Aktualisiert: 17.03.2021 - 09:39

Die Expertin berät Wie viel Futter braucht mein Hund wirklich?

Hundetrainerin und Ernährungsberaterin Kristina Ziemer-Falke verrät, worauf Sie bei der Fütterung Ihres Hundes achten sollten.

Foto: Getty Images/Sally Anscombe

Hundetrainerin und Ernährungsberaterin Kristina Ziemer-Falke verrät, worauf Sie bei der Fütterung Ihres Hundes achten sollten.

Ist mein Hund wirklich hungrig – oder hat er einfach nur Appetit? Als Hundebesitzer*in tragen Sie eine große Verantwortung Ihren Felllieblingen gegenüber. Wie viel und welches Futter Hunde brauchen, damit sie gesund und munter bleiben, weiß die Expertin...

Als Hundehalter*in sind Sie für Ihre Fellnase und ihr Wohlbefinden verantwortlich. Das fängt beim täglichen Futter an. Wie viel Tiernahrung braucht mein Hund eigentlich und was sollte enthalten sein? Diese wichtigen Fragen beantwortet die Hundetrainerin und Ernährungsberaterin Kristina Ziemer-Falke:

Wie viel Futter braucht mein Hund?

Kristina Ziemer-Falke: Das hängt vom jeweiligen Hund ab und sollte im Optimalfall immer individuell angepasst werden. Auf einer Futterpackung sind beispielsweise Gewichtsgruppen angegeben. Das ist vom Futtermittelhersteller eine gute erste Orientierung. Allerdings sollten Sie als Hundehalter*in immer selbst ein Auge draufhalten, wie Ihr Hund sein Futter verträgt. Das erkennen Sie meist bereits schon in den ersten Tagen nach einer Futterumstellung.

Ihr Hund sollte:

  • ein gutes Gewicht haben – nicht zu dick und nicht zu dünn. Sie sollten zum Beispiel seine Taille erkennen. Rippen dürfen gefühlt, sollten aber nicht gesehen werden.
  • sein Futter gut vertragen. Behalten Sie seine Ausscheidungen im Auge. Seine Kothaufen sollten nicht übermäßig groß sein und gut geformt. Sie sollten weder zu hart sein, noch Durchfall zeigen.

Dies sind die einfachsten Dinge, die Sie als Hundehalter*in im Blick halten sollten. Um genau zu berechnen, wie viel Futter ein Hund benötigt, gibt es mittlerweile Formeln, die zur Berechnung genutzt werden können. Dabei werden unter anderem das individuelle Gewicht, das Alter und das Aktivitätsniveau des Hundes einbezogen. Es gibt Online-Rechner, die Ihnen dabei behilflich sein können.

Auch würde zur genauen Berechnung der Besuch bei einem*einer Hundeernährungsberater*in empfehlenswert sein – gerade, wenn der Hund beispielsweise aufgrund von Krankheiten gewisse Diäten halten muss. Ziel ist es, dass der Hund seinen Erhaltungsstoffwechsel halten kann, also durch das zugeführte Futter alle Verhaltensweisen und Aktivitäten abdecken kann und dabei nicht abnimmt.

Denn auch, wenn die niedlichen Fellnasen noch so sehr nach einem Leckerli betteln, sollte auf ihr Gewicht achtgegeben werden. Was passieren kann, wenn ein Hund etwas zu gut im Futter steht, hat Hundhalterin Charmaine nun auf Facebook geteilt.

Weiß ein Hund, wann er genug gefressen hat?

Dies ist eine gute Frage. Es gibt so viele unterschiedliche Hunderassen und Züchtungen und alle haben unterschiedliche Charaktereigenschaften. Es gibt Hunde, die liebevoll als "Staubsauger" bezeichnet werden, weil sie alles fressen und man als Hundehalter*in das Gefühl hat, dass sie eher platzen würden, bevor sie aufhören.

Umgekehrt gibt es auch das andere Extrem, bei dem Hunde eher "mäkelige" Fresser ist und sich dreimal überlegen, ob sie ihr Futter fressen oder nicht.

Und natürlich gibt es genug Hunde, die wohl mehr fressen würden, es aber auch genauso akzeptieren, wenn es nicht zur Verfügung steht. Allerdings lässt das nicht den Rückschluss zu, dass Hunde wissen, wann Sie satt sind und aufhören würden. Es können sich nämlich auch erlernte Muster dahinter verstecken, die primär gar nichts mit der Verdauung zu tun haben.

Weiterhin wird Hundefutter geschmacklich möglichst attraktiv hergestellt. Denn Hersteller verkaufen mehr von einem Produkt, wenn der*die Hundehalter*in merkt, dass es dem Hund schmeckt. Somit verhalten sich Hunde bei der Nahrungsaufnahme oft genauso vielfältig wie Menschen. Es gibt Schlinger und Genießer, wie auch Hunde mit guter und schlechter Verdauung.

