der Katze zu erkennen.

Einige Symptome können auf eine Zahnerkrankung hindeuten:

  • Speicheln
  • Zahnfleischentzündung, Zahnfleischbluten
  • Maulgeruch
  • weniger oder gar nicht mehr fressen
  • Futterbrocken aufnehmen und fallen lassen
  • nur auf einer Seite mit geneigtem Kopf fressen
  • Änderungen beim Fressverhalten (nur noch Nass- oder Trockenfutter)
  • Schluckstörungen
  • Kopfschütteln
  • Gewichtsverlust
  • starke Zungenbewegungen
  • Verhaltensänderungen

Weitere Hinweise können abgebrochene Zähne oder Löcher in den Zähnen sein. Zähne können fehlen. Viele Katzen leiden an chronischen Zahnfleischentzündungen. Sie können diese durch einen roten Saum am Zahnfleisch erkennen.

FORL kann jedoch völlig symptomlos verlaufen. D. h. die Katze kann blitzweiße Zähne haben, zeigt keine Symptome – und leidet trotzdem unter FORL. Eine Katze wird so lange fressen, bis sie nicht mehr "kann", auch wenn sie unter enormen Zahnschmerzen leidet.

Ist FORL eine Erkrankung der heutigen Zeit?

Nein, bereits bei den Pharaonen wurde FORL an Katzenschädeln nachgewiesen. Sogar der Säbelzahntiger soll daran gelitten haben. Auch in freier Wildbahn erkranken Großkatzen an FORL.

Heute führt vermutlich die bessere Diagnostik dazu, dass bei vielen Katzen FORL erkannt werden kann.

Abessinier, Russisch Blau, Siam- und Perserkatzen sollen besonders häufig betroffen sein.

Am besten eine Tier-Zahnärztin oder einen Tier-Zahnarzt aufsuchen

Wie lässt sich FORL erkennen?

FORL kann nur durch dentales Röntgen hundertprozentig diagnostiziert werden. Die Katze wird in Narkose gelegt, das Gebiss komplett dental geröntgt. Von FORL befallene Zähne werden fast immer gezogen. Das Ziehen dieser Zähne ist nicht einfach, es dürfen keine Wurzelreste zurückbleiben. Die Zahnwurzel verwächst mit dem umliegenden Knochen. Daher wird nach dem Entfernen der befallenen Zähne nochmals dental geröntgt. Eine Zahnreinigung wird natürlich auch vorgenommen.

Nur durch optische Sicht auf die Zähne, verbunden mit einer Sondierung des Tierarztes, kann nur ein Bruchteil der befallenen Zähne entdeckt werden. Ist ein Zahn an FORL erkrankt, sind wahrscheinlich auch andere Zähne betroffen.

Die Tierarztpraxis muss daher zwingend für eine Zahn-Operation über eine dentales Röntgengerät verfügen. Ich rate dazu, einen Tier-Zahnarzt aufzusuchen. Er ist Tierarzt und hat eine mehrjährige Zusatzausbildung. Daher ist er der Experte auf dem Gebiet. Der Tierarzt sollte auch über ein Gerät zur schonenden Inhalations-/Intubationsnarkose verfügen.

Es gibt 3 Arten von FORL – worin unterscheiden sie sich?

Unterschieden werden die drei FORL-Typen anhand der Auflösungsweise des Zahns. Der Tier-Zahnarzt stellt die Diagnose der FORL-Art nach dem Zahnröntgen.

Im Normalfall werden von FORL befallene Zähne komplett inklusive der Wurzel gezogen. Bei Typ 2 wird jedoch nur die Krone des Zahnes amputiert, die Wurzel bleibt im Kiefer, sie wandelt sich dann zu Knochengewebe um.

FORL kann nicht geheilt werden!

OP unter Narkose – das ist davor und danach wichtig

Was muss ich vor der Narkose meiner Katze beachten?

Lassen Sie unbedingt vom Tierarzt vor der Narkose Blut abnehmen. Sie sollten ein aktuelles geriatrisches Blutbild machen lassen, das den T4-Wert (Schilddrüse) und den SDMA-Wert (Nierenfrüherkennungsmarker) beinhaltet. So können bestehende Vorerkrankungen ggf. erkannt werden, beispielsweise eine CNI (Chronische Niereninsuffizienz).

Wenn die Katze älter wird, sollten Sie weitere Untersuchungen mit Ihrem Tierarzt abstimmen. Hierzu kann ein Ultraschall der Organe gehören. Eine ausführliche körperliche Untersuchung gehört immer dazu.

Sprechen Sie mit Ihrem Tierarzt darüber, was evtl. noch in der Narkose gemacht werden soll. Evtl. ist Ihre Katze noch nicht gechippt? Dann kann das nachgeholt werden. Krallen schneiden kann ebenfalls dazu gehören.

Am OP-Tag sollte die Katze mindestens 8 Stunden nüchtern sein. Sprechen Sie das Vorgehen mit Ihrem Tierarzt ab, auch wenn Ihre Katze regelmäßige Medikamente erhält.

