Aktualisiert: 16.05.2021 - 21:10

Wildnis im Wohnzimmer Unsere besten TierfilmerInnen Teil 2: Andreas Kieling

Von Erika Krüger

Tierfilmer Andreas Kieling verrät im Interview mit BILD der FRAU, weshalb Deutschlands Natur die Nationalparks in Nordamerika um Längen schlägt.

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Tierfilmer Andreas Kieling verrät im Interview mit BILD der FRAU, weshalb Deutschlands Natur die Nationalparks in Nordamerika um Längen schlägt.

Tierfilmer Andreas Kieling erzählt im Interview mit BILD der FRAU von traumhaften Naturschätzen, die es unbedingt zu retten gilt.

Tierdokumentationen im TV sind beliebt wie nie. Und sie sind wichtig wie nie! Weil sie uns zeigen, was es JETZT zu schützen gilt. Im zweiten Teil von "Unsere besten Tierfilmer" erzählt Andreas Kieling von seiner Liebe zu Braunbären und der Arbeit als Tierfilmer.

Seit 1991 ist Andreas Kieling als Dokumentarfilmer für ZDF, ARD, National Geographic, BBC und Discovery Channel unterwegs. Als erstem Tierfilmer der Welt gelangen ihm Unterwasseraufnahmen von einem tauchenden Grizzly. Es dauerte vier Monate, bis er den wilden Bären an sich gewöhnt hatte, um mit ihm tauchen zu können.

Tierfilmer Andreas Kieling im Interview

BILD der FRAU: Herr Kieling, der Klimawandel bedroht viele Tiere. Welches Schicksal geht Ihnen besonders nah?

Andreas Kieling: Das sind viele. In einigen Schutzgebieten entwickelt sich was zum Guten. Aber außerhalb dieser Schutzgebiete sieht es ziemlich düster aus. Der größte Störfaktor ist der Mensch: Er wird genau dort immer präsenter, wo viele Tier -und Pflanzenarten ihren Lebensraum verlieren.

Im ersten Teil Ihrer neuen Dokumentation zeigen Sie, dass sich ein Exot wie der Halsbandsittich bei uns am Rhein angesiedelt hat. Einige Arten finden also auch neuen Lebensraum, oder?

Andreas Kieling: Ehrlich gesagt ist das Beispiel eine Katastrophe für unsere heimischen Vögel. Irgendwann sind diese Sittiche mal aus Volieren ausgebrochen. Und nun verdrängen sie womöglich heimische Arten.

Keine Hoffnung?

Andreas Kieling: Doch, natürlich möchte ich mit meinen Filmen auch Hoffnung schenken. Wir haben immer noch traumhafte Naturschätze, die wir unbedingt beschützen müssen. Trotzdem ist es leider so, dass Arten, die noch vor 100 Jahren flächendeckend vorkamen, heute bedroht sind. Für viele Großtiere ist auf diesem Planeten kaum noch Platz.

Woher kommt Ihre Tierliebe?

Andreas Kieling: Die hat sich schon im Kindergartenalter entwickelt. Da habe ich bei uns im thüringischen Wald einen Ameisenhaufen und eine Waldeidechse beobachtet. Danach schleppte ich alle möglichen Käfer in Gurkengläsern mit in die Schule. Die Nähe zu Tieren, sie besser verstehen zu wollen – das ist eine tiefe Sehnsucht in mir.

Sie haben auch mit ihren Söhnen Thore und Erik weite Reisen unternommen. Sollten Kinder mehr raus in die Natur?

Andreas Kieling: Unbedingt. Ich würde auch allen jungen Menschen raten, dass sie sich einer Naturschutzgruppe im Heimatort anschließen. Wenn ich mich für den verwilderten Garten meiner Oma interessiere oder die Wiese hinterm Haus, dann bin ich auf dem richtigen Weg. Es muss sich nicht jeder an einen Schornstein ketten.

Sie waren an den exotischsten Orten der Welt. Finden Sie Deutschland nicht langweilig?

Andreas Kieling: Überhaupt nicht. Von der Biodiversität her schlagen wir den Yellowstone-Nationalpark in Nordamerika um Längen. Wir liegen hier klimatisch sehr günstig, darum leben so viele Vögel, Insekten, Amphibien und Säugetiere bei uns. Die Artenvielfalt in Deutschland ist beeindruckend. Ich kann nur raten, auf Spaziergängen auch mal ein Fernglas mitzunehmen. Auch so entsteht Interesse und Neugier.

"Bären sind so faszinierend, ich verdanke ihnen viel"

Haben Sie ein Lieblingstier?

Andreas Kieling: Den Braunbär. Dem habe ich viel zu verdanken. Wir würden jetzt nicht miteinander sprechen, wenn ich nicht über 20 Jahre lang in Alaska meine Filme über die Bären gedreht hätte, die haben mich bekannt gemacht. Diese Bären sind so faszinierend! Auch in Slowenien durfte ich sie beobachten, dort leben 1000 Braunbären in den Wäldern. Keiner regt sich darüber auf. Weil die Menschen dort nie verlernt haben, dass diese Tiere in der Nähe dazugehören.

Sie erklären, dass wir auch den Wolf tolerieren müssen, als Teil des Ökosystems. Viele Menschen haben Angst vor ihm.

Andreas Kieling: Ja, wir werden vermutlich auch die Krise kriegen, wenn in unserem Mittelgebirge der erste Bär auftaucht. Wir wollen nur die harmlosen, niedlichen Tiere haben – und die anderen nur hinterm Wassergraben im Zoo. Wir schreiben der Natur vor, wer bei uns leben darf. Sehr schade.

Wo sind Sie glücklich?

Andreas Kieling: An Orten, an denen ich das Gefühl habe, ich bin Teil der Natur. Ich liebe Alaska, die Namib-Wüste in Afrika und das Outback in Australien. Dort spüre ich Freiheit.

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Lesen Sie hier Unsere besten TierfilmerInnen, Teil 1: Christina Karliczek Skoglund.

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