05.07.2019

Desorientiert und unruhig Demenz bei Hunden

Er ist unser Liebling auf vier Pfoten und begleitet uns ein Leben lang. Doch irgendwann ist auch er betagt – und dann kommen die Alterskrankheiten. Eine solche ist die Demenz beim Hund. Wie Sie Ihren Vierbeiner jetzt am besten unterstützen...

Foto: Shutterstock/Halfpoint

Er ist unser Liebling auf vier Pfoten und begleitet uns ein Leben lang. Doch irgendwann ist auch er betagt – und dann kommen die Alterskrankheiten. Eine solche ist die Demenz beim Hund. Wie Sie Ihren Vierbeiner jetzt am besten unterstützen...

Auch Haustiere können erkranken – sogar so, wie wir das sonst eher vom Menschen kennen. Demenz etwa kann Hunden genauso wie Frauchen und Herrchen das Leben erschweren. Wie Sie die schleichende Erkrankung bei Ihrem Liebling erkennen.

Es ist eigentlich so ähnlich wie bei uns Menschen: Die Lebenserwartung steigt, damit aber auch die Neigung zu Alterskrankheiten. Auch unsere geliebten Haustiere leben heute dank guter medizinischer Versorgung länger. Das bedeutet aber: Auch Hunde können an Demenz erkranken! Vor allem Hunde, die im Haus gehalten werden, leiden im Alter vermehrt am sogenannten kognitiven Dysfunktionssyndrom, das der Alzheimer-Erkrankung beim Menschen recht nahe kommt.

Mein Hund ist dement: Was ist jetzt zu tun?

Die Diagnose ist schwierig, da die Symptome schleichend kommen, und viele fragen sich: Wie gehe ich jetzt mit meinem dementen Hund um?

Zu den häufigsten Symptomen zählen

  • Desorientiertheit
  • veränderter Schlaf-Wach-Rhythmus
  • veränderter Umgang mit bekannten Menschen und Hunden
  • plötzliche Aggression
  • nicht mehr gegebene Stubenreinheit

Beim dementen Hund sterben – wie beim Menschen – im Gehirn Nervenzellen ab. Die Erkrankung beim Hund verläuft dabei ähnlich wie die Alzheimer-Erkrankung beim Menschen. Bei großen Hunderassen kann eine Demenz bereits ab dem 5. Lebensjahr auftreten, bei kleineren etwa ab dem 10. Lebensjahr.

Unsere Expertin, Tierheilpraktikerin Monika Weßeling, kennt sich mit dem Thema bestens aus und hat BILD der FRAU einige Fragen beantwortet:

Woran erkennt man, dass es sich tatsächlich um Demenz handelt und nicht lediglich um normale Alterserscheinungen?

Demenz bei Hunden kann sich durch viele unterschiedliche Symptome bemerkbar machen. Auffällig ist, dass der Schlaf-Wach-Rhythmus erheblich gestört ist. Besonders nachts wandert der Hund dann unruhig umher, bellt oft laut.

Der Hund macht allgemein einen verwirrten Eindruck. Er weiß nicht mehr, wo sein Futter- und sein Wassernapf stehen. Er läuft ohne Ziel umher, starrt auf einmal ins Leere und wirkt abwesend. Es sieht manchmal sogar so aus, als hätte er Halluzinationen und würde unsichtbare Dinge sehen (ähnlich wie bei einem dementen Menschen). Er kennt gewohnte Wege nicht mehr, verläuft sich.

Demente Hunde werden zudem oft unsauber. Sie vergessen, dass sie "raus müssen" oder vergessen draußen, warum sie dort sind. Nicht selten werden Kot und Urin plötzlich in der Wohnung abgesetzt.

Das Verhalten kann sich auch sehr schnell ändern. Plötzlich ist der Hund in bestimmten Situationen aggressiv, beispielsweise knurrt er bekannte Menschen an. Oder er zieht sich ängstlich zurück. Er möchte plötzlich weniger gestreichelt werden und hält mehr Abstand zu seinem Menschen.

