Aktualisiert: 14.04.2021 - 22:29

Hunde und Katzen auf Zeit Ein Haustier zur Pflege aufnehmen? Das steckt dahinter

Warum es eine gute Idee ist, einen Hund oder eine Katze zur Pflege aufzunehmen? Wir erklären, was es mit einem Haustier auf Zeit auf sich hat.

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Warum es eine gute Idee ist, einen Hund oder eine Katze zur Pflege aufzunehmen? Wir erklären, was es mit einem Haustier auf Zeit auf sich hat.

Wussten Sie, dass Sie einen Hund oder eine Katze auch zur Pflege aufnehmen können? Was es mit einem Haustier auf Zeit auf sich hat, warum sowohl Mensch als auch Tier davon profitieren, wie das funktioniert.

Ein Haustier für immer bei sich aufnehmen? Nicht immer behagt einem dieser Gedanke – aus den unterschiedlichsten Gründen. Immerhin ist eine solche Entscheidung mit viel Verantwortung verbunden! Manchmal passt diese permanente Fürsorge nicht so richtig ins Konzept, weil zu viele Termine außer Haus das Leben bestimmen. Oder die Unsicherheit ist zu groß. Kurzum: Mitunter wäre eine zeitliche Begrenzung hilfreich.

Genau hier kommt CATDOG e.V. ins Spiel: Der Berliner Verein vermittelt Haustiere zur Pflege – wer einer Katze oder einem Hund vorübergehend eine Bleibe bieten will, bis ein finales Zuhause gefunden wurde, wird dort fündig. Das kommt nicht nur der eigenen Psyche zugute, sondern auch den Tieren, die auf diese Art leichter zu vermitteln sind. Warum das so ist, woher die Hunde und Katzen bei CATDOG e.V. kommen und wie eine solche Pflegestelle funktioniert, verrät uns die erste Vorsitzende des Vereins, Julia Spillner.

Haustiere zur Pflege aufnehmen: Warum das eine tolle Idee ist

BILD der FRAU: Liebe Frau Spillner, wie sind Sie und Ihr Verein auf die Idee mit den Pflegestellen gekommen?

Julia Spillner: Seit Beginn der Gründung von CATDOG e.V. im Jahr 2019 liegt das Augenmerk vor allem auf der Unterstützung unseres Partnertierheims in Rumänien (Helping Animals Romania). Ich kenne das Shelter nun knapp fünf Jahre, bin regelmäßig vor Ort und musste mit Erschrecken feststellen, dass es viele sehr freundliche Tiere gab, die jahrelang ungesehen blieben – und das aus den unterschiedlichsten Gründen, wie z.B. Alter, Farbe oder Größe.

Das wollten wir als Verein definitiv ändern, und so entstand die Idee, anhand von Pflegestellen den Tieren eine bessere Chance zur Vermittlung zu geben.

Warum haben die Tiere über eine Pflegestelle eine bessere Chance auf ein neues Zuhause?

Einige Interessenten, die sich bei uns für eine Adoption interessieren, sind Anfänger, haben Kinder oder bereits ein Tier bei sich zu Hause. Durch die Pflegestellen entsteht ein unverzichtbares Bindeglied zwischen unserem Partnertierheim in Rumänien und der endgültigen Vermittlung, da die Interessenten das Tier vorab hier in Deutschland bereits kennenlernen können. Wir können so außerdem die Tiere noch besser einschätzen, sehen, wie sie in konkreten Situationen reagieren und können so nach dem idealen Zuhause für die jeweiligen Bedürfnisse suchen.

Manche Pflegetiere werden übernommen, frühzeitig selten welche zurückgegeben

Wie lange bleiben die Tiere in der Regel in der Pflege?

Im Durchschnitt drei bis vier Wochen. Wir passen dies aber auch immer anhand des Tieres an. Manche Hunde kommen in ihren Pflegestellen an, und man hat das Gefühl, sie wären schon immer da gewesen. Andere wiederum brauchen einige Tage oder Wochen länger, vor allem Hunde, bis sie richtig angekommen sind.

Kommt es vor, dass Pflegemenschen ihre Schützlinge behalten?

Ja das kommt vor! Das freut uns natürlich immer für das jeweilige Tier, da es nicht noch einmal umziehen muss. Für uns fällt dadurch natürlich nur leider oft eine Pflegestelle wieder weg.

Kommt es umgekehrt auch vor, dass Pflegetiere wieder abgegeben werden?

Zum Glück nicht wirklich häufig, aber sogenannte "Rückläufer" kommen vor. Unsere Pflegestellen müssen im Vorhinein bei Interesse eine Selbstauskunft über unsere Homepage ausfüllen. Danach führen wir ein Telefonat, um mögliche Fragen oder Unklarheiten zu besprechen, und wenn all dies positiv und mit einem guten Gefühl verlaufen ist, machen wir eine Vorkontrolle zu Hause. Hier lernen sich beide Partien besser kennen, wir erklären bzw. weisen darauf hin, was wichtig für die Zeit ist, in der das Pflegetier bei der Pflegestelle ist. Soll heißen, es findet ein umfangreicher Prozess statt, in dem wir u.a. gemeinsam schauen können, welches Tier am besten zu den jeweiligen Umständen passen könnte und ob die interessierte Person geeignet ist.

