Aktualisiert: 09.07.2021 - 22:26

Hundetrainer André Vogt hat die Antwort Mein Welpe beißt und lässt sich nicht bändigen – wie soll ich reagieren?

Welpen müssen viel ausprobieren und ihre Grenzen erfahren. Aber was, wenn sie plötzlich beißen und beim Toben einfach nicht zu bändigen sind? Wir haben einen Experten dazu befragt.

Foto: Getty Images / Kris Wong

Welpen müssen viel ausprobieren und ihre Grenzen erfahren. Aber was, wenn sie plötzlich beißen und beim Toben einfach nicht zu bändigen sind? Wir haben einen Experten dazu befragt.

Kleine Hunde müssen viel lernen, das ist bei ihnen nicht anders als bei uns Menschen. Doch wie verhalte ich mich richtig, wenn mein Welpe beißt und richtig ausrastet? Ein Experte weiß, was zu tun ist.

Ein Wesen zu erziehen, ist nie einfach – ganz egal, ob es sich um Mensch oder Tier handelt. Erziehung fängt früh an, denn die Kleinen müssen ja möglichst von Anfang an lernen, was gut und richtig ist, was geht und was nicht. Für junge Hunde gilt dabei auch, sie in die Schranken zu weisen, was das Beißen angeht – und wenn sie zu wild toben.

Die Welpenzeit ist eine kurze Phase, die rasend schnell vergeht, aber den wichtigen Meilenstein für das lebenslange Miteinander von Mensch und Hund legt, sagt André Vogt. Er muss es wissen: Er ist seit 2005 Hundetrainer, 2010 hat er seine eigene Hundeschule gegründet. Auf Sixx ist André Vogt regelmäßig in der Sendung "Der Welpentrainer" zu sehen. Mit BILD der FRAU hat der Experte über Welpen, die beißen und sich nicht bändigen lassen, gesprochen.

Was tun, wenn Welpen beißen und ausrasten? Das sagt der Experte

BILD der FRAU: Wenn Welpen zubeißen, kann das ganz schön schmerzhaft sein. Warum machen sie das plötzlich?

André Vogt: Tatsächlich ist die sogenannte Beißhemmung, also ein dosiertes Greifen mit den Zähnen, nicht angeboren. Auch unter Welpen wird mitunter im Spiel zu fest zugebissen. Nach einer Schmerzäußerung des in Mitleidenschaft gezogenen Welpen ist das Spiel dann zunächst einmal unterbrochen. Auf diese Weise lernen die Welpen, wie fest sie zupacken können. Sie müssen Ihrem kleinen Vierbeiner nun zeigen, dass menschliche Haut deutlich dünner und verletzlicher ist als die seiner Artgenossen. Signalisieren Sie es ihm mit einem lauten "Aua", wenn er Ihnen wehtut, und beenden Sie das Spiel sofort.

Manchmal beißen kleine Hunde auch immer zu fest zu, wenn sie ein Leckerchen bekommen. Was dann?

Wenn Sie keine Lust auf Welpenzähne in der Hand haben, heißt es: Augen zu und durch! Wenn der Hund zubeißt, ziehen Sie Ihre Hand nicht aus dem Maul. Das würde nämlich den Schnappreflex unterstreichen. Halten Sie die Hand einen Moment im Maul und drücken Sie mit den Fingern auf die Zunge des Hundes. Das ist für ihn nicht angenehm und zeigt ein deutliches "Stopp". Von nun an geben Sie das Leckerchen nur ab, wenn der Welpe es Ihnen "zärtlich" aus der Hand nimmt.

Wenden Sie die Taktik "aktive Ignoranz" an

Und dann rasten kleine Hunde auch gerne mal so richtig aus. Was dann?

Eigentlich müsste der Welpe müde sein, aber er düst durch die Wohnung, über die Couch, schnappt nach Händen und Beinen. "Welpenspinnen" ist angesagt. Doch woher kommt nur diese Energie nach einem eigentlich anstrengenden Tag? Wahrscheinlich rastet Ihr vierbeiniger Liebling genau deshalb so aus. Viele Welpen kompensieren nämlich auf diese Weise ihre Eindrücke. Das Erlebte lässt sie überdrehen.

Grundfalsch wäre es, mit dem Hund zu schimpfen oder ihn in irgendeiner Weise beruhigen zu wollen, wenn er gerade seine "dollen fünf Minuten" hat. Der Welpe könnte es als Spielaufforderung missverstehen. Schauen Sie dem Treiben Ihres durchgedrehten Kleinen belustigt und gelassen zu, solange es geht. Beginnt er allerdings, über Tische und Bänke zu rennen oder sich in die Gardinen zu hängen, fangen Sie ihn undramatisch ein und setzen Sie ihn in sein Welpenzimmer oder in einen anderen Raum. Meist toben die Welpen zwei Minuten ekstatisch – um dann einfach umzufallen und tief und fest einzuschlafen. Schafft es Ihr Hund nicht, sich von allein wieder zu beruhigen, hilft ihm beim "Runterkommen" etwas zu kauen, zum Beispiel ein Stück Kaffeebaumholz. Kauen beruhigt und wird ihm helfen, sich zu entspannen. Auch in einer solchen Situation ist es für Sie wichtig, stets die Nerven zu behalten und ruhig, aber bestimmt zu agieren.

Was können HundehalterInnen tun, damit Welpen das auf Dauer in den Griff kriegen?

Von ihnen wird ein Verhalten eingefordert, das für die Hundeerziehung häufig von elementarer Bedeutung ist, aber viele HundehalterInnen leider nicht auf dem Schirm haben: Entziehen Sie sich dem Welpen! Statt auf ihn einzuwirken, lassen Sie ihn in Ruhe und geben ihm Raum, seine Selbstregulierung zu trainieren. Wenn Ihr Welpe in einen so ekstatischen Zustand wie die "dollen fünf Minuten" gerät, können Sie dem mit der Taktik der "aktiven Ignoranz" begegnen. Denn ein Verhalten, das dem Welpen keinen Erfolg bringt, wird früher oder später eingestellt.

Was bedeutet denn nun "aktives Ignorieren"? In diesen Momenten bekommt der Welpe absolut keine Aufmerksamkeit mehr von Ihnen. Sie dürfen Ihren Kleinen weder ansprechen noch anschauen, ja, ihm noch nicht einmal den Körper zuwenden. Sie wenden sich eher ab und signalisieren körpersprachlich jetzt, dass Sie keinerlei Kontakt wünschen. Sie können auch kurzzeitig den Raum verlassen. Wenn Sie für Ihren Hund ständig verfügbar sind, werden Sie unter Umständen uninteressant. Er bekommt alles, was er möchte, lebt in einer grenzenlosen Welt, die einem sozialen Wesen niemals gut tut.

Und: Ihr Verhalten dem Hund gegenüber innerhalb Ihrer vier Wände steuert maßgeblich sein Verhalten draußen. Auch deshalb ist "aktives Ignorieren" so wertvoll.

→ Mehr über die Hundeschule von André Vogt erfahren Sie hier.

André Vogt ist regelmäßig in der Sendung "Der Welpentrainer" auf Sixx zu sehen.

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