Ganz wichtig ist es, bei Verdacht auf Demenz mit dem Hund den Tierarzt aufzusuchen. Eventuell sind auch andere Erkrankungen, wie z. B. Schmerzen oder Tumore, verantwortlich. Der Tierarzt wird den Hund neurologisch untersuchen. Auch ein geriatrischer Check ist notwendig.

Gibt es denn Therapiemöglichkeiten? Wie erfolgreich sind diese?

Zur Vorbeugung ist das Training sehr wichtig. Durchblutungsfördernde Mittel, die der Tierarzt verordnen kann, können helfen.

Der Hund sollte hochwertiges Nassfutter erhalten, ohne Soja, ohne Getreide, ohne Zucker. Vielleicht wird Ihr Hund auch bereits gebarft? Dann bleiben Sie dabei. Dem Futter können Vitamin E oder Omega-3-Fettsäuren zugegeben werden. Vitamin B kann ebenfalls unterstützen.

Auch die Naturheilkunde, ja sogar Homöopathie können helfen, vor allem bei Verhaltensänderungen. Eine Therapie muss jedoch immer individuell auf das Tier abgestimmt werden.

Wie gehe ich als Besitzer eines demenzkranken Hundes mit der Situation um?

Meine Tipps lauten: Liebe, Geduld, Verständnis. Begleiten Sie Ihren Hund in der letzten Phase seines Lebens. Mit meinen Empfehlungen kommen Sie und Ihr Hund im Alltag besser zurecht.

Übrigens gilt das auch für den letzten Weg: Bei der Einschläferung sollten Besitzer ihr Tier nicht im Stich lassen!

Wie kann ich meinem Hund das Leben mit Demenz so gut wie möglich erleichtern?

Trainieren Sie mit Ihrem Tier. Das ist sehr wichtig für das Gehirn. Machen Sie viele Spaziergänge an der frischen Luft mit Ihrem Hund. Spielen Sie mit ihm, dazu eignen sich besonders Ballspiele, aber Sie können auch Beschäftigungsspielzeug einsetzen. Versuchen Sie, Ihrem Hund neue Tricks beizubringen. Auch Clickertraining können Sie testen. Es gibt Hinweise, dass sogar Spiele auf dem Tablet Hunde anregen können.

Auch wechselnde Gerüche sind wichtig. Füttern Sie gelegentlich zur Abwechslung neue Leckereien. Veranstalten Sie Futterspiele, damit der Hund sich sein Futter erarbeiten muss. Durch diese Maßnahmen wird die Mensch-Hund-Beziehung nochmal gestärkt.

Ein Symptom ist geringeres Verlangen nach Zuwendung oder auch nach Spielen. Gibt es eine Möglichkeit, meinem Hund die fehlende Freude zurückzubringen?

Geistige Auslastung und Förderung ist absolut wichtig. Dazu gehört Abwechslung im Alltag. Gehen Sie bei Spaziergängen unterschiedliche Wege, animieren Sie Ihren Hund zu neuen, bisher unbekannten Spielen. Belohnen Sie Ihren Hund mit Futter, wenn er etwas richtig erlernt hat. Dieses müssen Sie dann natürlich von der üblichen täglichen Ration abziehen.

Achten Sie darauf, dass Ihr Hund nicht in Depressionen verfällt. Auch das ist mit dem Menschen vergleichbar. Besonders alte, einsame und demente Menschen werden durch geringe geistige Auslastung immer depressiver. Diese Entwicklung sollten Sie bei Ihrem Hund ebenfalls vermeiden. Ziehen Sie ggf. einen Verhaltensberater oder naturheilkundlichen Therapeuten hinzu, der Ihrem Hund helfen kann.

Wie sieht es aus mit fehlendem Appetit? Lässt sich der wieder anregen?

Wenn der Appetit nachlässt, können Sie das Futter anwärmen. So wird nämlich der Geruch intensiviert. Gerade beim Hund geht vieles "über die Nase".

