Aktualisiert: 14.03.2021 - 17:31

Die Hunde-Engel von Mauritius Wie deutsche Frauen das Tierleid im Paradies stoppen

Von Claudia Kirschner

Frauen wie Stephanie Schön kümmern sich um die streunenden Hunde auf Mauritius.

Frauen wie Stephanie Schön kümmern sich um die streunenden Hunde auf Mauritius.

Mauritius! Das klingt nach romantischen Flitterwochen, schneeweißen Palmenstränden, Cocktails zum Sonnenuntergang. Wie sehr Tiere auf der Trauminsel leiden müssen – das ahnt kaum ein Tourist…

Zufall oder Schicksal? Es ist ein winziger Augenblick, der "Dobby" das Leben rettet. Mit gebrochenem und entzündetem Bein liegt das sechs Wochen alte Welpenmädchen am Straßenrand nahe der Inselstadt Calodyne, mehr tot als lebendig, als an diesem Morgen im Februar 2019 eine 45-jährige Deutsche mit dem Auto vorbeikommt. Mit letzter Kraft schafft die kleine Hündin es noch mal, ihr Köpfchen zu heben – und Ausra Rau, Tierfreundin aus der Nähe von Bielefeld, sieht es!

"Ich bin natürlich sofort hin", erzählt sie, "die Kleine war sogar zum Humpeln zu schwach, bis auf die Knochen abgemagert, kurz vorm Verhungern. Sie hätte nicht mehr lange durchgehalten." Die Touristin trägt die Fellnase behutsam in ihr Auto, bringt sie zu Lorena Gaus (26) und deren Mann, Tierarzt Dr. Keyur Patel. Auf ihrer "All Life Matters"-Farm ("Jedes Leben zählt") wird "Dobby" liebevoll aufgepäppelt. Lesen Sie hier, wie die Hunde-Engel von Mauritius Tierleid im Paradies stoppen.

Animal Care auf Mauritius
Animal Care auf Mauritius

Streuner auf Mauritius: 80.000 Hunde kämpfen täglich ums Überleben

Dass es diesen Gnadenhof überhaupt gibt, ist ein kleines Wunder. Denn auf Mauritius, der Tropeninsel im Indischen Ozean, gelten Hunde als Plage. 80000 herrenlose Hunde leben hier, Streuner, die täglich ums Überleben kämpfen müssen. Und täglich Gefahr laufen, in einer Tötungsstation zu enden. "Sie werden eingefangen und auf grauenvolle Weise getötet", berichtet Stephanie Schön vom Tierschutzverein "Animal Care". "Die Hunde werden mit dem Hammer erschlagen oder vergiftet. Das ist die Art der Behörden, die Hundepopulation einzudämmen." Mit "Animal Care" kämpft die 34-Jährige aus Beilstein bei Heilbronn gegen das Tierelend im Paradies.

"Kaum ein Urlauber weiß um die Not der Tiere"

Bis zu ihren Flitterwochen dort hat auch Stephanie Schön Mauritius für eine Trauminsel gehalten: "2017 war ich mit meinem Mann Dominik zum ersten Mal dort. Wir saßen beim Candle-Light-Dinner am Strand, als bis aufs Skelett abgemagerte Hunde an unserem Tisch auftauchten. Wir haben uns nur angeguckt und unsere Teller auf den Boden gestellt", erzählt Stephanie. Ein Erlebnis, das sie nicht loslässt.

Schon seit fünf Jahren kümmert sich damals ihr Verein, den sie gemeinsam mit der Hamburger Biologin Sina Hanke (31) gegründet hat, um Straßenhunde auf der Ferieninsel Fuerteventura. "Wir wollen, dass Tiere artgerecht leben können", sagt die Betriebswirtin. Jetzt setzen sie sich auch für die Streuner auf Mauritius ein. "Fast eine Million Touristen aus der ganzen Welt besuchen die Insel normalerweise jedes Jahr", sagen Stephanie und Sina. "Doch kaum ein Urlauber weiß um die Not der Tiere."

Besonders grausam: Staatliche Hundefänger tarnen sich als Tierschützer, erzählen die beiden Frauen. Deren Fahrzeuge seien dann mit "Mauritius Society for Animal Welfare" (MSAW) beschriftet. Sorgt sich ein Urlauber zum Beispiel um einen Hund und meldet diesen an der Hotelrezeption, wird oft die MSAW gerufen – und das Todesurteil des Tieres ist unterschrieben.

Auf der "All Life Matters"-Farm werden die Tiere aufgepäppelt

Inzwischen arbeitet der deutsche Verein

mit der Schweizerin Lorena und deren Mann Keyur zusammen, das Paar lebt dauerhaft mit zwei kleinen Kindern auf Mauritius. "Wir helfen gern, wir können gar nicht anders", sagt Lorena. Tiere, die zu schwach sind, bleiben auf ihrem Gnadenhof. Oder werden so lange aufgepäppelt, bis sie stark genug sind, um in liebevolle Hände vermittelt zu werden. Die beiden haben auch ein Kastrationsprogramm für Hunde gestartet, damit nicht immer mehr Welpen ins Elend hineingeboren werden.

Wenn Sie helfen möchten

❯❯ Im letzten Jahr hat "Animal Care" rund 500 Hunde kastrieren lassen. Vize-Vorsitzende Stephanie Schön: "Das ist für uns die einzige Lösung, Tierleid von vornherein zu verhindern." Der Verein lebt komplett von Spenden: Animal Care, Stichwort: Tierschutz Mauritius

Hamburger Sparkasse IBAN: DE23 2005 0550 1365 1317 37

Mehr Infos unter www.animalcare-tierschutz.com

Und wie geht es "Dobby"? Die ist heute in Leopoldshöhe zu Hause. Bei Ausra, die sich nicht mehr von der Hündin trennen konnte. "'Dobby' hat sich wunderbar entwickelt", erzählt sie, "sie liebt alles und jeden, von Ästen über Socken bis hin zu den Nachbarskindern, die mit ihr spielen wollen!" Ausra lacht, krault dem Mischling das Fell: "Ich bin so froh, dass wir diesen wunderbaren Hund retten konnten!"

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Im Zuge des Haustier-Booms im Corona-Lockdown ist die Nachfrage nach Welpen drastisch gestiegen. Da viele Tierheime ein Vermittlungsstopp verhängt haben, wollen immer mehr Leute ein Hundebaby auf Ebay kaufen. Dabei sollten Sie bedenken: Ob ein Hundekind schwer krank oder traumatisiert ist, sieht man der eBay-Kleinanzeige nicht an. Doch genau darauf spekulieren skrupellose Händler. Der illegale Welpenhandel boomt , und viele Leute fallen aus Naivität auf die Maschen der Tierquäler herein. Mit welchen Tricks die Händler arbeiten und worauf Käufer unbedingt achten sollten.

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