Aktualisiert: 06.07.2021 - 21:29

Die Tierexpertin antwortet Kennzeichnungs- und Registrierungspflicht für Hunde & Katzen: Warum ist sie dringend nötig?

Noch gibt es keine Kennzeichnungs- und Registrierungspflicht für Hunde und Katzen.  Dabei ist das Chippen für die Tiere überhaupt nicht schlimm und hat viele Vorteile. Welche, erläutert eine Expertin.

Foto: Getty Images / DjelicS

Noch gibt es keine Kennzeichnungs- und Registrierungspflicht für Hunde und Katzen. Dabei ist das Chippen für die Tiere überhaupt nicht schlimm und hat viele Vorteile. Welche, erläutert eine Expertin.

Deutschland hat immer noch keine Kennzeichnungs- und Registrierungspflicht für Hunde und Katzen eingeführt. Warum sie dringend nötig wäre, erklärt eine Tierexpertin im Interview mit BILD der FRAU.

Dänemark hat sie bereits 1993 eingeführt, Frankreich, Italien und zahlreiche weitere EU-Mitgliedstaaten ebenfalls schon längst: eine Kennzeichnungs- und Registrierungspflicht für Hunde und zum Teil auch Katzen. In Deutschland ist das bis heute noch nicht erfolgt, obwohl Fachleute das schon jahrelang von der Politik fordern.

Dabei wäre sie so dringend nötig – doch warum eigentlich? BILD der FRAU hat bei einer Expertin nachgefragt, warum Hunde und Katzen von einer Kennzeichnungs- und Registrierungspflicht profitieren würden, was dadurch verhindert würde – und was auf HalterInnen dadurch zukäme.

Warum eine Kennzeichnungs- und Registrierungspflicht für Hunde und Katzen dringend notwendig ist

Daniela Schneider ist Kampagnenverantwortliche für Heimtiere bei Vier Pfoten. Mit BILD der FRAU spricht sie über das Thema.

BILD der FRAU: Was für Vorteile hätte die Pflicht zur Kennzeichnung und Registrierung (K&R) für Hunde und Katzen?

Daniela Schneider: Es gibt viele verschiedene Vorteile. Einige sind:

  • Tierschutz und Entlastung für Tierheime

Eine verpflichtende Rückverfolgungsmöglichkeit wird die Zahl der Zusammenführungen vermisster Tiere und deren HalterInnen deutlich erhöhen. Sie wird den für die Fundtiere belastenden Transport und den Aufenthalt im Tierheim reduzieren. Mit einer bundeseinheitlichen Kennzeichnung und Registrierung werden HalterInnen, die ein Tier aussetzen, misshandeln oder verletzen, rasch auffindbar sein, was Präventivwirkung entfaltet und dadurch zur Reduzierung von ausgesetzten Tieren führt. Die erhöhte direkte Rückführung der Fundtiere wird Tierheime erheblich entlasten, die ihre Kapazitäten für weitere schutzbedürftige Tiere einsetzen können.

  • Tiergesundheit

Hat ein Hund eine übertragbare Krankheit, beispielsweise Parvovirose bei einem Welpen zweifelhafter Herkunft oder Tollwut bei einem aus Südosteuropa stammenden Welpen, kann er im Falle einer bundesweiten Kennzeichnung und Registrierung zuverlässig als Quelle des Ausbruchs der Krankheit zurückverfolgt werden – so wird das Ansteckungsrisiko für andere Hunde gebannt. Für Straßenkatzen gilt dies ebenfalls, die ansteckenden Katzenkrankheiten werden reduziert. Ein zweiter, indirekter Effekt ist, dass bei verpflichtender K&R jeder Hund und jede Katze bei der Tierärztin/dem Tierarzt gekennzeichnet werden muss, sodass als ein Nebeneffekt die veterinärmedizinisch notwendige Grundversorgung und damit die Gesundheit der Tiere insgesamt verbessert wird.

  • Öffentliche Gesundheit

Durch verbesserte Kontrolle von Hund und Halter können Beißvorfälle aufgeklärt, gegebenenfalls sanktioniert und auf Dauer vermindert werden. Auf Menschen übertragbare Krankheiten von Hunden und Katzen, sogenannte Zoonosen, werden durch systematische veterinärmedizinische Vorsorge, die mit der K&R verbunden ist, reduziert. Hierzu gehören auch die Impfungen.

  • Illegaler Welpenhandel und Verbraucherschutz

Die obligatorische K&R hilft KaufinteressentInnen und KäuferInnen, die Herkunft ihres Tieres bei einem Verkaufsangebot festzustellen, und ist daher auch eine fundamentale und nachhaltige Maßnahme zur Bekämpfung des illegalen Welpenhandels. VerbraucherInnen werden so davor geschützt, kranke Tiere zu kaufen, die hohe Tierarztkosten mit sich bringen können, und unbewusst den grausamen Tierhandel zu unterstützen.

