Aktualisiert: 20.05.2021 - 22:26

Die Tierexpertin antwortet Warum ist es wichtig, auch Tieren aus dem Ausland eine Chance zu geben?

Jana Hoger von PETA kennt die Situation von Hunden und Katzen speziell in Rumänien – hier im Tierheim Mioveni. Wir haben die Expertin gefragt, warum diese Tiere aus dem Ausland ganz besonders eine Chance verdienen.

Foto: PETA

Jana Hoger von PETA kennt die Situation von Hunden und Katzen speziell in Rumänien – hier im Tierheim Mioveni. Wir haben die Expertin gefragt, warum diese Tiere aus dem Ausland ganz besonders eine Chance verdienen.

Mit Tieren gut umzugehen, ist nicht so einfach, wenn man wirklich alles richtig machen will. Tierexpert*innen haben die Antwort auf wichtige Fragen rund um das Thema. Heute: Warum unbedingt auch Tiere aus dem Ausland adoptiert werden sollten.

Für den Tierschutz kann gar nicht genug getan werden, das wissen wir. Im weltweiten Vergleich steht Deutschland zwar ganz gut da – doch in Rumänien und vielen anderen Ländern leben viele Tiere unter entsetzlichen Umständen. Das traurige Dasein Tausender Hunde und Katzen dort sollte uns auch nicht gleichgültig sein.

Tiere sind Lebewesen, denen es gut gehen soll – da sind sich wohl alle einig. Doch mit der Tierliebe ist das so eine Sache: Manche nehmen es mit Regeln nicht immer so genau, andere wiederum meinen es gut, machen aber im Umgang mit Hund, Katze und Co nicht alles richtig. Gut beraten ist da, wer an der richtigen Stelle nachhakt, um Fehler zu vermeiden. BILD der FRAU übernimmt das für Sie und stellt Expert*innen wichtige Fragen rund ums Haustier. Heute: Warum es so wichtig ist, auch Tiere aus dem Ausland zu adoptieren.

Warum sollten auch Tiere aus dem Ausland adoptiert werden? Eine Expertin antwortet

Gibt es denn in Ländern wie etwa Rumänien keine Tierheime? Schon, sagt Jana Hoger, Expertin für tierische Mitbewohner bei der Tierrechtsorganisation PETA Deutschland. Dabei dürfe man allerdings nicht einmal annähernd an unsere Tierheime denken: "Für viele der dort untergebrachten Hunde beginnt dann ein Kampf ums Überleben. Sie werden in kleinen Zwingern eingesperrt, inmitten vieler Artgenossen, bekommen nicht ausreichend Nahrung und haben kein geschütztes Plätzchen, um sich zurückzuziehen." Mit BILD der FRAU spricht die Tierschützerin über Hunde und Katzen, die ein schlimmes Dasein fristen müssen – und wie wir ihnen helfen können.

BILD der FRAU: Warum ist es wichtig, auch Tieren aus dem Ausland eine Chance auf ein Zuhause zu schenken?

Jana Hoger: Tiere auf der ganzen Welt erfahren Tag für Tag massives Leid. In vielen Ländern werden Hunde auf den Straßen von städtischen Hundefängern eingefangen, daraufhin in private Einrichtungen und "Tierheime" gebracht. Mit unseren Tierheimen hier in Deutschland haben diese jedoch nichts gemeinsam. Ein Großteil dieser Hunde wird nach einer Frist von meist 14 Tagen getötet. Viele überleben unter diesen Bedingungen nur wenige Tage und sterben vor der eigentlichen Frist an Beißvorfällen oder aufgrund von Unterversorgung.

Einige Tierschutzvereine haben es sich zur Aufgabe gemacht, Hunde und auch Katzen aus solchen grauenvollen Einrichtungen vor dem Tod zu retten und für sie ein wundervolles, neues Zuhause zu finden. So warten Tausende Hunde und Katzen darauf, Menschen zu finden, die ihnen eine gute Zukunft bieten. Das ist eine gute Sache, wenn die Vermittlung und die Adoption dieser Vierbeiner auf seriöse Art und Weise erfolgen, beseitigt jedoch nicht die Ursache des Leids. Ganz besonders wichtig sind daher Kastrationsprojekte, Bildungskampagnen und politische Arbeit in den jeweiligen Ländern. Nur so kann ein ethisches "stray-dog-management" umgesetzt werden.

Wie ist die Situation für die Tiere in Rumänien und Co?

