10.12.2018

Wuffi unterm Weihnachtsbaum Keine Tiere zu Weihnachten: Tierheime stellen Vermittlung ein

Wuffi in der Kälte: Damit an oder nach den Feiertagen weniger Tiere ausgesetzt werden, stoppen viele Tiere vor Weihnachten die Vermittlung.

Foto: iStock/MarioGuti

Wuffi in der Kälte: Damit an oder nach den Feiertagen weniger Tiere ausgesetzt werden, stoppen viele Tiere vor Weihnachten die Vermittlung.

An Weihnachten werden immer noch sehr viele Tiere verschenkt – oft aber leider an nicht ausreichend informierte Neubesitzer, die dann schnell feststellen, dass sie für die Rolle gar nicht geeignet sind. Die Tiere leiden darunter. Wie Tierheime dagegen angehen...

Mal eben zum Tierheim und einen kleinen, süßen Wauzi adoptieren? Wer sich zurzeit denkt, damit den Vierbeinern etwas besonders Gutes zu tun, um ihnen zu Weihnachten ein warmes Zuhause zu geben, steht aktuell vor verschlossenen Türen. Der Grund: Viele Tierheime in Deutschland geben vor Weihnachten keine Tiere mehr ab. Aber warum?

Tierheime geben in der Vorweihnachtszeit keine Tiere ab

Der Grund ist eigentlich ganz einfach: zum Schutz der Tiere. Denn gerade vor Weihnachten steigt die Zahl der Menschen, die ein Tier mit nach Hause nehmen wollen. Flauschig und weich sind einfach tolle Eigenschaften eines Geschenks. Genauso steigt aber nach Weihnachten eben auch die Zahl derer, die ihren neuen Begleiter wieder loswerden wollen.

Denn viele zukünftige Kurzzeit-Tierhalter überlegen sich im Vorfeld nicht gut genug, welche Verantwortung so ein Lebewesen mit sich bringt. Und wer ein Tier verschenkt, bedenkt nicht, dass das Tier und der Beschenkte vielleicht gar nicht so gut miteinander auskommen.

Also landen nach den Feiertagen und in den Wochen darauf viele der kurz zuvor vermittelten Tiere wieder im Tierheim – dem durch neuen Zuzug dann aber oft die Kapazitäten fehlen. Und für die Tiere? Für die ist das Ganze absolut nicht schön, denn sie müssen sich erst an eine neue Umgebung gewöhnen – und werden dann wieder im Stich gelassen.

Ungewollte Tiere werden oft sogar noch an Heiligabend ausgesetzt

"Glücklich" können sich dabei die Tiere schätzen, die wieder ins Tierheim gebracht werden und dort sofort wieder einen warmen Platz ergattern. Viele Tiere, vor allem Hunde – aber auch Kaninchen oder sogar Wellensittiche, werden hingegen nach Weihnachten einfach ausgesetzt, etwa an einer Raststätte. Teils passiert das sogar noch an Heiligabend selbst.

Der "Hannoverschen Allgemeinen" gegenüber sagte Gabriele Schwab vom Tierheim Bremen: "Früher konnte man an Heiligabend losfahren und die ausgesetzten Tiere einsammeln."

Durch den Vermittlungsstopp von Tieren in der Vorweihnachtszeit, den viele Tierheime seit ein paar Jahren eingeführt haben, konnte sich dieser Zustand zum Glück schon deutlich verbessern. Viel weniger heimatlose Hamster, Hasen und Co mussten den Weihnachtsabend in der Kälte verbringen.

Es bleibt nicht nur bei den Feiertagen

Jedoch zieht sich die "Aussetzungswelle" noch weiter. Denn sobald der Alltag nach den freien Feiertagen wieder einsetzt, stellt der eine oder andere fest: So ein Tier macht doch ganz schön Arbeit. Was, wenn es krank wird? Durchfallerkrankungen bei Hund und Katze müssen zum Beispiel auch behandelt werden. Wenn das Tier irgendwann alt ist? Oder einfach charakterlich nicht zu mir passt? Was, wenn ich eigentlich doch gar nicht so viel Zeit habe? Denn vor allem Hunde und Katzen können ganz schön kreativ werden, wenn sie allein zuhause sind.

Auch der Trubel in der Silvesternacht – viele Tiere kommen mit dem lauten Silvesterfeuerwerk nicht klar, manches muss sich zudem noch an die neue Umgebung gewöhnen – konfrontiert viele Neubesitzer mit vorher unbedachten Problemen.

Vermittlungsstopp dauert unterschiedlich lange – beim Tierheim nachfragen

Wie lange die mitziehenden Tierheime nicht vermitteln, ist unterschiedlich. Manche setzen in der ersten Januarhälfte die Vermittlungstätigkeit fort, andere warten noch ein paar Wochen ab. Im Zweifel sollten Sie im örtlichen Tierheim nachfragen.

Da Tiere eine viel bessere Chance haben, sich ins Familiengeschehen einzuleben, wenn der Alltag wieder in vollem Gange ist und zudem der Trubel der Feiertage fehlt, sollten sich interessierte Neubesitzer die Zeit bis dahin lassen. Aussuchen im Tierheim geht nämlich auch im Dezember – nur können die Tiere dann eben erst im Januar abgeholt werden. Dafür stellen viele Tierheime Gutscheine aus – damit zumindest etwas unter dem Weihnachtsbaum liegt.

Wird ein Tier verschenkt, hat der Beschenkte damit auch noch etwas Bedenkzeit und kann sich überlegen, ob tatsächlich Zeit und Muße für ein Tier da ist – und kann es im Tierheim natürlich besuchen und schon einmal kennenlernen. Das gibt allen Seiten Vertrauen.

Trotz dieser Einschränkung: Das Tierheim ist immer noch die beste Anlaufstelle für einen neuen, flauschigen Mitbewohner. Denn hier landen Tiere, die nicht mehr gewollt wurden und sich nach einer Familie sehnen. Wer zum Züchter geht, sollte sich im Vorfeld genauestens informieren. Und darauf, Welpen bei Ebay zu kaufen, sollten Sie gänzlich verzichten. Mit Tieren werden einfach zu viele miese Geschäfte gemacht.

Denn wir sollten niemals vergessen: Tiere sind keine Ware. Tiere sind Lebewesen, die fühlen und spüren, wenn sie geliebt – oder eben nicht geliebt werden. Diesen Respekt sollten wir ihnen entgegenbringen. Und das gilt nicht nur für die Weihnachtszeit, sondern das gesamte Jahr über.

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