Aktualisiert: 11.04.2021 - 19:50

Verheerende Buschbrände 2020 Ein Jahr später: Wie geht's den Koalas?

Die kleinen Eukalyptusfresser sind echte Herzensbrecher: Lesen Sie mal, wie es den Koalas ein Jahr nach den schlimmen Buschbränden in Australien geht.

Foto: Echidna Walkabout & Koala Clancy Foundation

Die kleinen Eukalyptusfresser sind echte Herzensbrecher: Lesen Sie mal, wie es den Koalas ein Jahr nach den schlimmen Buschbränden in Australien geht.

In Australien gilt Janine Duffy als größte Koala-Flüsterin. Seit Jahrzehnten erforscht sie diese besonderen Tiere, führt Öko-Touristen durch die Wildnis – und pflanzt jetzt mit Freiwilligen aus aller Welt Bäume: ein neues Zuhause für heimatlos gewordene Koalas!

Wir erreichen Janine Duffy am frühen Morgen per Videocall. Gerade war sie noch draußen und hat den Koalas zugehört, ihr Haus grenzt direkt an die Wildnis. "Wenn sie an ihren Eukalyptusblättern knabbern", erzählt Janine lächelnd, "klingt das ein bisschen wie zufriedenes Grunzen."

Und wie geht es ihren Schützlingen heute? Nach den Feuern, die im letzten Jahr monatelang wüteten und fast drei Milliarden Tiere auf dem Kontinent töteten? Ein Bericht über die Lage in Australien und den dort lebenden Koalas ein Jahr nach den Bränden.

So geht es den Koalas in Australien nach den Buschbränden

Janine zeigt uns Bilder: Darauf sind grüne Boxen zu sehen, die die Hügel an den Flussläufen des You-Yangs-Naturparks, etwa eine Autostunde von Melbourne entfernt, säumen. "In diesen Boxen wachsen junge Eukalyptusbäume geschützt heran", erklärt Janine. Bäume, die das Überleben der Koalas sichern sollen.

Die Australierin: "Eukalyptusbäume wachsen sehr schnell. Zum Glück! Sie sind die einzige Nahrungsgrundlage der Koalas. Und ihr Zuhause." Seit 2016 haben die Mitglieder von Janines "Koala Clancy Foundation" schon mehr als 16 000 solcher Jungbäume gepflanzt. 600 000 sollen es in den nächsten 20 Jahren noch werden. 600 000-mal Hoffnung.

Wenn Janine an die schlimmen Buschbrände denkt, die vor allem die Ostküste betrafen, wird ihre Stimme leise: "Zigtausende Koalas kamen in den Flammen um", sagt sie. "Es hat mir das Herz gebrochen. Aber wir dürfen nicht aufgeben!"

Auch die Koalas bei ihr im Süden des Kontinents sind bedroht: "Der Klimawandel zerstört die Lebensgrundlage der Tiere. Immer wieder drohen Feuer. Die andauernden Hitzewellen trocknen und hungern ihre Körper regelrecht aus." Eine konsequente Klimaschutzpolitik sei die einzige Chance. "Wir können die Koalas nur beschützen, wenn wir die Welt-Heizung runterdrehen. Wir müssen den Ausstoß fossiler Brennstoffe massiv reduzieren."

Koalas haben unter Klimawandel zu leiden

Für die kleinen Kletterer ist die Lage auch deshalb so dramatisch, weil die Eukalyptusbäume besonders unter dem CO-Anstieg in der Atmosphäre leiden: "Die chemische Zusammensetzung der Blätter ändert sich, Nährstoffe gehen verloren. Die Koalas fressen aber nichts anderes. Sie werden nicht mehr satt, brauchen mehr Futter."

Um zu helfen, pflanzt Janine Duffy mit ihren Rangern und Freiwilligen seit Jahren Baum um Baum. Was ihr Mut macht: "Die Menschen sind aufgewacht. Sogar die Farmer geben uns Teile ihres Landes, damit wir dort eine neue Heimat für unser Nationaltier schaffen können."

Janines Liebling "Clancy", ein elfjähriges Männchen und einer von 135 Koalas im You-Yangs-Park, ahnt nichts von den Sorgen seiner Retterin. Janine lacht: "Er thront da oben auf seinem Eukalyptusbaum und guckt auf mich herab. Richtig eigensinnig und fast ein bisschen arrogant. Aber er bringt mich immer wieder zum Lachen."

Ihre erste Begegnung mit einem Koala hatte sie übrigens als Fünfjährige in einem Restaurant. "Da war ich mit meinen Eltern essen, und der Koala spazierte einfach rein. Offenbar war er Stammgast, alle kannten ihn. Von da an war es um mich geschehen." Koalas zu beschützen – das ist für Janine zur Lebensaufgabe geworden.

Janine Duffy verrät acht Koala-Geheimnisse

  • Jede Koala-Nase ist anders: Schon 1998 entdeckte Janine Duffy, dass sich das schwarz-weiße Nasenlochmuster von Tier zu Tier unterscheidet. Die individuelle Nase ist beim Koala also das, was beim Menschen der Fingerabdruck ist.
  • Koalas sind Einzelgänger: Die Beutelsäuger mögen bei sich zu Hause keine Verwandten. Koala-Mamas sind zwar zärtlich und liebevoll, aber sobald die Babys erwachsen sind, wirft Mama sie raus.
  • Koalas trinken vom Baumstamm: Früher glaubte man, sie würden gar nicht trinken. Aber Koalas lecken bei und nach Regen das Wasser vom Stamm.
  • Die Koala-Weibchen haben das Sagen: In den Eukalyptusbäumen herrscht das Matriarchat. Will ein Weibchen nichts von einem Männchen wissen, verletzt sie es mit ihren rasiermesserscharfen Krallen. Es hat zu gehorchen.
  • Koalas schämen sich: Wenn sie zum Beispiel beim Klettern ausrutschen, halten sie sich mit einem Arm wie beiläufig am Ast fest, kratzen sich mit der anderen Kralle am Bein – um von ihrem Missgeschick abzulenken.
  • Sie lieben Privatsphäre: Ihr Baum ist ihr Zuhause. Deshalb sollte man den Baum nicht einmal berühren, auf dem ein Koala sitzt. Janine: "Es gilt, ihr persönliches Zuhause zu respektieren."
  • Koalas sind nicht dumm: Wie immer mal wieder behauptet wird. Auch wenn sie aussehen, als würden sie dösen: Sie wissen ganz genau, was um sie herum geschieht. Ihre Hauptsinne sind nämlich Ohren und Nase.
  • Sie sitzen fast ihr ganzes Leben im Baum: 98 Prozent ihrer Lebenszeit! Den Baum verlassen sie nur, um auf einen neuen mit mehr Eukalyptusblättern zu klettern.

Schockzahl: Im 18. Jahrhundert gab es in Australien noch 10 Millionen Koalas. Heute sind es, so schätzen Experten, nur noch 100 000 Exemplare.

Infos und Spenden:

Erinnern Sie sich? Nach den australischen Waldbränden zeigten sich viele Stars erschüttert. Und auch ein 6-Jähriger wollte seinen Beitrag leisten. Er half Australien mit selbstgebastelten Koalas. Noch mehr Geschichten, von denen viele ein gutes Ende nehmen, gibt es auf unserer Themenseite Haustier zu entdecken.

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