Millionen Hunde und Katzen Leiden in vielen Ländern der Erde. In Rumänien beispielsweise leben mehr als 600.000 Hunde auf den Straßen. Sie bekommen keine medizinische Versorgung, sind täglichem Hunger und den Gefahren der Straßen sowie den städtischen Hundefängern ausgesetzt. Tausende von ihnen landen Jahr für Jahr in grauenvollen Tötungsstationen. Aber auch die Hunde mit einem Zuhause – das sind etwa sechs Millionen Vierbeiner in Privathand – fristen oft ein trauriges Dasein: Meist werden sie an kurzen Ketten in den Gärten der Menschen gehalten, oft ohne ausreichende Versorgung und ohne Schutz vor Wind und Wetter.

Das Leid dieser Tiere hat uns von PETA dazu bewegt, unser karitatives Tierschutzprojekt "PETA helps Romania" zu gründen. Wir setzen uns vor Ort gegen die Not der Tiere ein und machen uns für ein Umdenken in der Gesellschaft stark. Mehr als 8.000 Lebewesen helfen wir Jahr für Jahr mit unserer mobilen Kastrationskampagne. Durch die karitative Hilfe, die Bildungsarbeit und politische Arbeit können wir das System in Rumänien auf lange Sicht verändern – dadurch haben die Tiere eine Chance auf eine bessere Zukunft.

Bitte keine Tiere "bestellen", ohne sie vorher kennengelernt zu haben

Was muss ich bei der Adoption aus dem Ausland beachten?

Wenn Hunde im Internet bestellt oder aus dem unseriösen "Auslandstierschutz" bezogen werden, kommt es nicht selten zu Dramen. Denn oftmals entscheiden sich Menschen für ein Tier, weil es im Internet "nett" aussah oder die Beschreibung so herzzerreißend war. Tierschutzvereine, Hundetrainer und Tierheime sind in diesen Fällen häufig mit verzweifelten und enttäuschten TierhalterInnen konfrontiert, weil der Hund vom Foto im Internet plötzlich doch nicht so unkompliziert und freundlich ist, wie ursprünglich angenommen. Um auf Nummer sicher zu gehen, empfehlen wir allen Menschen, die einem Tier aus dem Auslandstierschutz ein Zuhause schenken wollen, den Weg über lokale Tierheime und Tierschutzvereine, die häufig mit ausländischen Tierschutzvereinen arbeiten. Viele Tierschutzvereine vermitteln ihre geretteten Vierbeiner aus dem Ausland über Partnertierheime und Pflegestellen hier in Deutschland – ein sicheres Zeichen für Seriosität.

Dort können Mensch und Tier sich in Ruhe kennenlernen, TierheimmitarbeiterInnen beantworten Fragen – und durch gemeinsam verbrachte Zeit können Mensch und Tier sichergehen, dass die Chemie zwischen beiden Parteien stimmt. Dann steht auch einer Adoption eines Vierbeiners aus dem Ausland nichts mehr im Wege. Und ein Mensch verändert für solch ein Tier, welches zuvor vielleicht noch in Todesangst und völlig verzweifelt in einem Zwinger saß, die ganze Welt.

Kann ich meinen Hund (meine Katze) auch vor Ort abholen? Wenn nicht: Was mache ich, wenn wir nicht miteinander zurechtkommen?

Einen Vierbeiner direkt aus dem Urlaub mitzunehmen, ist meistens nicht möglich – es sei denn, man wartet die entsprechende Quarantänezeit ab. Denn ein Hund und auch eine Katze darf nicht ohne ausreichenden Tollwutschutz und nicht vor der 15. Lebenswoche nach Deutschland gebracht werden. Nach der Impfung gegen Tollwut muss der Tollwutschutz 21 Tage wirken, erst dann darf der gerettete Vierbeiner mit einem Microchip und einem EU-Heimtierausweis – dieser ähnelt unserem Personalausweis – über die Landesgrenze reisen. Um sicherzugehen, dass die Chemie zwischen Mensch und Tier stimmt, raten wir immer, den Vierbeiner in einem Tierheim oder auf einer lokalen Pflegestelle kennenzulernen. So beginnt eine großartige, gemeinsame Zukunft!

PETA Deutschland e.V. ist Deutschlands größte Tierrechtsorganisation. Ihr Ziel ist es, jedem Tier zu einem besseren Leben zu verhelfen. Um das zu erreichen, setzt PETA sich für die Aufdeckung von Tierquälerei, die Aufklärung der Öffentlichkeit und die Vermittlung einer achtsamen und respektvollen Lebensweise ein.

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Sich um ein Tier zu kümmern, ist eine verantwortungsvolle Aufgabe. Wer sich das zutraut, muss schon einiges an Zeit und Aufwand investieren. Aber es lohnt sich – denn ein Haustier gibt einem so viel zurück! Auf unserer Themenseite finden Sie jede Menge Tipps und Tricks, Geschichten und Ratgeber dazu.

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