31.07.2020 - 20:36

Samtpfoten in Not "Ich fiel auf die Katzen-Mafia rein": So fies nutzen Betrüger Tierliebe aus

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"Balu" war ein süßes Babykätzchen. Dann kamen bei Petra die Sorgen. Und die Tierarztrechnungen.

Foto: Andreas Friese

"Balu" war ein süßes Babykätzchen. Dann kamen bei Petra die Sorgen. Und die Tierarztrechnungen.

Über eine Internet-Anzeige kauft Petra einen Baby-Kater. Alles klingt ganz harmlos. Doch schon am Tag nach dem Kauf wird ihr kleiner "Balu" schwer krank. Zufall? Nein. Skrupellose Geschäftemacherei!

Das Mauzen klingt kläglich. Petra Mallabar leidet jedes Mal mit. Sanft streichelt sie "Balu" übers Fell. "Er hat ständig Durchfall und Bauchweh", klagt sie. "Es ist gemein, was diese Leute den Tieren antun." Die 54-Jährige hat vor einem Jahr ein Katzenbaby auf Ebay gekauft – bis heute ist es krank. Petra fiel auf die Katzenmafia rein! Mai 2019. "Ich träumte von einer Maine-Coon-Rassekatze", erzählt die Berlinerin. "Weil es im Tierheim keine gab, suchte ich bei Ebay." Sie entdeckt ein Junges, 15 Wochen alt, für 350 Euro. "Ich rief die Verkäuferin an, wollte es anschauen. Sie überredete mich, dass sie zu mir kommt.".

"Erst dachte ich, der Durchfall käme nur von der Aufregung"

Petra willigt ein. Ist verzückt vom Katzenkind, gibt der Frau das Geld. "Als sie weg war, fiel mir auf, wie dünn es war, dass ich weder Impfpass noch Vertrag hatte. Ich rief noch mal an, aber die ging nicht mehr ran." Dafür bekommt der Kater Durchfall. "Die Aufregung, dachte ich." Petra bringt "Balu" zur Tierärztin, die ist entsetzt. "Sie schätzte das Junge auf nur fünf Wochen, viel zu jung, um es von seiner Mutter zu trennen." Und die Medizinerin stellt Giardien fest, Parasiten, die Magen und Darm schädigen.

Leider kein Einzelfall. Tierschützer kennen solche Geschichten zu gut. "Dahinter stecken unseriöse Händler, oft aus Osteuropa, die massenhaft Tiere züchten oder billig besorgen und hier Geschäfte damit machen", sagt Jana Hoger von PETA. "Die Tiere leiden, denn sie werden zu früh von den Müttern getrennt, sind krank, haben Angststörungen.".

Die Geschäftemacher nutzen Tierliebe und Unwissen der Käufer aus. Darum hat die Verkäuferin Petra damit überrumpelt, sie zu besuchen. Es ist der gleiche Reflex, den auch die Welpenmafia skrupellos nutzt: Wenn wir ein Tierbaby sehen, wollen wir es beschützen. Nein zum Kauf zu sagen, wenn man das Kleine im Arm hatte, fällt emotional extrem schwer. Darum ist sachliche Aufklärung so wichtig!

Tierschützer fordern mehr Kontrollen, höhere Bußgelder.

"Katzen dürfen in den ersten acht Lebenswochen nur mit der Mutter transportiert und mit 12 Wochen gegen Tollwut geimpft werden", erklärt Dr. Cristeta Brause, Katzenexpertin im Fachbereich Tierschutz bei TASSO. "Um dies zu verschleiern, fälschen manche Händler sogar Papiere. Wir bräuchten ein Verbot des Onlinehandels mit Tieren, mehr Kontrollen und höhere Strafen.".

Über 900 Euro hat Petra Mallabar, die als Mobilitätshilfe für Senioren arbeitet, schon für den Tierarzt bezahlt. "Dafür kriegt man Katzen mit Stammbaum." "Balu" hat bis heute Durchfall, seine Darmentzündung ist chronisch. Er kratzte lange, biss. Petra kann die Verkäuferin nicht mal anzeigen. "Sie hat im Oktober wieder Katzen verkauft, wechselt aber ständig Namen und Profile.".

Sie weiß: "Ich kaufe nie mehr blind eine Katze bei Ebay! Es bricht einem das Herz, ein Tier so leiden zu sehen."

"Die Täter sind oft gefährlich".

Im Interview mit BILD DER FRAU erklärt der Tierschützer Stefan Klippstein mehr zur Katzen- und Welpenmafia.

Wie erkenne ich unseriöse Händler?

Der Preis ist viel niedriger als bei Züchtern, für eine Rassekatze etwa 500 statt 1000 Euro. Die Händler haben keine Papiere, keinen Impfpass, zeigen kein Muttertier, sprechen oft schlecht Deutsch. Vorsicht: Sie sind gefährlich. Ich wurde schon angefahren, bedroht, bekam zwei Rippen gebrochen, Zähne ausgeschlagen.

Woher kommen die Täter?

Oft aus Osteuropa. Sie halten Katzen in Hochhäusern dauerschwanger, sammeln Babys für 3 bis 5 Euro auf Bauernhöfen ein, stapeln sie in Käfigen im Kofferraum, verkaufen sie ab 150 Euro mit Fake-Fotos im Internet, an U-Bahnhöfen, auf Raststätten oder dem Markt im polnischen Słubice.

Worunter leiden die Katzen?

Sie sind verwurmt, verfloht, haben Katzenschnupfen, Katzen-Aids, Blutkrebs, sind sozial gestört, weil die Zeit mit der Mutter fehlte und weder kastriert noch geimpft – nicht mal gegen Tollwut, dabei ist das bei Tieren aus dem Ausland Pflicht. Auf die Besitzer kommen oft hohe Tierarztkosten zu. Adoptieren Sie lieber eine Katze aus dem Tierheim! Dort warten Hunderte Katzen auf neue Besitzer.

Im Tierheim Berlin wartet zum Beispiel Kater Schneeball darauf, endlich ein zuhause für immer zu finden. In unserer Bildergalerie machen wir Sie mit dem Stubentiger bekannt:

Auf unserer Themenseite Haustier gibt es noch mehr interessante Tiergeschichten zu lesen. Lust auf ein Happy End? Mit Hilfe von Fremden rettet eine Straßenhündin ihre Welpen. Und auch die blinde Perserkatze Moet lebt nach einem schweren Start ins Leben nun endlich wie eine kleine Königin.

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