Aktualisiert: 09.05.2021 - 20:34

Wildnis im Wohnzimmer Unsere besten TierfilmerInnen, Teil 1: Christina Karliczek Skoglund

Von Erika Krüger

Christina Karliczek Skoglund verrät im Interview mit BILD der FRAU, wie es als Frau in der männerdominierten Welt des Tierfilms aussieht.

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Christina Karliczek Skoglund verrät im Interview mit BILD der FRAU, wie es als Frau in der männerdominierten Welt des Tierfilms aussieht.

Tierfilmerin Christina Karliczek Skoglund erzählt im Interview mit BILD der FRAU von Gänsehautmomenten während der Dreharbeiten zu einer Unterwasserdokumentation.

Tierdokumentationen im TV sind beliebt wie nie. Und sie sind wichtig wie nie! Weil sie uns zeigen, was es JETZT zu schützen gilt. Im ersten Teil von "Unsere besten TierfilmerInnen" erzählt Christina Karliczek Skoglund von ihren Erfahrungen als Tierfilmerin.

Christina Karliczek Skoglund ist einer der wenigen Kamerafrauen im Genre Tierfilm, dreht u. a. für die NDR-Sendung "Expeditionen ins Tierreich" und internationale Produktionen mit BBC sowie National Geographic. 2005 spezialisierte sie sich auf die Unterwasserkamera. 2008 beobachtete sie drei Jahre lang in Zentralafrika eine Gruppe von Flachlandgorillas.

Tierfilmerin Christina Karliczek Skoglund im Interview

BILD der FRAU: Liebe Frau Karliczek Skoglund, waren Sie schon als Kind verrückt nach dem Meer?

Christina Karliczek Skoglund: Ja! Ich war immer draußen an der Nordsee, habe Krebse und kleine Plattfische gefangen. Mit zehn Jahren bin ich dann zum ersten Mal mit Flossen im Mittelmeer geschnorchelt. Das war fantastisch. Man konnte viel mehr sehen!

Die Tierfilmerei ist eine Männerdomäne. Hatten Sie Akzeptanzprobleme?

Karliczek Skoglund: Manchmal musste ich mir komische Sprüche anhören. Und klar kostet das Energie, wenn man extra beweisen muss, dass man die Arbeit genauso gut wie ein Mann machen kann. Exzellente Teamfähigkeit ist aber besonders in meiner Branche Gold wert – und das Ergebnis, das ich nach Hause bringe.

Sie tauchen ab zu Tieren, die nicht allzu beliebt sind. Was reizt sie an Haien?

Karliczek Skoglund: Haie überleben seit Jahrmillionen. Ihre Strategien sind so ausgeklügelt und effizient – das finde ich unglaublich beeindruckend. Außerdem spielen sie eine wichtige Rolle im Ökosystem. Sie räumen das Meer auf.

Haben Sie nie Angst?

Karliczek Skoglund: Ich bin vorsichtig. Und Haie sind keine menschenfressenden Maschinen, sondern selbst Opfer: Jedes Jahr sterben über 100 Millionen von ihnen durch Überfischung der Meere, als Beifang. Ihre Zahl hat sich seit den 70er-Jahren um 70 Prozent verringert. 2020 starben weltweit zwölf Menschen durch Hai-Angriffe.

Trotzdem wirken sie ein bisschen unheimlich.

Karliczek Skoglund: Jede Begegnung mit einem Hai ist spannend und sehr besonders! Was mir aber mehr Angst macht, ist die Verschmutzung der Meere durch Menschen. Ich habe an den schönsten Stränden der Welt Babyschildkröten gefilmt. Doch diese Strände sind von Jahr zu Jahr dreckiger. Darum drehe ich weiter, ich will zeigen, worum's geht.

"Es war einer der magischsten Momente in meinem Leben!"

Zuletzt haben Sie drei Jahre lang den ziemlich unbekannten Eishai gefilmt. Warum?

Karliczek Skoglund: Dieser besondere Hai kann bis zu 500 Jahre alt werden, ist das nicht Wahnsinn? Man wusste bisher wenig über ihn. Als ich dann endlich neben dem Eishai schwamm, war ich zutiefst berührt. Es war einer der magischsten Momente in meinem Leben! Ähnlich ging es mir, als ich den Laternenhai filmen konnte. Herzklopfen! Dieser Hai kann sozusagen an seinem Bauch winzige Lampen anschalten. Das haben noch nicht viele Menschen auf dieser Welt gesehen.

Hatten Sie mehr Gänsehautmomente, von denen Sie erzählen können?

Karliczek Skoglund: Ach, so viele! Als ich ganz nah an einer Gorilla-Mutter und ihrem Baby sein konnte und Zeugin eines unglaublich innigen Familienbündnisses wurde. Oder als ich sah, wie zärtlich eine Seehundmama ihr Junges mit der Flosse streichelt. Aber ich habe auch einen Baby-Hai gefilmt und war sofort verliebt in den kleinen Kämpfer.

Schadet der Klimawandel auch dem Hai?

Karliczek Skoglund: Natürlich. Besonders die Lebewesen in der arktischen Unterwasserwelt reagieren empfindlich auf Klima-Schwankungen. Wir müssen die Lebensräume dieser Tiere endlich schützen. Wenn unsere Kinder die Tiere, die sie heute auf ihrem T-Shirt tragen, noch mal live sehen sollen, dann müssen wir uns jetzt richtig ranhalten.

Was kann jeder Einzelne tun?

Karliczek Skoglund: Jeder, der Fisch essen möchte, sollte ihn aus nachhaltigem Fischfang kaufen. Haifleisch wie Schillerlocken vermeiden. Möglichst klimaneutral leben. Und bitte keine Kosmetikprodukte benutzen, in denen der tierische Inhaltsstoff "Squalen" enthalten ist. Diese Substanz wird aus Hai-Öl hergestellt.

Welchen Traum möchten Sie sich als nächsten erfüllen?

Karliczek Skoglund: (Lacht.) Mehr Hai-Filme! Und weiter im Eis filmen. Nirgends ist das Licht magischer.

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