Aktualisiert: 08.04.2021 - 22:17

Die Tierexpertin antwortet Sind Affen als Haustiere ein absolutes No-Go?

Süß, so ein Äffchen. Aber im Käfig und als Haustier? Wir haben bei einer Expertin nach deren Meinung gefragt.

Foto: IMAGO / ITAR-TASS

Süß, so ein Äffchen. Aber im Käfig und als Haustier? Wir haben bei einer Expertin nach deren Meinung gefragt.

Mit Tieren gut umzugehen, ist nicht so einfach, wenn man wirklich alles richtig machen will. Tierexpert*innen haben die Antwort auf wichtige Fragen rund um das Thema. Heute: Immer häufiger werden Affen als Haustiere gehalten. Ist das eigentlich okay?

Deutsche mögen Haustiere. Neben Katzen, Hunden und Kleintieren halten sich manche allerdings auch Exoten im heimischen Wohnzimmer – ein regelrechter Trend ist auszumachen, was Affen in Privathaltung angeht. Tierschutzorganisationen beobachten das mit Sorge – nicht nur, weil die Haltung von seltenen und auch gefährlichen Tieren in Deutschland noch immer weitgehend unreglementiert ist...

Tiere sind Lebewesen, denen es gut gehen soll – da sind sich wohl alle einig. Doch mit der Tierliebe ist das so eine Sache: Manche nehmen es mit Regeln nicht immer so genau, andere wiederum meinen es gut, machen aber im Umgang mit Hund, Katze und Co nicht alles richtig. Gut beraten ist da, wer an der richtigen Stelle nachhakt, um Fehler zu vermeiden. BILD der FRAU übernimmt das für Sie und stellt Expert*innen wichtige Fragen rund ums Haustier. Heute: Immer mehr Menschen halten sich Affen – gute Idee oder No-Go?

Affen als Haustiere halten? Was eine Expertin dazu sagt

Ware Wildtier: Für 75 Prozent von ihnen, auf Internetportalen und Exotenbörsen angeboten, gelten keine internationalen Schutzbestimmungen, damit gibt es auch keinerlei Handelskontrollen – ein einfaches, lukratives und undurchsichtiges Geschäft, so Jana Hoger, Expertin für tierische Mitbewohner bei der Tierrechtsorganisation PETA Deutschland. Mit BILD der FRAU spricht sie über die zunehmende Affenhaltung in Deutschland – und warum die Tiere darunter leiden.

BILD der FRAU: Warum werden Affen immer häufiger gehalten?

Jana Hoger: Der Handel mit exotischen Tieren hat in den letzten Jahren immer schlimmere Ausmaße angenommen. Besonders auf Exotenportalen und in entsprechenden Gruppen in sozialen Netzwerken werden diverse Tiere, darunter auch viele Affen, angeboten: Zwischen 2010 und 2014 waren es 2400 Affen allein auf deutschen Online-Plattformen! In vielen Fällen handelt es sich um kleine Arten wie Weißbüschelaffen, Lisztaffen oder Zwergseidenäffchen, die aufgrund ihrer Größe von Menschen häufig in Wohnzimmern tierschutzwidrig gehalten werden, nicht selten sogar in Vogelkäfigen.

Affenkinder werden oftmals als Handaufzuchten verkauft und kurz nach der Geburt der Mutter entrissen, obwohl dies ein klarer Verstoß gegen das Tierschutzgesetz ist und häufig zu schweren Verhaltensstörungen und Depressionen bei den Tieren führt. Kommen die Affen dann in die Pubertät, wird die Haltung in Wohnzimmern schwierig – sie beginnen, ihr Revier zu markieren und werden nicht selten auch aggressiv gegen Menschen.

Sicherlich tragen auch die sozialen Netzwerke wie Instagram, TikTok und Facebook dazu bei, dass sich Menschen dennoch solche Exoten kaufen, denn auf den Internetportalen werben diverse Influencer mit den Tieren als 'nettes Accessoire'. Ein prominentes Beispiel war Justin Bieber, dessen 14 Wochen alter Affe bei der Einreise nach Deutschland beschlagnahmt wurde.

Warum ist es schlimmer, Affen zu halten als andere Tiere, etwa Hunde, Katzen oder Kleintiere?

