16.03.2021 - 11:29

Eisbären als Gesellschaft? Artgerecht? Von wegen! Tierfreunde sind entsetzt über neues Eisbär-Hotel in China

Von der Redaktion

Im chinesischen Harbin können Gäste jetzt in einem Eisbär-Hotel nächtigen. Von artgerechter Haltung ist die Unterhaltung der Urlauber weit entfernt.

Foto: Getty Images/ STR

Im chinesischen Harbin können Gäste jetzt in einem Eisbär-Hotel nächtigen. Von artgerechter Haltung ist die Unterhaltung der Urlauber weit entfernt.

Im chinesischen Harbin hat ein Eisbär-Hotel geöffnet. Nein, kein Hotel für Eisbären. Ein Hotel für Menschen – mit echten Eisbären für die Unterhaltung der Gäste.

Es gibt ja viele ungewöhnliche Hotels auf der Welt: Wer luxuriösen Extras wie Zimmer-Service, Wellnessbereich und Pool nichts abgewinnen kann und stattdessen den besonderen Kick sucht, nächtigt vielleicht lieber in einem skurrilen oder witzigen Themenhotel. Daran ist in den meisten Fällen auch nichts verkehrt. Soll doch jeder seinen Urlaub so gestalten, wie er es möchte – solange der eigene Komfort nicht zu Lasten anderer geht. Ein Hotel im chinesischen Harbin scheint das anders zu sehen: In der Stadt im Norden Chinas hat ein Eisbär-Hotel eröffnet – und das sorgt weltweit für Entsetzen.

Eisbär-Hotel in China schockiert Öffentlichkeit

Sie kennen das bestimmt: Immer, wenn man denkt, es geht nicht noch schlimmer, schlägt irgendetwas dem Fass den Boden aus. Schon seit Langem wird, nicht nur in Deutschland, über die artgerechte Haltung von Tieren diskutiert. Ist es moralisch vertretbar, Wildtiere in Zirkussen auftreten zu lassen? Wie sieht es mit Zoos aus? Beim Thema Tierrechte besteht noch viel Handlungsbedarf – doch immerhin ist die Debatte da, sie ist laut und sie kann nicht ignoriert werden.

In China ist das offensichtlich nicht der Fall. Anders lässt sich nicht erklären, wie in Harbin das neue Eisbär-Hotel eröffnen konnte, über das unter anderem die Bild-Zeitung bereits berichtete: 21 Zimmer hat das Hotel, die Übernachtung kostet zwischen 200 und 300 Euro. Das Highlight: Eisbären sind die "ständige Gesellschaft" der Gäste – so lautet zumindest die euphemistische Umschreibung. Da Eisbären aber Raubtiere sind, denen man lieber nicht zu nahe kommt, bedeutet das nichts anderes als: Alle Zimmer des Hotels sind ringförmig um ein winziges, lieblos gestaltetes Eisbärengehege angeordnet – so können Hotelgäste die Tiere rund um die Uhr anstarren.

Keine Spur von artgerechter Haltung

Kahler, weißer Boden, ein winziger Pool, der einer Pfütze gleicht, kein Spielzeug, kein Rückzugsraum, dafür große Glasfenster an allen Seiten, hinter denen neugierige Hotelgäste stehen, kreischen, gegen die Scheibe klopfen und Fotos machen: Was schlimmer klingt als jedes Gefängnis, ist für die beiden Eisbären in dem Hotel in Harbin jämmerliche Realität. Weiter von artgerechter Haltung kann man wohl kaum entfernt sein.

Nicht weiter verwunderlich also, dass das Eisbär-Hotel weltweit für Empörung sorgte: Tierschutzorganisationen sind schockiert, fordern in Petitionen die Schließung des Hotels. Doch viele Menschen scheinen sich gar nicht weiter für die grausame Tierrechtsverletzung zu interessieren, die sich hier abspielt: Wie eine Hotelsprecherin verkündete, ist der Andrang auf das Hotel bereits jetzt groß.

Auslauf im Smog

Das Hotel reagierte auf die Vorwürfe der Tierschützer – doch nicht etwa mit der Schließung des Hotels oder der Entlassung der Eisbären: Stattdessen wies die Sprecherin darauf hin, dass es auch ein Außengehege für die Tiere gebe. In diesem dürfen sie sich aufhalten, wenn die Außentemperaturen und die Luftqualität es zulassen. Harbin jedoch war wegen seiner Smog-Rekorde in der Vergangenheit bereits mehrmals in den Schlagzeilen. Wie oft die beiden Eisbären das Außengehege tatsächlich zu Gesicht bekommen werden, ist also fraglich…

Für jeden Fortschritt ein Rückschritt, so scheint es manchmal. Erst letztes Jahr verbot die Regierung im chinesischen Shenzen das Essen von Hunden und Katzen.

Das Eisbär-Hotel boykottieren wir – keine Frage. Das englische Hotel mit dem Glühwein-Whirlpool erscheint uns da schon interessanter…

Mehr über das geplante Zirkus-Verbot für Wildtiere erfahren Sie hier. Und in diesem Artikel erklärt eine Expertin noch einmal, warum Tiere beobachten im Urlaub häufig nichts anderes als Tierquälerei ist.

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