09.08.2019

Eklig & gesundheitsschädlich! Tierfutter: Diese Dinge sind wirklich drin und so wird es hergestellt

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Bei der Tierfutterherstellung läuft nicht alles so wie es sollte, deshalb Augen auf beim Futterkauf!

Foto: iStock/joshblake

Bei der Tierfutterherstellung läuft nicht alles so wie es sollte, deshalb Augen auf beim Futterkauf!

Was sind tierische Nebenerzeugnisse und was genau kommt in die Dose? Über die Problematik der Kennzeichnungspflicht bei der Futtermittelherstellung und die Gesundheitsgefahr für die geliebten Vierbeiner.

Nicht in jeder industriell gefertigten Tierfutter-Dose steckt wirklich nur richtiges Fleisch. Die Deklaration bleibt schwammig. Unter dem Oberbegriff Fleisch und tierische Nebenerzeugnisse ist es dem Hersteller möglich, immer genau die Zutaten zu verarbeiten, die zur Zeit am Markt günstig verfügbar sind, ohne dabei die Deklaration der Inhaltsstoffe ändern zu müssen. Erfahren Sie hier mehr über die Tierfutterherstellung.

Tierfutterherstellung: Nicht in jeder Dose steckt wirklich Fleisch

An erster Position bei der Angabe der Inhaltsstoffe muss der Hauptbestandteil des Futters genannt werden. Hier sollte idealerweise Fleisch stehen. Beispiel: Häufig findet sich bei den Inhaltsstoffen jedoch eine zusammenfassende Angabe: "Fleisch und tierische Nebenerzeugnisse (4 %)". Das heißt, wenn eine Fleischsorte wie Rind auf der Verpackung steht, muss dieses mindestens vier Prozent des Fleisches betragen. Somit ist in der Dose noch viel Platz für andere Fleischsorten und tierische Nebenerzeugnisse.

Was sind tierische Nebenerzeugnisse?

Tierische Nebenerzeugnisse sind nicht per se ungenießbar. Zunächst sind das allgemein einfach nur Schlachtabfälle, die der Mensch nicht essen möchte. Im besten Fall sind das Innereien. Absolut ungenießbar und eklig sind dagegen tierische Nebenerzeugnisse wie Pelz, Hörner, Klauen, Hufe, Federn usw. Früher wurden sogar Tierkadaver verarbeitet, das ist aber inzwischen glücklicherweise verboten.

Tierfutter: Was darf nicht drin sein?

Es gibt gesetzliche Regelungen, was nicht in Tierfutter enthalten sein darf. In einer europäischen Verordnung findet sich eine Auflistung 'verbotener Stoffe'. Das sind u.a. Ausscheidungsprodukte.

In den §§ 25 und 27 der Futtermittelverordnung sind folgende Stoffe verboten: Abfälle wie Haushaltsabfälle, Holz, das mit Holzschutzmitteln behandelt wurde und daraus hergestelltes Sägemehl, Klärschlamm und alle damit in Zusammenhang stehende oder ähnliche Stoffe, Kot, Urin sowie der Magen- und Darminhalt von Schlachttieren, Saat- und Pflanzgut, das mit Pflanzenschutzmitteln behandelt wurde, Verpackungen und Verpackungsteile. Hier bekommen Sie ausführlichere Informationen zur Futtermittelverordnung.

Futtermittelrechtlich "unerwünschte Stoffe" sind in der EU-Richtlinie 2002/32/EG geregelt (Anlage 5 der deutschen Futtermittel-Verordnung). In Futtermitteln unerwünscht sind u.a. Mykotoxine (Schimmelpilztoxine), Dioxine und Schwermetalle wie Arsen, Blei, Cadmium oder Quecksilber sowie Chlorierte Kohlenwasserstoffe. Hier gibt es Höchstgrenzen.

Diese Inhaltsstoffe können bei der Tierfutterherstellung beigemischt sein

Die meisten Tiere würden das Fertigfutter ohne Geschmacksverstärker nicht fressen, deshalb mischen viele Tierfutterhersteller Zusatzstoffe wie Zucker, Salz und Hefeextrakte oder sogar Glutamat darunter. Auch synthetische Vitamine können in Tierfutter enthalten sein (s.u.). Der Grund: Oft wurde das Futter so stark erhitzt, dass die natürlichen Inhaltsstoffe und Vitamine verloren gegangen sind.

