15.05.2019

Zu Unrecht verfolgt Warum gibt es so viele schwarze Katzen im Tierheim?

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So verschmust und treu: Schwarze Katzen haben ihren schlechten Ruf zu Unrecht. Aber woher kommt der Aberglaube überhaupt?

Foto: iStock/michellegibson

So verschmust und treu: Schwarze Katzen haben ihren schlechten Ruf zu Unrecht. Aber woher kommt der Aberglaube überhaupt?

Wer sich in Tierheimen umsieht, wird schnell feststellen: Die Zahl der schwarz gefellten Katzen ist in der Regel höher als der Anteil andersfarbiger. Woran liegt das? Unsere Expertin geht der Sache auf den Grund.

Haben Sie sich auch schon einmal gefragt, wieso schwarze Katzen im Tierheim kaum beachtet und nicht adoptiert werden? Liegt das etwa wirklich am Aberglauben? Man sagt ja gerne: Schwarze Katzen bringen Unglück. Dass da absolut nichts dran ist, versteht sich eigentlich von selbst. Aber dennoch lohnt sich ein Blick in die Geschichte dieses Aberglaubens – und in das wahre Wesen der schwarzen Samtpfoten. Darüber hat sich unsere Expertin, Tierheilpraktikerin Monika Weßeling, Gedanken gemacht.

Schwarze Katzen: Aberglaube und Hexenverfolgung

Wussten Sie schon? Im frühen Mittelalter war die Bedeutung der Katze gering. Als später aber durch Schifffahrt und Handel viele Schädlinge über das Meer ins Land kamen und sich ausbreiteten, etwa Ratten und Mäuse, musste man sich überlegen, wie man Herr dieser "Plage" wird. Die Hauskatze war der ideale Jäger – und zog damit in die Dörfer und Städte.

Der Aberglaube jedoch war im Mittelalter nie fern. Und so blieb auch die Katze nicht verschont – und wurde verfolgt. Denn sie wurde als Begleiter von Hexen und Teufeln angesehen und dadurch zu einem der Symbole während der Hexenverfolgung.

Besonders litten darunter die schwarzen Katzen – alleine aufgrund ihrer Fellfarbe, denn die Farbe Schwarz verhieß im Glauben der Menschen damals nichts Gutes. Wie auch Hexen wurden schwarze Katzen daher sogar auf dem Scheiterhaufen verbrannt. Der Grund: Die Menschen dachten, dass sich Hexen in Katzen verwandeln konnten. Schwarze Katzen wurden mit schwarzer Magie in Zusammenhang gebracht, da Katzen nachts aktiv sind, wenn Menschen schlafen. Auch der kontrastreiche Unterschied des dunklen Fells und der in der Nacht leuchtenden Augen trug dazu bei.

Bei den englischen Hexen wiederum gab es angeblich eine Besonderheit: Sie hielten weiß gefleckte Katzen. Durch diese Tiere, hieß es, übten sie ihre magischen Kräfte aus.

Die Kirche trug ihren Teil zur Verfolgung und Folterung bei

1231 ernannte Papst Gregor IX. Dominikaner und Franziskaner zu "Inquisitoren". Er selbst nannte sich der "Vater der Inquisition".

Auch die Predigten von Bruder Berthold von Regensburg, einem Franziskanermönch, waren in vielen Ländern bekannt. Er war der Ansicht, dass der Atem der Katze die Pest verbreiten würde. 1272 starb der Mönch und wurde wie ein Heiliger verehrt.

Andere Prediger machten auf die Ähnlichkeit der Wörter Katze und Ketzer aufmerksam und sagten der Katze nach, dass sie vom Teufel besessen sei.

Der Dominikanermönch Heinrich Kramer schrieb 1486 in einem Kloster in Speyer den "Hexenhammer" und wurde dadurch berühmt. Auch die Katze spielte hierin eine Rolle.

Und als Papst Innozenz VIII. im Jahr 1484 einen Erlass herausgab, die sogenannte "Hexenbulle", wurden dadurch Hexenverfolgung und Inquisition gefördert – und damit wieder auch das Leiden und die Bekämpfung der Katzen sowie deren Halter: Wer eine Katze hielt, musste mit einem qualvollen Tod rechnen.

Im 16. Jahrhundert nahm die Hexen- und Katzenverfolgung noch weiter zu. Erst ab dem 17. Jahrhundert gab es nur noch wenige Hexenprozesse.

Während all dieser Zeit bezeichnete das Wort "Katze" alles Böse. Gab eine Kuh keine Milch mehr, war die Katze, die auf dem Hof lebte, schuld.

Lustig dagegen: Haustiere alleine zuhause:

Besonderheiten bei schwarzen Katzen: Was ist dran?

Leider hat sich bei vielen Menschen der Aberglaube hinsichtlich schwarzer Katzen bis heute gehalten. Noch heute glauben viele Menschen, dass schwarze Katzen über besondere Eigenschaften verfügen. Das ist natürlich – biologisch gesehen – unsinnig.

Die Fellfarbe der Katze wird von den Genen bestimmt. Verantwortlich sind die beiden Farbstoffe Eumelanin und Phäomelanin. Eumelanin ergibt eine schwarze Fellfarbe, Phäomelanin eine rote.

Schwarze Katzen sind besonders häufig bei den Rassen Manx und German Rex zu finden.

Die Bombay-Katze hingegen ist komplett schwarz gefärbt, sie sieht aus wie eine kleine Raubkatze und könnte glatt als kleiner Panther durchgehen. Auch ihr Gang entspricht dem eines Raubtiers. Sie ist sehr muskulös und hat seidig glänzendes kurzes Fell. Die großen Augen sind goldfarben, grün oder dunkelorange. Ihre Art hingegen ist ganz und gar nicht raubtierhaft: Die Bombay-Katze ist sehr schmusebedürftig und gilt als äußerst intelligent. Sie wird in den USA gezüchtet und bisher in Deutschland nur selten gehalten.

Hauskatzen sind selten komplett schwarz, fast immer ist ein wenig Weiß in der Zeichnung vorhanden, meistens am Hals oder am Kopf. Und wenn Sie genau hinschauen, leuchten viele vermeintlich schwarze Katzen im Licht rostfarben. Das liegt daran, dass ein Elterntier ein anderes Gen mitgebracht hat. Es wird außerdem vermutet, dass die Gene, die für die Schwarzfärbung des Fells verantwortlich sind, eine gewisse Hilfe gegen Krankheiten darstellen.

Übrigens: Dunkle Katzen werden in der Nacht nicht so gut gesehen und können daher besser der Jagd nachgehen.

Und natürlich sind schwarze Katzen ebenso liebenswert wie zum Beispiel Siamkatzen und all die anderen Samtpfoten und damit ganz wunderbare Haustiere. Ihre elegante Erscheinung mit dem seidig-glänzenden Fell und ihre leuchtenden großen Augen können Menschen in ihren Bann ziehen. In Asien, Neuseeland und in Großbritannien gelten schwarze Katzen übrigens als Glücksbringer. Daran können wir uns doch wunderbar ein Beispiel nehmen!

Sie haben eine Katze als Mitbewohner zuhause? Dann sollten Sie darauf achten, dass auch die Fellnase nicht jünger wird: Was muss ich tun, wenn meine Katze alt wird?

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