Aktualisiert: 23.07.2021 - 22:24

"Die Not ist groß" Hochwasser in Westdeutschland: Wie geht es den Tieren?

Von Franziska Wohlfarth

Retter:innen setzen alles daran, vermisste Vierbeiner zu evakuieren. (Symbolbild)

Foto: Getty Images/Stephen O'Byrne

Retter:innen setzen alles daran, vermisste Vierbeiner zu evakuieren. (Symbolbild)

Unwetter und Hochwasser haben große Teile Deutschlands, vor allem die Bundesländer Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz, verwüstet. Doch nicht nur der Lebensraum des Menschen wurde zerstört – auch Tiere leiden unter der Flutkatastrophe.

Fast 42.000 Menschen sind von der Flutkatastrophe in Deutschland betroffen. Die Rede ist von mindestens 170 Unwetter-Toten und 766 Verletzten. Unzählige Menschen haben ihr Zuhause verloren. Doch das Hochwasser stellt auch für einige Tiere eine Gefahr dar – anderen Arten eröffnet die Katastrophe neue Chancen.

Hochwasser in Deutschland: Eine Katastrophe für Mensch und Tier

Der Wasserpegel steigt, Flüsse und Bäche treten über die Ufer, Straßen werden überschwemmt, Häuser zerstört. Das Hochwasser in Westdeutschland erschüttert das ganze Land. Doch nicht nur Menschen sind bei der Katastrophe ums Leben gekommen – auch Haus-, Nutz- und Wildtiere sind von den Fluten betroffen.

"Tatsächlich ertrinken einige Tiere schlichtweg in einem Hochwasser", erzählt Biologe Andreas von Lindeiner vom Landesbund für Vogelschutz der Deutschen Presse-Agentur. Tierbesitzer:innen, die fluchtartig ihr Haus verlassen mussten, hatten oftmals keine Chance, ihre geliebten Vierbeiner mitzunehmen.

Während Feuerwehrleute derzeit auf der Suche nach den zurückgelassenen Haustieren sind, machen sich die Tierheime auf das Schlimmste gefasst. "Die Leute sind derzeit überfordert, viele haben all ihre Vorräte für die Tiere verloren", sagt Birgit Ganskow, Vorsitzende vom Tierschutzverein in Hagen, gegenüber dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND).

Die Tierheime haben nach Corona und der überwältigenden Rückgabewelle von Haustieren ihre finanziellen Rücklagen bereits aufgezehrt. Der Deutsche Tierschutzbund sammelt Spendengelder und versucht bestmöglich zu helfen.

Pony konnte vor dem Ertrinken gerettet werden

Helferinnen und Helfer setzen alles daran, um die gefährdeten Tiere zu retten. So konnte die Tierrettung Essen beispielsweise zwei Ponys evakuieren, welche im Hochwasser eingeschlossen waren.

"Die Berichte und die Bilder, die wir aus den Überschwemmungsgebieten bekommen, sind erschütternd. Weggerissene Stallgebäude, ertrunkene Pferde: Die Not ist groß. Und wir wollen helfen.", erklärt Hans-Joachim Erbel, Präsident der Deutschen Reiterlichen Vereinigung, dem Tagesspiegel.

Besonders schwierig sei die Versorgung und Unterbringung der Tiere: Mit all den überschwemmten Feldern, den zusammengebrochenen Scheunen und durchnässten Vorräten gäbe es einfach nicht ausreichend Futterquellen.

Wildtiere in Not

Und was ist mit den Tieren, die keine Besitzer:innen haben? Kaninchen, Hasen, Maulwürfe, Rehkitze und Mäuse schaffen es nur selten rechtzeitig zu fliehen und gegen die Fluten anzukämpfen. Erwachsene Mäuse können zwar schwimmen – doch haben sie sich erstmal an Land gerettet, erwartet sie dort der nächste Beutegreifer.

Spaziergänger:innen und Hundebesitzer:innen werden dazu angehalten, sich nach Möglichkeit vom Ufer fern zu halten. Wildtiere suchen dort nach Unterschlupf und könnten sich aus Angst vor Passant:innen panisch ins Wasser flüchten, wo sie im schlimmsten Fall ertrinken.

Auch Vögel stecken derzeit in einer Krise: Bäume und Sträucher wurden zerstört, Insekten wurden davongespült, den Tieren fehlt die Lebensgrundlage. Zusätzlich erschwert das trübe Wasser einigen Vögeln, wie beispielsweise dem Eisvogel, die Futtersuche.

Großes Fischsterben

Selbst Fische bleiben von den Folgen des Hochwassers nicht verschont: Die Tiere werden ans Ufer gespült, bleiben in Senken gefangen oder sterben aufgrund der niedrigen Sauerstoffwerte im Wasser. Letzteres sei vor allem an den Ufern der Altmühl, Aisch und der Fränkischen Rezat ein großes Problem.

"Es ist nicht so, dass in der Biologie Hochwasser etwas Todbringendes ist, sondern ein Teil der Dynamik und sogar lebensspendend für manche Fischarten", erklärt Johannes Schnell vom Landesfischereiverband Bayern der Deutschen Presse-Agentur. Und fügt hinzu: "Das Problem ist, dass der Mensch in unserer Kulturlandschaft die Gewässer derart verändert hat, dass die Folgen nicht mehr nur natürlich sind."

So haben Fische, die durch die Hochwasser stromabwärts gespült werden, beispielsweise keinerlei Möglichkeit wieder hinauf zu gelangen: Querbauwerke, wie Dämme oder Wehre, hindern sie daran, wieder in ihren ursprünglichen Lebensraum zurückzuschwimmen. Das Resultat: Der Fischbestand in den Oberläufen ist stark ausgedünnt und die Überlebenschancen im Tal sind für einige Fischarten verschwindend gering.

Lediglich die Wechselkröten freuen sich über neue, unberührte "Pionierstandorte", während Nase, Barbe oder Bachforelle von den gereinigten Kiessohlen profitieren.

Quellen: tag24.de, rnd.de, geo.de, tierschutzbund.de, tagesspiegel.de

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