Im Gegensatz zu Hunden, Katzen und vielen Kleintieren sind Affen nicht domestizierte Wildtiere, die an das Leben mit uns Menschen nicht gewöhnt sind. In privaten Wohnungen können sie niemals artgerecht gehalten werden. Die meisten Affenarten sind hochsoziale Tiere, die mit ihren Artgenossen in engen (Familien-)Verbänden zusammenleben. Diese Gemeinschaft können wir Menschen nicht ersetzen.

Noch immer werden Jahr für Jahr Tausende Wildtiere in ihren natürlichen Lebensräumen gefangen und verkauft. Nicht selten werden die Muttertiere in der Wildnis getötet, um deren Jungtiere gewinnbringend zu verkaufen – die gefangenen Jungtiere werden dann als Nachzuchten in den Handel geschmuggelt. Ein extrem grausames und skrupelloses Geschäft, welches immer in Verbindung mit großem Leid für die Affenmütter und ihre Babys steht.

Wer Affen in Wohnzimmern hält, trägt zu massivem Tierleid bei

Was müsste gewährleistet sein, um Affen eine artgerechte Unterkunft bieten zu können?

Grundsätzlich schreibt das sogenannte Säugetiergutachten von 2014 des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) zu jeder Säugetierart Mindestanforderungen an die Haltung vor – also vom Affen bis zum Zebra. So muss beispielsweise ein Weißbüschelaffe ein Innen- und Außengehege mit festgeschriebener Größe haben, er darf nur paarweise oder in Familienverbänden gehalten werden. Zudem sollen die Jungtiere so lange wie möglich bei ihren Eltern bleiben. Auch Ernährung, Temperatur und Luftfeuchtigkeit sind in den Mindestanforderungen geregelt.

Wenn das gegeben wäre: Würden Sie sich trotzdem gegen die Affenhaltung aussprechen?

Ein Affe als Haustier ist ein absolutes No-Go! Daher sprechen wir uns von PETA gegen jegliche Haltung von exotischen Tieren in Privathand aus und fordern ein Verbot der Exotenhaltung in Privathand.

Exotische Tiere wie Affen sind perfekt an das Leben in Baumkronen und tropischen Wäldern angepasst. Keine künstliche Unterkunft der Welt kann jemals die Wildnis, das Leben in festen Familienverbänden und mit Artgenossen ersetzen. Menschen tragen mit der Haltung von Affen in Wohnzimmern zu massivem Tierleid bei. Tiere sterben aufgrund von haltungsbedingten Problemen und nicht erkannten Krankheiten. Manche dieser Krankheiten können auch gefährlich für uns Menschen werden.

Die Bundesregierung muss hier dringend handeln, denn das Problem des Exotenhandels ist seit Jahren bekannt, trotzdem werden Tausende Tiere Jahr für Jahr Opfer der skrupellosen Wildtierhändler auf der ganzen Welt.

PETA Deutschland e.V. ist Deutschlands größte Tierrechtsorganisation. Ihr Ziel ist es, jedem Tier zu einem besseren Leben zu verhelfen. Um das zu erreichen, setzt PETA sich für die Aufdeckung von Tierquälerei, die Aufklärung der Öffentlichkeit und die Vermittlung einer achtsamen und respektvollen Lebensweise ein.

_______________

Im Berliner Tierheim leben jede Menge Tiere, die auf ein neues Zuhause hoffen. Wir stellen jede Woche eines vor – neulich erst war Hund Memphis, ein hübscher grauer Hirte, dabei. Auch Hund Gino ist darunter:

Eine zweite Chance für Tierheimbewohner: Terrier-Mix Gino
Eine zweite Chance für Tierheimbewohner: Terrier-Mix Gino

Ganz grundsätzlich ein Kleintier zu schenken – viele haben das mit einem Häschen zu Ostern getan: Ist das eine gute Idee? Lesen Sie mal, was eine Expertin dazu sagt.

Sich um ein Tier zu kümmern, ist eine verantwortungsvolle Aufgabe. Wer sich das zutraut, muss schon einiges an Zeit und Aufwand investieren. Aber es lohnt sich – denn ein Haustier gibt einem so viel zurück! Auf unserer Themenseite finden Sie jede Menge Tipps und Tricks, Geschichten und Ratgeber dazu.

Haustiere

Haustiere

Lustiges, Wissenswertes und News zum Thema Haustiere sehen Sie in unserer Playlist!

Beschreibung anzeigen
Eine Webseite der FUNKE Mediengruppe