Setzen Sie Edelstahlnäpfe ein? Dann wechseln Sie zu Keramiknäpfen. Zum einen sind diese lebensmittelecht, zum anderen könnte Ihr dementer Hund Angst vor der spiegelnden Oberfläche bekommen. Stellen Sie die Futterschüssel aber nicht um und bleiben Sie beim angestammten Platz.

Ein weiterer Tipp: Bierhefe kann den Appetit anregen. Bitte geben Sie diese jedoch aufgrund des Phosphatgehaltes nicht nierenkranken Hunden. Manche Hunde bekommen auch Durchfall davon. Wenn Sie einen Versuch bei einem gesunden Hund wagen wollen, starten Sie mit einer ganz geringen Menge.

Wenn ihr Hund so gar nicht fressen mag, geben Sie ihm Futter aus der Hand. Das sollte aber etwas Besonderes darstellen.

Selbstgekochte Fleisch- oder Geflügelbrühe eignet sich zum Untermischen unter das Futter. Viele Hunde mögen gerne etwas Banane als Brei oder Apfel als Mus.

Denken Sie daran, regelmäßig die Zähne Ihres Hundes untersuchen zu lassen. Zahnerkrankungen können dazu beitragen, dass der Hund kaum noch frisst. Vorbeugen können Sie, wenn Sie Ihrem Hund regelmäßig die Zähne putzen. Ihr Tierarzt wird Ihnen dazu Tipps geben.

Muss ich meinen demenzkranken Hund beim Auslauf zwingend an die Leine nehmen, obwohl er es vielleicht anders gewöhnt ist?

Ich würde immer dazu raten, den Hund an die Leine zu nehmen. Der Hund kann auf einmal ausbrechen oder spontan weglaufen und nicht zurückfinden. Die Leine bietet eine zusätzliche Sicherheit – für Mensch und Tier.

In vielen Städten in Deutschland gilt ja ohnehin die Leinenpflicht.

Haben Sie Tipps, wie sich die Pflege eines an Demenz erkrankten Tieres in den eigenen Alltag am besten integrieren lässt?

Der Hund sollte bei der Fellpflege aktiv unterstützt werden. Jetzt ist mehr Bürsten und Kämmen erforderlich. Trink- und Fressnapf sollten gut erreichbar sein. Eventuell sollten Sie jetzt im Haus mehr Trinknäpfe aufstellen.

Stellen Sie außerdem mehr Schlafplätze zur Verfügung. Wenn der Hund nicht mehr so gut springen kann, gibt es kleine Treppen, damit er zum Beispiel weiterhin auf die Couch klettern kann, wenn er diesen Platz gewohnt ist.

Wenn Ihr Hund unsauber geworden ist, dann machen Sie mit ihm besser öfter täglich kleinere Spaziergänge.

Wenn Ihr Hund nachts bellt, beruhigen Sie ihn. Sagen Sie ihm mit ruhiger Stimme, dass er nicht alleine ist. Ein dementer Hund neigt zu Depressionen.

Überlegen Sie, ob Sie einen Gassigeher oder einen Hundesitter stundenweise für Ihren Hund einstellen können.

Können auch andere Haustiere, etwa Katzen, an Demenz erkranken?

Auch Katzen können an Demenz erkranken. Sie zeigen dann ähnliche Symptome wie Hunde. Hier ist besonders das "Vokalisieren" hervorzuheben. Viele Tiere schreien plötzlich nachts in der Wohnung, weil sie nicht mehr wissen, wo sie sich befinden. Hier empfehle ich immer, ein Licht anzulassen, das Sicherheit schaffen kann.

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Anmerkung der Redaktion: Neben viel Verständnis für das erkrankte Haustier sowie verhaltenstherapeutischen Maßnahmen können in Zusammenarbeit mit dem Tierarzt auch Spezialfuttermischungen erstellt werden, die individuell auf den demenzkranken Hund abgestimmt sind. In manchen Fällen können auch vorsichtig Psychopharmaka gegeben werden – aber dies sollte dringendst mit dem Tierarzt abgesprochen werden.

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