Aktualisiert: 29.11.2020 - 16:44

Tierheilpraktikerin im Interview Monika Weßeling: "Tierhalter kommen mit 'austherapierten' Tieren zu mir"

Katzen sind unglaublich tolle, aber nicht immer einfache Tiere. Rat weiß Monika Weßeling. Sie ist nicht nur Tierheilpraktikerin, sondern auch Katzenpsychologin – und verrät im Interview hilfreiche Tipps.

Foto: iStock.com/Pavlina Popovska

Katzen sind unglaublich tolle, aber nicht immer einfache Tiere. Rat weiß Monika Weßeling. Sie ist nicht nur Tierheilpraktikerin, sondern auch Katzenpsychologin – und verrät im Interview hilfreiche Tipps.

Monika Weßeling ist Tierheilpraktikerin und Katzenexpertin. Ihr neues Buch "Die Katze – 360 Grad" gibt Katzenfreunden und denen, die es werden wollen, wichtige Tipps im Umgang mit Samtpfoten. Im Interview verrät sie uns, was sie bewegt und warum Naturheilkunde und alternative Heil-Wege bei Tieren durchaus helfen können.

Katzen sind ein Mysterium – oder? Die Fellnasen führen uns gerne einmal an unserer nicht so felligen Nase herum, sind manchmal schwer zu durchschauen, lassen sich aber dann wieder ganz einfach ablenken. Aber was, wenn eine Katze plötzlich unbekannte Verhaltensauffälligkeiten zeigt oder krank wird? All solche Themen klärt Monika Weßeling in ihrem neuen Buch "Die Katze – 360 Grad". Sie ist Tierheilpraktikerin, Katzenpsychologin und Tierkommunikatorin und konzentriert sich besonders auf kleine Samtpfoten. Im Interview hat sie uns mehr über ihre Berufung und ihr Werk verraten.

Monika Weßeling im Interview: Katze rundum erklärt

Frau Weßeling, Sie sind Tierheilpraktikerin. Was genau dürfen wir uns darunter vorstellen?

Weßeling: Als Tierheilpraktikerin wende ich alternative Heilmethoden bei Tieren an, um Krankheiten zu behandeln oder ihnen vorzubeugen. Ich betrachte jedes Tier ganzheitlich und individuell. Viele Tierhalter kommen mit "austherapierten" Tieren zu mir. Manche haben eine Odyssee hinter sich und haben bereits viele Tierärzte und Tierkliniken aufgesucht. Ich suche nach der Ursache der Erkrankung, um eine entsprechende Therapie erstellen zu können.

Meine Therapie-Schwerpunkte sind: Homöopathie, Mykotherapie, Bachblüten und Verhaltensberatung für Katzen. Natürlich bietet die Naturheilkunde ebenso wenig wie die Schulmedizin ein Heilungsversprechen. Der Tierheilpraktiker kann – ähnlich wie der Heilpraktiker für Menschen – erst dann eine Therapie erstellen, wenn er eine sorgfältige Anamnese aufgenommen hat. Diese beinhaltet viele Fragen, z. B. zu Erkrankungen, Verhalten, Umgebung, kätzischer und menschlicher Familie.

Sie behandeln vor allem Hunde, Katzen und Pferde. Ganz besonders liegt Ihnen das Wohl der Katze am Herz. Daher weisen Sie sich auch als Katzenpsychologin aus. Mit welchen Problemen kann jemand mit seiner Katze zu Ihnen kommen?

Weßeling: Einmal natürlich mit akuten oder chronischen Erkrankungen, beispielsweise einer Verletzung, einer Allergie, Arthrose, Schilddrüsenüberfunktion, chronischer Niereninsuffizienz etc. Aber auch mit Verhaltensproblemen, wie Unsauberkeit, Ängstlichkeit, Aggressivität und anderen Problemen. Ich biete auch Haltungsberatung an, um Problemen vorzubeugen und einen entspannten Umgang von Halter und Katze dauerhaft zu ermöglichen. Meine Erstanamnesen umfassen immer eine Rundumberatung. Ich berate zu hochwertigem Futter, gebe Tipps, wie die Umgebung verändert werden kann.

Wie kamen Sie auf die Idee, nicht die typische Tierärztin zu werden, sondern sich auf ganzheitliches Tierwohl und die Psychologie der Tiere zu konzentrieren?

