Aktualisiert: 20.07.2021 - 20:58

Viele Kaninchen sind betroffen Nach Corona: Tierheime erleben überwältigende Rückgabewelle

Von Franziska Wohlfarth

Mit niedrigeren Corona-Fallzahlen steigt der Zuwachs in den Tierheimen. (Symbolbild)

Foto: Getty Images/Sergio Mendoza Hochmann

Mit niedrigeren Corona-Fallzahlen steigt der Zuwachs in den Tierheimen. (Symbolbild)

Die Fallzahlen sinken, Leute pendeln ins Büro zurück und der Alltag kehrt langsam wieder ein. Was zurück bleibt sind die spontan gekauften Haustiere, welche einen über die Corona-Einsamkeit hinwegtrösten sollten.

Während des Lockdowns ist die Nachfrage nach Hund, Katze, Kaninchen und Co drastisch gestiegen. Leute hatten viel Zeit, Langeweile und sehnten sich nach etwas tierischer Gesellschaft – die Zeit nach der Pandemie wurde dabei gerne ausgeblendet. Die Folgen dieses verantwortungslosen Haustier-Booms müssen jetzt die Tierheime tragen: Denn diese erleben eine überwältigende Rückgabewelle. Vor allem Kaninchen werden leichtfertig weggeben oder sogar ausgesetzt.

Rückgabewelle im Tierheim: Kaninchen und andere Kleintiere werden plötzlich zur Last

Viele Leute sehen Haustiere anscheinend lediglich als Spielzeug gegen Langeweile. Das lässt zumindest ein Blick in die Tierheime vermuten: Während man letztes Jahr noch Schlange stand, um einen tierischen Begleiter zu ergattern, platzen die Gehege heute inzwischen aus allen Nähten.

Das Tierheim Berlin berichtet, dass es seit dem Frühjahr von immer mehr Neuzugängen überrollt wird. Neben Hunden und Katzen erreichen die Pfleger:innen des Tierheims vor allem Nager: "Wir haben derzeit 120 Kleintiere bei uns, davon über 60 Kaninchen. Das Kleintierhaus platzt aus allen Nähten".", erzählt Annette Rost, Pressesprecherin des Tierschutzvereins für Berlin, im Gespräch mit rbb|24.

Wasserschaden im Tierheim Berlin

Erschwerend kommt ein massiver Wasserschaden hinzu, welcher das Kleintierhaus im Tierheim Berlin heimgesucht hat. Die Nager mussten evakuiert und in Notunterkünften, wie leerstehenden Cafés, untergebracht werden.

Die gute Nachricht: Keines der Kleintiere ist bei der Überflutung zu Schaden gekommen. Das Tierheim ist jetzt jedoch dringendst auf der Suche nach verantwortungsvollen Besitzer:innen für die Kaninchen, Meerschweinchen, Hamster und Mäuse.

Fehlende vorausschauende Planung

Klappt die Urlaubsplanung auch mit Hund? Habe ich die finanziellen Mittel für eine Katze? Bin ich bereit dafür, mindestens acht Jahre lang für diese Kaninchen zu sorgen? Solche Fragen haben sich viele Leute während der Corona-Pandemie wohl nicht gestellt. Da hieß es: Hauptsache ein süßes Haustier, welches mir während des Lockdowns Gesellschaft leistet. Was danach kommt, ist erstmal egal.

Schuld an dem ganzen Schlamassel haben nicht etwa die Tierheime – denn die haben insbesondere während des Lockdowns genaustens geprüft, wem sie ein Tier überlassen – sondern unverantwortliche Zücher:innen und Welpenhändler:innen.

Tierheime warnen vor Hunden aus dem Internet

Wegen der gesteigerten Nachfrage nach Haustieren während der Pandemie, konnten sich Züchter:innen kaum mehr vor Anfragen retten. Die langen Wartelisten sorgten dafür, dass Leute im Internet nach Hunden suchten – und dort auf illegale Welpenhändler:innen reinfielen.

Bei denen geht es nur um Profit und nicht etwa um das Tierwohl. Die Elterntiere werden unter katastrophalen Bedingungen gehalten, die Welpen werden viel zu früh von der Mutter getrennt und sind oft schwer krank. "Teilweise bekommen Hunde kurz vor dem Verkauf eine Adrenalinspritze, damit sie aufgeweckt wirken. Einige Zeit später liegen sie völlig krank und apathisch auf dem Boden.", erzählt Annette Rost.

Quellen: rtl.de, rbb24.de, berlin.de

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Hier erfahren Sie mehr zum illegalen Welpenhandel und dem Verkauf von Hundebabys auf Ebay.

Auch der illegale Katzenhandel nimmt drastisch zu: Wenige Wochen alte Jungtiere werden ihrer Mutter entrissen, um gewinnbringend verkauft zu werden.

Alle wollen möglichst junge Haustiere aufnehmen. Wann darf man Tierbabys von ihren Müttern trennen?

Bevor man ein Tier adoptiert, sollte man sich über die Ausgaben im Klaren sein, die auf einen zukommen: So viel kosten Haustiere im Laufe ihres Lebens!

Überforderte Hundehalter:innen können eine Hunde- oder Welpenschule besuchen. Hundetagesstätten greifen einem an langen Arbeitstagen unter die Arme. Das Aussetzen der Tiere ist allerdings keine Option und wird sogar mit hohen Geld- und Gefängnisstrafen geahndet.

Am besten ist es, ein Tier aus dem Tierheim zu adoptieren. Schließlich gibt es genug heimatlose Hunde und Katzen – und das nicht nur in Deutschland. Auf Mauritius kämpfen über 80.000 Streuner um ihr Überleben.

Noch News und Ratgeber zu Haustieren finden Sie auf unserer ausführlichen Themenseite.

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