Dem Tierfutter beigemischte Aromen sorgen dafür, dass der durch die Inhaltsstoffe produzierte chemische, metallene oder medizinische Geschmack überdeckt wird. Sonst würde die empfindliche Hundenase Alarm schlagen und das Tier die Nahrungsaufnahme verweigern. Manche Aromen stehen im Verdacht, Krebs zu erregen. Abgesehen von dem Problem, dass die Tiere die gekaufte gesunde Bio- oder selbstgemachte Nahrung verweigern, und zur preiswerten ungesunden Aromabombe tendieren, da sich ihr natürlicher Geruchssinn komplett verändert hat.

Einen Blick sollten Tierbesitzer auch auf den Getreideanteil werfen. Ist er zu hoch, können Tiere schnell dick werden. Katzen brauchen diese Kohlehydrate gar nicht. Sehr aktive Hunde nur einen maximalen Getreideanteil von 10 bis 20 Prozent.

Zu viel Vitamin D kann tödlich sein

Erst im Februar dieses Jahres hatte der Tierfutterhersteller Hill’s Pet Nutrition einige seiner Produkte weltweit zurückgerufen. Der Grund: "Aufgrund eines Fehlers in einem Zulieferbetrieb" würden einige Produkte zu viel zugesetztes Vitamin D enthalten. Eine Überdosierung könne zu "ernsten gesundheitlichen Problemen" führen. Leider waren da aber schon einige Tiere an einer Vitamin-D-Vergiftung infolge von Nierenversagen gestorben.

Konservierungsstoffe aus Pesizidbestandteilen

Die Futtermittelindustrie, die das Essen für unsere Verbeiner in großen Mengen produziert, nutzt natürlich auch Konservierungsstoffe. Der Stoff Ethoxyquin (E324) ist seit 2011 als Pestizid zwar verboten, darf im Hundefutter aber weiterhin verwendet werden. Studien ergaben, dass der Stoff schädigend auf Leber und Niere wirkt. Die unabhängige, amerikanische Umweltschutzbehörde Environmental Protection Agency (EPA) stuft Ethoxyquin als leicht giftig (Kategorie 3) ein, wenn es oral, oder über Haut und Atemwege aufgenommen wird.

Das Konservierungsmittel Butylhydroxyanisol (BHA – E 320) wird künstlich hergestellt und verhindert das ranzig werden von Fetten. Allerdings steht BHA auch im Verdacht allergische Reaktionen auszulösen und krebserregend zu sein. Da sich die Wirkungen gegenseitig verstärken, wird BHA gern zusammen mit anderen künstlichen Antioxidantien wie BHT (Butylhydroxytoluol – E321) oder mit Ethoxyquin gemischt verwendet.

Abfallnutzung: Proteingewinnung durch Erdgas und Bakterien

Die Industrie wird immer erfindungsreicher und hat entdeckt, dass es noch Preiswerteres als Schlachthofabfälle gibt. Stichwort: Ergasschnitzel oder Erdgasgranulat. Abfälle von Erdölfeldern sind inzwischen ein weltweites Milliardengeschäft. Spezielle Bakterien, die mit Erdgas in Berührung kommen, produzieren Proteine. Prima, dachte sich die Industrie, und schon war das Erdgasgranulat geboren, das offiziell zugelassen wurde.

Versuche haben gezeigt, dass die Tiere mit Allergien und Magenproblemen reagieren. Der Einspruch verschiedener Länderbehörden auf EU-Ebene blieb ohne Erfolg, da in der Öffentlichkeit u.a. die Abfallverwertung und die vegetarische Fütterung der großen Lachsfarmen positiv penetriert wurde. Die Herkunft und Herstellung der Proteine bleibt bei der Deklaration unberücksichtigt. Auf den Dosen steht nur "Proteine". Das erschwert die Einordnung durch den Verbraucher ungemein.

Nicht nur die Inhaltsstoffe, auch die Fleischherkunft spricht Bände

Neben den zum Teil undurchsichtigen Bezeichnungen der tierischen Nebenerzeugnisse, spielt beim Kauf von Tierfutter und seiner Herstellung natürlich auch die Haltung des verarbeiteten Tiere eine Rolle. Stichpunkte sind hier artgerechte Haltung und Schlachtung, Stresshormone und Antibiotikagabe. Es gibt es keine verpflichtenden Haltungsangaben für Masttiere und die daraus hergestellte Produkte. Außerdem kann man die im Tierfutter verarbeiteten Bestandteile nicht zurückverfolgen. Eine Ausnahme sind Bio-Kennzeichnungen (EG-Bio) oder die Angaben eines Anbauverbands wie Demeter).

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