Weßeling: Meine Eltern wollten, dass ich das Abitur mache und studiere. Mir hat damals die Schule jedoch keinen Spaß gemacht und ich begann eine kaufmännische Ausbildung. Danach war ich über 30 Jahre in einem großen Chemiekonzern in Düsseldorf beschäftigt, davon viele Jahre als Personalmanagerin. Ich leitete mehrere große Projekte für meine Firma und war zu dieser Zeit sehr oft auf Dienstreisen und hatte einen 12-Stunden-Tag. Die Tätigkeit machte mir Freude und ich blicke noch heute gerne darauf zurück. Aber sie erfüllte mich nicht.

Daher begann ich vor etwa 12 Jahren meine Ausbildung zur Tierheilpraktikerin für Klein- und Großtiere, der sich die Ausbildungen zur Katzenpsychologin, Mykotherapeutin und viele andere anschlossen, u. a. Veterinärhomöopathie, Tierkommunikation, mehrere Praktika. 2018 trat ich aus meiner Firma aus, um mich mit meiner Tierheilpraxis voll selbstständig zu machen. Heute berate ich zum großen Teil online – deutschlandweit, in den Niederlanden und in Österreich.

Inwiefern kann die ganzheitliche Tier-Naturheilkunde die "Schul-Tiermedizin" ergänzen?

Weßeling: In einigen Fällen ist natürlich der Einsatz von Schulmedizin nötig. Beispielsweise muss manchmal ein Antibiotikum eingesetzt werden oder ein Mittel gegen eine Schilddrüsenüberfunktion. Die Naturheilkunde kann im ersten Fall dann einen Darmaufbau vornehmen, im zweiten gibt es Möglichkeiten, durch ergänzende Mittel ggf. die Dosierung der Schulmedizin zu verringern. Dies gilt ähnlich für viele Erkrankungen.

Warum haben Sie sich gerade auf Katzen spezialisiert? Gab es ein besonderes, ausschlaggebendes Ereignis?

Weßeling: Ich behandle Hunde, Katzen und Pferde, habe mich jedoch auf Katzen spezialisiert. Das ist die Tierart, die ich am besten kenne und selbst seit vielen Jahren halte, und ich habe die zusätzliche Ausbildung als Katzenpsychologin abgeschlossen. Ich bin Katzenexpertin. Als meine eigenen beiden Kater sich vor vielen Jahren auf einmal nicht mehr verstanden und sich bis aufs Blut bekämpften, befasste ich mich mit Verhaltenskunde und der Bachblütentherapie. Ich konnte dadurch beiden wieder ein entspanntes Miteinander ermöglichen. Und auch heute behandle ich viele Katzen mit Verhaltensauffälligkeiten. Das liegt oft daran, dass es in Mehrkatzenhaushalten zu Spannungen kommt, das ist vergleichbar mit einem Zusammenleben mehrerer Menschen, vielleicht sogar auf engem Raum. Da kann es zu unterschiedlichen Problemen kommen.

Ein weiteres einschneidendes Erlebnis war die Erkrankung meiner Katze Jeannie. Sie erkrankte als achtjährige Katze vor etwa acht Jahren an chronischer Niereninsuffizienz. Ich brachte sie in die Tierklinik, sie blieb dort fast zwei Wochen. Die Tierärzte wollten sie einschläfern, da sie sehr hohe Nierenwerte hatte, sie gaben ihr keine Überlebenschance. Sie war nur noch ein Bündel Fell, so viel Gewicht hatte sie verloren. Ich nahm Jeannie mit nach Hause und begann dort sofort eine naturheilkundliche Therapie. Das ist nicht einfach, wenn man als Therapeut selbst betroffen ist. Aber es gelang mir mit verschiedenen Therapien, dass Jeannie schnell ihr altes Gewicht erreichte und es ihr acht weitere Jahre gut ging. In diesem Jahr ging es dann bergab, Jeannie begann, ihren Weg zu gehen. Im Juli musste ich sie gehen lassen. Aber ich bin froh und dankbar, dass wir noch so viele schöne gemeinsame Jahre dank der Naturheilkunde hatten.

Im Dezember 2020 veröffentlichen Sie Ihr Buch "Die Katze – 360 Grad". Worum geht's?

Weßeling: Mein Katzen-Ratgeber enthält Profitipps und ist mit viel Wissen über die Katze ausgestattet. So kann der Katzenhalter Verhaltensproblemen vorbeugen sowie bei bestehenden Problemen oder auch Erkrankungen helfen. Drei wichtige Therapiemöglichkeiten, die Homöopathie, Bachblüten und die Mykotherapie stelle ich vor. Ein Kapitel befasst sich mit Futter, eins mit Beschäftigungsmöglichkeiten für die Katze, die nicht immer teuer sein müssen. Auch auf Zahnerkrankungen gehe ich ein, besonders auf die schmerzhafte Zahnerkrankung "FORL" (Feline odontoklastische resorptive Läsionen, Anm. d. Red.).