Wie läuft die Narkose selbst ab?

Mit jeder Narkose ist ein Risiko verbunden. Mit der Inhalations-/Intubationsnarkose kann dieses vermindert werden, das Verfahren ist schonend und auch für ältere Katzen mit Vorerkrankungen geeignet.

Die Tiefe der Narkose kann genau gesteuert werden. Die Katze wacht nach der Narkose viel schneller auf und ist bereits nach kurzer Zeit wieder auf den Beinen.

Die Katze wird nach vorheriger Sedation intubiert und an eine Beatmungseinheit angeschlossen. Während der Narkose werden sämtliche wichtigen Vitalfunktionen ununterbrochen überwacht. Das bezeichnet man als Monitoring.

Durch den Tubus, der in die Luftröhre eingeführt wird, hat die Katze evtl. nach der OP eine leicht gereizte Luftröhre (Hüsteln). Das gibt sich nach 1-2 Tagen.

Wie geht es nach der Narkose weiter?

Fäden müssen nicht gezogen werden. Wenn Fäden gesetzt wurden, dann lösen sich diese innerhalb von etwa 1 bis 2 Wochen auf.

Ihr Tierarzt wird Ihnen vermutlich nach einer größeren Zahn-OP für Ihre Katze ein Antibiotikum und ein Schmerzmittel mitgeben. Nach ca. 1 bis 2 Wochen sollte eine Kontrolle erfolgen.

Eine Katze kann auch ohne Zähne fressen. Oftmals wird von Katzen berichtet, die mehrere Tage nach einer Zahn-OP einen glücklichen Gesichtsausdruck zeigen. Ihnen wurden die Schmerzen genommen.

Auf die Maulhygiene zu achten, ist auf jeden Fall sinnvoll

Wie kann ich die Zahngesundheit meiner Katze unterstützen?

Der Zahnerkrankung FORL kann nicht vorgebeugt werden. Aber natürlich ist es wichtig, die Maulhygiene bei der Katze zu unterstützen.

Die gesunde Fütterung ist ein wichtiger Aspekt. Die Katze ist ein Fleischfresser. Füttern Sie hochwertiges Nassfutter mit einem hohen Fleischgehalt oder barfen Sie Ihre Katze.

Wenn Sie Nassfutter geben, können Sie zwischendurch Ihrer Katze rohes Fleisch in geringen Mengen, beispielsweise 1 x wöchentlich, anbieten. Viele Katzen mögen sehr gerne Hühnerherzen in roher Form.

Sie sollten Ihre Katze an regelmäßiges Zähneputzen gewöhnen. Dazu können Sie einen "Fingerling" benutzen, der meistens aus Mikrofaser besteht, oder eine spezielle Doppelkopf-Zahnbürste aus sehr weichem Material für Katzen. Im Handel gibt es wohlschmeckende Pasten mit unterschiedlichen Geschmacksrichtungen für die Katze. Auf keinen Fall darf Zahncreme für Menschen genutzt werden, da diese für Katzen giftig ist.

Achtung: kein Trockenfutter geben!

Bitte geben Sie Ihrer Katze möglichst kein Trockenfutter, höchstens im Wurfspiel oder als Belohnung wenige Bröckchen. Die Katze ist ein Wüstentier und kann nicht so viel trinken, um Trockenfutter auszugleichen. Außerdem kann Trockenfutter in den Zahnfleischtaschen hängenbleiben und dann zu Entzündungen führen sowie zu weiteren Erkrankungen (z. B. Nierenerkrankungen).

Und dadurch, dass die Katze nicht kaut, knackt sie das Trockenfutter-Stück einmal durch und schluckt es dann hinunter. Trockenfutter ist nicht gesund für die Zähne!

Ganz wichtig ist es, dass Sie spätestens ab dem 5. Lebensjahr der Katze die Zähne regelmäßig von einem Spezialisten mit den nötigen Geräten untersuchen lassen.

→ Monika Weßeling ist Tierheilpraktikerin und Katzenexpertin in Langenfeld (Rheinland). Mehr Infos zu ihr und ihrer Arbeit finden Sie auf tierheilpraxis-wesseling.de

Ende letzten Jahres hat Monika Weßeling ihr Buch "Die Katze – 360 Grad" veröffentlicht. Im Interview verrät sie, warum Naturheilkunde und alternative Heil-Wege bei Haustieren durchaus helfen können.

Wird auch oft unterschätzt: die Krankheit Katzenschnupfen, die bei weitem nicht so harmlos ist, wie sie klingt... Auch ein häufig auftretendes Elend: Das Haustier leidet unter Milbenbefall – was lässt sich tun? Er hat zwar nichts mit mangelnder Sauberkeit zu tun. Dennoch bleibt die Frage: Wie viel Hygiene ist bei Haustieren sinnvoll? Das klärt Tierärztin Jasmin Grau.

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