Hinter die Stirn können wir natürlich keinem schauen, und so kam es schon vor, dass der Hund z.B. die erste Nacht nicht ruhig geschlafen hat und am nächsten Tag schon wieder weg sollte. Wir sind für Rückläufer gewappnet – schön ist das für das Tier natürlich trotzdem nicht. Wir sehen es aber positiv in dem Sinne, dass es für das Tier das Sprungbrett in ein neues Leben ist, wenn es erst einmal in Deutschland angekommen ist.

Wer ein Tier aufnehmen will, braucht Zeit, Geduld und Verständnis

Gibt es eine besonders nette Anekdote, die Pflege betreffend?

Ein besonderer Moment für uns war die Vermittlung von Booboo, einem zehn Jahre alten, großen, schwarzen Rüden im letzten Jahr. Er hatte wirklich all die Kriterien, die eine Vermittlung, warum auch immer, schwieriger machen. Er saß ganze sieben Jahre in unserem Partnertierheim und hatte keine einzige Anfrage.

Nach ein paar Tagen in seiner Pflegestelle, er war ein überaus freundliches und verschmustes Kerlchen, stellten wir ihn zur Vermittlung vor und waren völlig überrascht: Er bekam zehn wirklich gute Anfragen und durfte bereits nach 1,5 Wochen in sein Zuhause umziehen. Die Familie schwärmt nach wie vor von ihm und ist ganz begeistert von seiner ruhigen und liebevollen Art. Das war ein absolutes Highlight für uns!

Was sind Voraussetzungen für eine Pflegestelle?

Was uns mit am wichtigsten ist, sind Zeit, Geduld und Verständnis. Denn nur wer das mitbringt, kann vor allem in den ersten Tagen, die oft etwas holprig verlaufen, Ruhe bewahren und liebevoll auf das Tier reagieren. Generelle Tiererfahrung sollte ebenfalls vorhanden sein, was nicht gleichzeitig bedeuten muss, dass die potentielle Pflegestelle schon einen eigenen Hund oder eine eigene Katzen gehabt haben muss.

Wir sind sehr bemüht, dass Pflegestelle und Pflegetier zusammen passen. Dafür fliegt ein Teil unseres Teams regelmäßig in unser Partnertierheim, um unsere Schützlinge selbst kennenlernen und so besser einschätzen zu können.

Das Schönste für den Verein: Tiere von der Straße, die heute glücklich in Familien leben

Wurde auch schon jemand abgelehnt, auch wenn die äußeren Umstände gestimmt haben?

Da wir auch mit Auflagen des Veterinäramts arbeiten und in engem Kontakt mit diesem stehen, müssen wir immer genau abwägen und ggf. auch bei vermeintlich kleineren Zweifeln pro Tier entscheiden, das heißt im Zweifelsfall auch einmal eine Absage bei Interessenten. Die meisten Absagen werden aufgrund langer Abwesenheit der Pflegeperson erteilt. Wir sehen es als problematisch an, wenn ein Hund, also ein Rudeltier, das von Natur aus kein Einzelgänger ist, lange Zeit alleine bleiben muss.

Gibt es auch andere Tiere zur Pflege außer Hunden und Katzen?

Nein, bisher nicht. In Rumänien, wo wir hauptsächlich tätig sind, liegt das Hauptproblem bei Straßenhunden und -katzen, weswegen wir hier ansetzen.

Was war das Netteste, was Pflegemenschen zurückgemeldet haben?

Mit das Schönste sind die Bilder, die wir von den Hunden oder Katzen aus den Pflegestellen zugeschickt bekommen. Viele lebten vorher jahrelang auf der Straße oder danach noch jahrelang im Shelter. Umso schöner ist es, sie dann in den Pflegestellen aufblühen zu sehen und zu wissen, dass sie das alte Leben nun endlich voll und ganz zurücklassen können.

Außerdem haben wir inzwischen Pflegestellen, die uns nun fast seit der Gründung begleiten und überzeugt von unserer Arbeit sind. Sie schenken uns immer wieder das Vertrauen, mit ihnen gemeinsam das passende Pflegetier zu finden, und schätzen auch unsere sonstigen Bemühung, immer und zu jeder Zeit bei Fragen oder Problemen adäquat an der Seite zu stehen.

→ Der junge Berliner Tierschutzverein CATDOG e.V. will das Leid von Straßenhunden und -katzen aus Europa reduzieren. Weil viele Tiere über eine Pflegestelle eine viel bessere Chance haben, ein Zuhause zu finden, bietet der Verein diese an.

Es gibt ja alle möglichen anderen Lebewesen, die sich Menschen zu Hause halten. Sogar Affen: Sind sie als Haustiere ein absolutes No-Go? Was eine Expertin dazu sagt.

Und ist es sinnvoll, ein ein Kleintier zu verschenken? Wir haben eine Tierexpertin gefragt.

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