Der Titel des ersten Kapitels heißt "Warum entscheidet sich der Mensch für die Katze?" – ja, warum eigentlich?

Weßeling: Oftmals wird gesagt, der typische Katzenhalter ist weiblich, der typische Hundehalter männlich. Da die Katzenhaltung immer mehr zunimmt, trifft diese Aussage nicht mehr vollständig zu. Wer sich für eine Katze entscheidet, schätzt ihre Selbstständigkeit und ihre Einzigartigkeit. Eine Katze wird sich nie voll dem Menschen unterordnen, das liebt der Mensch an ihr.

Unter anderem geht's aber auch um Unsauberkeit bei Katzen. Warum passiert es manchmal, dass Katzen, eigentlich ja sehr reinliche Tiere, plötzlich mit Unsauberkeit auffallen?

Weßeling: Unsauberkeit kann sehr viele Ursachen haben. 50 Prozent aller Katzen werden unsauber, manchmal nur einmalig, oft jedoch phasenweise oder dauerhaft. Als Erstes muss vom Tierarzt geklärt werden, ob es organische Ursachen gibt. In einigen Fällen leidet die Katze unter einer Blasenentzündung oder unter Schmerzen. Aber auch jegliche Veränderung kann zur Unsauberkeit führen. Ein Baby ist hinzugekommen und bestehende Rituale, wie regelmäßige Spielzeiten, werden vernachlässigt. Die Beschaffenheit und der Ort der Katzentoilette müssen betrachtet und evtl. verändert werden. Meine Erfahrung in den letzten Jahren hat gezeigt, dass jedoch bei einer länger bestehenden Unsauberkeit fast nur eine Kombination von Verhaltensberatung und Naturheilkunde helfen kann, um eine dauerhafte Verbesserung zu erreichen.

Wie lässt sich die Beziehung Katze-Mensch im Alltag verbessern? Gibt es da kleine Tricks, die Katzen-Neulinge beim Einleben beherzigen können?

Weßeling: Auf jeden Fall muss der Halter der Katze Zeit lassen, sich einzuleben. Geduld, Liebe und Verständnis sind die magischen Worte, die immer gelten. Die Katze muss viele Rückzugsorte haben, an denen sie ungestört ist. Und die Katze sollte, wenn sie nicht gerade Einzelgänger ist, einen kätzischen Partner haben, mit dem sie toben und spielen kann.

Gibt es einen besonderen Tipp, der Ihnen besonders am Herzen liegt und den Sie unseren Leser*innen vorab mitgeben können?

Weßeling: Katzen wollen nur in seltenen Fällen allein leben. Ein Mensch kann keinen Katzenkumpel ersetzen. Kitten dürfen auf keinen Fall allein ohne kätzischen Partner oder Partnerin aufwachsen. Wenn Katzenhalter sich unsicher sind, was die Auswahl der Katzen oder mehrerer Katzen betrifft, sollten sie professionelle Hilfe in Anspruch nehmen. Eine Haltungsberatung kann zukünftigen Problemen vorbeugen.

___________________

Das Buch "Die Katze – 360 Grad" erscheint im Dezember via Amazon und im ausgewählten Buchhandel als Taschenbuch (ISBN-Nr. 9783753121987) und e-Book (ISBN-Nr. 9783753121994).

Monika Weßeling hat für BILD der FRAU bereits zahlreiche Tipps im Umgang mit Katzen und auch Hunden bereitgestellt. Schauen Sie mal:

Zur Person: Monika Weßeling ist Tierheilpraktikerin und Katzenexpertin in Langenfeld (Rheinland). Mehr Infos zu ihr und ihrer Arbeit finden Sie auf tierheilpraxis-wesseling.de

Noch mehr spannende und hilfreiche Artikel rund um's Haustier finden Sie auf unserer Themenseite!

Das sind die besten Katzenfutter laut Stiftung Warentest
Das sind die besten Katzenfutter laut Stiftung Warentest

Haustiere

Haustiere

Lustiges, Wissenswertes und News zum Thema Haustiere sehen Sie in unserer Playlist!

Beschreibung anzeigen
Eine Webseite der FUNKE Mediengruppe