Was muss dringend bei der Ernährung des Hundes beachtet werden?

Beachten Sie, dass Ihr Hund alle wichtigen und essentiellen Nährstoffe dauerhaft erhält. Dazu zählt ein ausreichendes Verhältnis von Eiweiß, Kohlenhydraten und Fetten. Natürlich sind auch Vitamine und Spurenelemente zu beachten. Leidet der Hund unter einer Krankheit, sind individuelle Anpassungen vorzunehmen.

Das Thema Ernährung beschäftigt viele Hundehalter*innen, denn jede*r möchte den Hund natürlich bestmöglich versorgen. Es gibt drei größere Möglichkeiten, um seinen Hund zu ernähren:

  • Trockenfutter
  • Nassfutter
  • Rohfütterung/ Barf ("Bones And Raw Foods" oder "Biologically appropriate raw food" - zu deutsch: "Biologisch artgerechtes rohes Futter": , Anm.d.Red.)

Fertige Trocken- und Nassfutter werden in großen Mengen industriell hergestellt. Generell unterscheiden sie sich nicht in der Qualität, sondern vor allem darin, wie viel Wasser enthalten ist. Steht auf der Packung, dass es sich um ein "Alleinfutter" oder "Vollnahrung" handelt, kann man davon ausgehen, dass das Futter allein als Nahrung ausreichend ist und nichts hinzugefügt werden braucht. Steht auf der Packung "Ergänzungsfuttermittel“, muss dieses Futter noch mit anderen Komponenten gemischt werden.

Viele Hundehalter*innen wünschen sich jedoch, den eigenen Hund natürlicher zu ernähren, indem sie ihm selbst Mahlzeiten zusammenstellen. Das bedeutet jedoch, dass man sich intensiv mit dem Thema auseinandersetzen muss, da die Portionen sehr individuell zusammengestellt werden können und die Nährwerte einzeln berechnet werden sollten, um dem Hund auch das langfristig geben zu können, was sein Körper benötigt.

Sollten Sie unsicher sein, empfehlen wir Ihnen den Weg mit Ihrem Hund zu einem Ernährungsberater für Hunde. Durch professionelle Unterstützung kann somit schneller Licht in den "Futtermitteldschungel" gebracht werden.

Dass natürliche "Rohfütterung" immer beliebter wird, verwundert nicht, denn diese ekligen Dinge sind im Tierfutter wirklich drin.

Wie viel Bewegung braucht ein Hund?

Auch das ist leider nicht pauschal zu beantworten. Das Bewegungsbedürfnis eines jeden Hundes ist abhängig von seinem Alter, von der Hunderasse, als auch den persönlichen Charakterzügen. Hunde sind zu einem bestimmten Gebrauchszweck gezüchtet worden.

Jagdhunde haben zum Beispiel eine viel höhere Motivation zu laufen, als es ein Mops hat. Somit gibt es Hunderassen, die glücklich sind, wenn die täglichen Spazierrunden nicht allzu lange sind und nach einer halben Stunde auch mal gut ist. Andere hingegen haben sich dann erst warmgelaufen.

Aber sicherlich sollte die Bewegung des Hundes immer seinem Bedürfnis angepasst sein und auch ganzheitlich zur Ernährung im Auge behalten werden.

Vor allem Besitzer*innen von kleinen Hunden neigen dazu, ihren Hund ständig hochzunehmen und herumzutragen. Doch die Angewohnheit sollte nicht ausufern. Denn den Hund andauernd auf dem Arm herumzutragen, ist für das Tier absolut keine gute Idee.

Kristina Ziemer-Falke ist zertifizierte Hundetrainerin und Verhaltensberaterin durch die Tierärztekammer Schleswig-Holstein und das Messerli Forschungsinstitut der Veterinär-medizinischen Universität Wien. Darüber hinaus verfügt sie über viele Zusatzausbildungen, insbesondere in den Bereichen Hundeverhalten, Ernährung und Tierheilpraxis. Mit ihrem Mann Jörg Ziemer gründete sie das Schulungszentrum Ziemer & Falke, das mittlerweile deutschlandweit als eine der führenden Ausbildungsstätten für Hundetrainer gilt. Sie ist Sachverständige für Hundetraining und -verhalten sowie aktives Mitglied im Prüfungsausschuss der Tierärztekammer Niedersachsen für Hundetrainerzertifizierungen.

Alles rund um Haustiere finden Sie auf unserer ausführlichen Themenseite.

Haustiere

Haustiere

Lustiges, Wissenswertes und News zum Thema Haustiere sehen Sie in unserer Playlist!

Beschreibung anzeigen
Eine Webseite der FUNKE Mediengruppe