Aktualisiert: 19.04.2021 - 22:26

Findelkind in Not Bloß keine Milch geben! So helfen Sie verwaisten Baby-Eichhörnchen richtig

Von Franziska Wohlfarth

Verletzte oder verlorene Eichhörnchenbabys brauchen dringend Ihre Hilfe!

Foto: Getty Images/Lori O'neill/EyeEm

Verletzte oder verlorene Eichhörnchenbabys brauchen dringend Ihre Hilfe!

Verwaiste oder verletzte Eichhörnchen-Babys sind auf ihre Hilfe angewiesen. Oft gehen die verängstigen Jungtiere direkt auf den Menschen zu. Diese Schritte sollten Sie in solch einer Situation befolgen!

Zwischen Frühjahr und Sommer ist Paarungszeit bei den Eichhörnchen. Autofahrer:innen sollten in diesem Zeitraum ganz besonders gut auf die Straße acht geben – denn leider kommt es nicht selten vor, dass sich die flotten Nager über die Straße jagen und dabei von Verkehrsfahrzeugen übersehen werden. Zurück bleiben die verängstigen Jungtiere. Wir verraten Ihnen, wie Sie sich zu verhalten haben, wenn Sie ein verweistes Eichhörnchenbaby finden.

Eichhörnchen-Baby gefunden: Das gilt es zu beachten

Wenn ein Tier Ihre Hilfe braucht, dann wird es Ihnen in den meisten Fällen hinterherlaufen oder sogar am Hosenbein hochklettern. In Deutschland ist bisher kein einziger Fall von Tollwut bei Eichhörnchen bekannt. Und auch der Menschengeruch steht einer möglichen Rückführung mit dem Muttertier nicht im Wege – Sie können das Findelkind also ruhig auf die Hand nehmen. Aber Vorsicht bei großen Tieren: Wenn erwachsene Eichhörnchen aufgrund einer Verletzung nicht mehr fliehen können, verteidigen sie sich häufig mit ihren scharfen Schneidezähnen. Hier empfiehlt sich also das Tragen eines Schutzhandschuhs.

Oft ist das Eichhörnchen-Jungtier durch Wind oder Krabbelversuche aus dem Nest gefallen. In solch einem Fall wird es von der Mutter meist zurückgeholt. Beobachten Sie das Findelkind, schützen Sie es vor möglichen Fressfeinden und halten Sie Ausschau nach der womöglich aufgeregten Mutter. Suchen Sie bei der Fundstelle außerdem unbedingt nach weiteren Findelkindern.

Mutter kommt nicht zurück – was jetzt?

Die Mutter kommt erfahrungsgemäß nicht zu dem Jungtier zurück, wenn es bereits stark unterkühlt oder verletzt ist. Informieren Sie in dem Fall umgehend den Eichhörnchen-Notruf! Sie erreichen das bundesweite Servicetelefon täglich – auch an Wochenenden und Feiertagen – von 10:00 bis 12:00 Uhr und 17:00 bis 19:00 Uhr unter der Rufnummer 0700-200 200 12. Die Expert:innen können einschätzen, ob das Tier gegebenenfalls zu einem Tierarzt oder einer Aufzuchtstation gebracht werden muss.

Wenn keine absehbare Hilfe naht und Sie das Tier mitnehmen müssen, ist es wichtig das Findelkind warm zu halten! Wenn es kälter als ihre Handfläche ist, braucht es dringend eine Wärmequelle. Wärmflaschen, Körnerkissen, Decken und T-Shirts können Abhilfe verschaffen – aber bitte langsam vorgehen. Achten Sie darauf, dass das Eichhörnchenbaby gewärmt wird, sich jedoch auch entfernen kann, falls es ihm zu heiß wird. Über den Zeitraum von etwa zwei Stunden muss das Tier langsam auf Körpertemperatur aufgewärmt werden.

Bloß keine Milch geben!

Wenn Sie nach mindestens fünf Stunden kein:e Expert:in erreicht haben, können Sie anfangen den Flüssigkeitshaushalt des Tieres vorsichtig zu normalisieren. Greifen Sie hierbei auf keinen Fall zu Milch: Durch die einsetzende Verdauung wird das Baby noch mehr geschwächt. Besser ist es 200 ml abgekochtes Wasser oder Fencheltee mit zwei Teelöffel (Trauben-)Zucker und einer kleinen Prise Salz zu versetzen.

Geben Sie die abgekühlte Flüssigkeit in eine Spritze oder Pipette und tropfen Sie sie vorsichtig in die Backentasche oder auf die Lippen des Tieres. Wichtig ist hierbei, dass Sie auf kleine Mengen achten! Auch wenn das Baby alleine trinkt, sollten Sie in den ersten Stunden maximal 2 ml der Lösung verabreichen. Nach drei Stunden können erneut 2 ml gegeben werden.

Wenn das Eichhörnchen nicht schluckt, sollten Sie unverzüglich eine Tierklinik aufsuchen. Informieren Sie sich jedoch zuvor, ob ihr:e Tierärzt:in auch Wildtiere behandelt. Nicht jeder weiß, wie mit den empfindlichen Tieren umzugehen ist.

Urin-Stimulierung

Bis zur siebten Woche können Eichhörnchenbabys nicht selbstständig Urin ablassen. In der Natur übernimmt das Muttertier die Aufgabe der Urin-Stimulation durch Ablecken – bei einem Findelkind müssen Sie nachhelfen. Nehmen Sie hierfür ein weiches Taschentuch oder ein Stück Toilettenpapier, drehen Sie das Tier auf den Rücken und fahren Sie leicht, ohne Druck und in regelmäßigen Bewegungen über das Geschlechtsteil des Eichhörnchens.

Wiederholen Sie diese Bewegungen so oft, bis kein Urin mehr abgesetzt wird. Reinigen Sie das Tier danach mit einem leicht angefeuchteten Tuch.

Zeit zum Entspannen

Nachdem die Erstversorgung durchgeführt wurde, sollte das traumatisierte Tier nun die Möglichkeit haben sich von dem Stress zu erholen. Tragen Sie das Findelkind behutsam unter Ihrem Pullover, um ihm ein wohliges, geborgenes Gefühl zu vermitteln. Bringen Sie es an einen ruhigen Ort, wo es sich zurückziehen kann.

Achten Sie darauf, dass in näherer Umgebung keine Klettermöglichkeiten für das Eichhörchen vorhanden sind. Übermütige Jungtiere können nach dem Entspannen sehr aktiv werden und sich bei einem Kletterversuch verletzen.

Ab in die Freiheit!

Das Bundesnaturschutzgesetz besagt, dass kranke oder verletzte Tiere vorübergehend aufgenommen und gesund gepflegt werden dürfen. Sind sie wieder überlebensfähig, müssen die Tiere unverzüglich in die Natur entlassen werden. Denn obwohl die kleinen Nager putzig aussehen: Sie sind keine Haustiere!

Die Tiere sind sehr empfindlich und bereits ein kleiner Fehler kann tödliche Folge haben. Geben Sie die Babys deshalb so schnell wie möglich in professionelle Hände. Tierschutzvereine oder Wildtierauffangstationen päppel die Nager auf und bereiten sie auf das Leben in der Freiheit vor.

Der Lebensraum der Eichhörnchen verlagert sich: Viele Nager ziehen vom Land in die Stadt. Warum das so ist und worauf Sie beim Umgang mit den Tieren achten müssen.

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