  • Wirtschaftlichkeit und Einsparungen für Tierheime

Kommunen können jährlich Millionenbeträge einsparen, weil die Tierheime der öffentlichen Hand bei einer unmittelbaren Rückführung der Hunde und Katzen weniger in Anspruch genommen werden müssen. Bundesländer sparen es sich, eigene teure Register aufzubauen und zu betreiben, da sie im Registerverbund einen speziellen Service in Anspruch nehmen können.

  • Rechtssicherheit und Vollzug

Da sämtliche HalterInnen die Zugehörigkeit zu ihrem Hund und ihrer Katze dokumentieren müssen, können sie zuverlässig für Schäden, die ihr Haustier verursacht hat, zur Rechenschaft gezogen werden. Umgekehrt können HalterInnen, die ihr Tier vernachlässigen, misshandeln oder aussetzen, unverzüglich der Rechtsverfolgung zugeführt werden. Diese Transparenz wird mittelfristig präventiv zugunsten einer verbesserten Tierhaltung wirken.

Wie kann eine K+R den illegalen Welpenhandel einschränken?

Durch eine verpflichtende Rückverfolgbarkeit der HändlerInnen kann der illegale Welpenhandel erheblich eingedämmt werden, da die zuständigen Behörden die Herkunft der Tiere zurückverfolgen und skrupellose WelpenhändlerInnen identifizieren könnten.

Mehraufwand? Hätte die Durchsetzung nicht wirklich zur Folge

In vielen (EU-)Ländern gibt es diese Regelung schon. Warum noch nicht in Deutschland?

Die Regierung bzw. das zuständige Bundesministerium (Ernährung und Landwirtschaft) hat in den vergangenen Jahren immer wieder verschiedene Gründe vorgebracht, warum eine K+R nicht umgesetzt wird. Diese sind aus Tierschutzsicht nicht nachvollziehbar und lassen sich leicht entkräften.

  • Die Überwachung der Pflicht zur K&R sei ein zusätzlicher Aufwand für Vollzugsbehörden (u.a. Ordnungsamt)

Die erste Anlaufstelle ist die Tierärztin/der Tierarzt, wo das Tier beim ersten Besuch direkt gechippt wird. Es gibt bereits welche, die das Registrieren in einer der Datenbanken direkt vor Ort übernehmen. Auch HalterInnen hätten insofern keinen Mehraufwand. Bei jedem Besuch in der Praxis wird der Chip kontrolliert, sodass die Zugehörigkeit von HalterInnen und Chip regelmäßig sichergestellt wird. Das Ordnungsamt hat insofern keinen Mehraufwand, sondern erst, wenn ein konkreter Verdachtsfall vorliegt.

  • Es gäbe einen erheblichen Verwaltungsaufwand und ein hohes Datenvolumen bei 9 Mio. Hunden und 14 Mio. Katzen

Bei der spendenfinanzierten Organisation Tasso sind insgesamt 9,3 Mio. Tiere registriert. Die technische Umsetzung stellt dabei kein Problem dar. Zudem gibt es die Möglichkeit, eine Datenbank von staatlicher Seite zu beleihen und auf eine bestehende Datenbank aufzusetzen. Ebenso gibt es das Modell vom Netzwerk K+R, das mithilfe einer Schnittstelle auf alle bestehenden Register zugreifen und die Daten abfragen könnte (alles datenschutzkonform natürlich).

Welche Hürden gibt es?

Der politische Unwille auf Bundesebene ist wohl die größte Hürde. Technisch ist eine bundesweite K+R realisierbar, die Bereitschaft der Menschen ist ebenfalls vorhanden. Eine Vier Pfoten-Umfrage aus dem Jahr 2020 bestätigt das: 91 Prozent der Befragten gaben an, dass sie sich in ein Register eintragen würden, um so den illegalen Welpenhandel zu beenden.

Was käme auf HaustierhalterInnen zu (Kosten, Termine...)?

Insgesamt ist mit Kosten in Höhe von etwa 50 Euro für das Chippen und die Registrierung zu rechnen. Die Registrierung in Niedersachsen kostet zum Beispiel 14,50 Euro (zuz. MwSt.) für eine Online-Registrierung und 23,50 Euro für eine telefonische bzw. schriftliche Anmeldung. Vor dem Hintergrund der Vorteile sind diese Kosten unser Meinung nach vertretbar. Abgesehen von den Kosten hält sich der Aufwand für HalterInnen in Grenzen: Der Chip kann beispielsweise von der Tierärztin/dem Tierarzt am gleichen Termin gesetzt werden, an dem auch Impfungen beim Tier gemacht werden.

Vier Pfoten ist die globale Tierschutzorganisation für Tiere unter direktem menschlichem Einfluss, die Missstände erkennt, Tiere in Not rettet und sie beschützt. Im Fokus stehen Streunerhunde und -katzen sowie Heim-, Nutz- und Wildtiere aus nicht artgemäßer Haltung sowie aus Katastrophen- und Konfliktzonen.

Weitere Informationen zum Thema K&R hält Vier Pfoten ebenfalls bereit.

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