Aktualisiert: 10.05.2020 - 20:45

Viele Tiere werden ausgesetzt Straßenhunde in der Türkei: Immer mehr – aber immer weniger Futter

Auch, wenn sich Anwohner immer mal um die Tiere kümmern – Straßenhunde in der Türkei haben es dieser Tage nicht leicht.

Foto: iStock/tolgaildun

Auch, wenn sich Anwohner immer mal um die Tiere kümmern – Straßenhunde in der Türkei haben es dieser Tage nicht leicht.

Straßenhunde sind in der Türkei ein riesiges Problem – das in Zeiten von Corona noch größer wird. Denn viele Menschen setzen ihre Tiere jetzt vor die Tür. Vor der sie dann nichts mehr zu fressen finden, denn Restaurants sind zu und Touristen bleiben aus.

Wer einmal in der Türkei war, hat es sicherlich schnell festgestellt: Es gibt unzählige streunende Tiere auf den Straßen. Vor allem Istanbul ist voller Hunde, aber auch andere Gebiete, oft Tourismus-Gegenden, wimmeln vor Hunden und Katzen, die auf der Straße nach Futter suchen. Doch das finden sie zurzeit nicht – denn ihre Nahrungshauptquellen sind versiegt. Und gerade die Straßenhunde in der Türkei werden in Corona-Zeiten immer mehr, weil unzählige Menschen ihre Tiere vor die Tür setzen – aus Angst vor einer Coronavirus-Infektion. Was irre klingt, hat vor allem mit mangelnder Aufklärung zu tun. Und mit Religion.

Angst vor dem Coronavirus: Viele Hunde landen auf der Straße

Die Angst, sich an Hunden mit dem Coronavirus zu infizieren, scheint in der Türkei um sich zu greifen. Das Risiko ist gering bis nicht vorhanden, doch die Bevölkerung hat Angst. Also landen viele Hunde auf der Straße – auf der sie sich, anders als dort schon lange lebende oder gar geborene Hunde, gar nicht auskennen. Tierschützer versuchen, möglichst viele davon zu füttern, doch die Arbeit ist gigantisch. Wie die türkische Zeitung "hürriyet" aber schreibt, hat sich mittlerweile auch die Regierung des Problems angenommen und mit anderen Institutionen Hilfsprojekte gestartet.

Das große Futterproblem

Je mehr Hunde es werden, desto schwieriger wird es aber. Denn die Straßenhunde ernähren sich in der Regel nicht nur vom Hausmüll, sondern vor allem von dem, was sie im Müll von Restaurants finden – und was der Tourismus mitbringt. Beides findet gerade nicht statt. Eine Futterknappheit und gleichzeitig eine Mehrzahl an Mäulern, die gestopft werden wollen. Keine gute Mischung.

Das merken auch Tierschutzorganisationen, die noch vor einem weiteren Problem stehen: Normalerweise vermitteln sie türkische Straßenhunde aus Auffangstationen heraus an hundeliebende Menschen in anderen Ländern als Haustier. Doch die Grenzen sind dicht, eine Vermittlung zurzeit unmöglich. Die Heime quellen also über – ebenso wie die Tiere, die davor warten. So beschreibt es Gabi Breitner, die in Antalya für die Auffangstation "Zauberwald" arbeitet, gegenüber RTL – wo sie auch gleich von ihrer Arbeit berichtet und erzählt, wie schwer diese gerade ist.

Woher kommen die vielen Tiere in der Türkei?

Und was ist jetzt mit Religion? Das erklärt Hilal Sezgin in ihrer Kolumne "Unter Tieren" bei der "Frankfurter Rundschau". Dort geht sie der Frage nach, warum Muslime angeblich keine Hunde mögen – und warum das gar nicht so stimmt. Istanbul etwa galt bis ins 19. Jahrhundert als "Stadt der Hunde" – die Tiere, gerade Straßenhunde, wurden dort geradezu beliebt. Denn sie galten als Beschützer der Bewohner, in deren Viertel sie in Rudeln lebten und fraßen dort den Müll. Der Hund im Haus dagegen galt als unrein. Die Versorgung "dürstender und bedürftiger Hunde" sei "fromme Pflicht" gewesen.

Später wendete sich das Schicksal der Straßenhunde, schreibt Sezgin, Hunde wurden eingefangen und weggebracht – mit vorsichtig gesagt mäßigem Erfolg. Heute gelten Straßenhunde in der Türkei nach wie vor als Problem, immerhin in der Bevölkerung als oftmals geduldetes und manchmal auch gern angenommenes, sogar hinter den Ohren gekraultes. Das geht so weit, dass die Polizei etwa in Istanbul Straßenhunde und -katzen, aber auch Möwen und Dohlen füttert, weil sie zurzeit kaum Futter finden.

Dabei hatten die Behörden in den vergangenen Jahren oft versucht, gerade die Hunde loszuwerden und sie in entfernte Gebiete zu schaffen – allein 2013 gab es auf europäischer Seite Istanbuls immerhin rund 100.000 Straßenhunde. Die im Wald außerhalb der Großstadt kaum Nahrung finden. Das Problem lässt sich aber damit nicht lösen, denn die verbleibenden Hunde in der Stadt finden so natürlich mehr Futter, wenn sie sich nicht mehr mit so vielen anderen darum streiten müssen. Das resultiert – normalerweise – in gesündere Hunde, die sich dann natürlich auch besser fortpflanzen können. Mittlerweile werden viele Straßenhunde in der Türkei kastriert, damit sie sich zumindest nicht mehr unkontrolliert vermehren und noch mehr Tiere leiden müssen. Die PETA hatte dies 2013 auch für Tiere in Privathaushalten gefordert, zusammen mit einem Zuchtverbot für Hunde.

So können Sie unterstützen

Dennoch geht es den draußen lebenden Tieren in der Türkei und auch in anderen Teilen zurzeit nicht besonders gut – trotz Fütterungen, denn die reichen einfach nicht aus. Wollen wir hoffen, dass sie es unbeschadet überstehen und sich der eine oder andere Einwohner ein Herz nimmt und ihnen ein bisschen Futter da lässt.

Wer helfen möchte, kann sich beispielsweise an die Helfer in Antalya unter Gabis Tierschutz Antalya wenden.

Zwar nicht die Türkei, aber dafür vielerorts: Wer die Arbeit von Tierschützern unterstützen möchte und Futterspenden an Straßen-Fellnasen innerhalb der EU schicken will, kann sich auf der Seite des Tierschutz-Shop umsehen. Der Tierschutz-Shop arbeitet transparent und ruft beispielsweise jedes Jahr vor Weihnachten den Spenden-Marathon für Tiere aufs Programm, über den wir mit Initiatorin Hanna Czenczak gesprochen haben.

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