17.10.2018

Nicht nur beim Menschen Durchfallerkrankungen bei Hund und Katze: Was hilft?

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Körperliche Schwäche ist neben flüssigem Kot ein Anzeichen für Durchfall beim Hund – und auch bei der Katze. Zieht sich das Tier zudem sehr zurück und lässt sich kaum ansprechen, sollten Sie einen Tierarzt kontaktieren.

Foto: iStock/Lindsay_Helms

Körperliche Schwäche ist neben flüssigem Kot ein Anzeichen für Durchfall beim Hund – und auch bei der Katze. Zieht sich das Tier zudem sehr zurück und lässt sich kaum ansprechen, sollten Sie einen Tierarzt kontaktieren.

Durchfall gehört zu den häufigsten Erkrankungen unserer vierbeinigen Freunde. Was Sie dazu beachten sollten und wie Sie Hund und Katze bei Durchfallerkrankungen unterstützen können...

Was beim Menschen passiert, kann beim Tier ebenso vorfallen: Auch unsere vierbeinigen Wegbegleiter bleiben vor Erkrankungen des Magen-Darm-Trakts nicht verschont. Was passiert, wenn Hund und Katze unter Durchfall leiden, was alles Auslöser sein können und was Sie dann unternehmen sollten: Unsere Expertin, Tierheilpraktikerin Monika Weßeling, gibt Auskunft – damit es unseren Fellnasen schnell wieder besser geht.

Wie erkenne ich eine Durchfallerkrankung beim Hund oder der Katze?

Beim Tier ist es im Grunde wie beim Menschen: Durchfall wird ausgelöst durch eine Entzündung des Magen-Darm-Bereichs und kann durch unterschiedliche Erkrankungen verursacht werden. Aber auch den Magen-Darm-Trakt reizende Nahrung bzw. aufgenommene Fremdkörper können die Beschwerden verursachen, die sich wie folgt äußern:

  • Der Kot ist ungeformt und breiig, evtl. auch flüssig.
  • Der Hund macht viele weiche Haufen über den Tag verteilt, die Katze sucht oft ihre Toilette auf.
  • Der Kot ist oft von Schleim umhüllt, Blut kann enthalten sein.
  • Der After ist durch den ständigen Drang des Tieres gerötet.
  • Hund oder Katze fühlen sich nicht wohl und leiden unter körperlicher Schwäche und unter Bauchschmerzen und Blähungen.
  • Das Fell des Tieres ist am After verschmiert. Besonders gut ist das bei Tieren mit langem Fell erkennbar.
  • Fieber kann auftreten.
  • Eine große Gefahr besteht in der Austrocknung.

Hunde bekommen häufiger Durchfall als Katzen. Das liegt daran, dass viele Hunde Unbekömmliches in der Natur oder auch Abfall aus der Mülltonne fressen.

Wodurch wird Durchfall bei Hunden und Katzen verursacht?

Durchfall kann durch Parasiten, Viren, Vergiftungen oder durch Unbekömmliches verursacht werden. Auch Futterumstellungen können, wenn zu hastig durchgeführt, schnell zu weichem Kot führen. Hunde neigen außerdem dazu, Schnee zu fressen oder Futter sehr schnell herunterzuschlingen. All das reizt den Verdauungstrakt.

Jungtiere haben zudem manchmal Würmer, durch die es eben auch zu Durchfall kommen kann. Sie können dies dann an einem dickeren, aufgeblähten Bauch erkennen, dem sogenannten Wurmbauch. Hier muss der Tierarzt unbedingt eine Entwurmung vornehmen.

Antibiotika führen – wie beim Menschen auch – ebenfalls sehr oft zu weichem Kot oder Durchfall. Antibiotika dürfen Sie dann jedoch nicht eigenmächtig absetzen, bitte halten Sie vorab unbedingt Rücksprache mit Ihrem Tierarzt.

Des Weiteren tritt Durchfall häufig auf, wenn das Tier chronisch erkrankt ist. Eine Pankreatitis (Bauchspeicheldrüsenerkrankung) zum Beispiel beeinflusst den Kot stark. Auch hier sollten Sie auf jeden Fall den Tierarzt konsultieren, um dem Tier keine zu großen Schmerzen und Beschwerden zuzumuten und das weitere Vorgehen bei der Behandlung zu besprechen.

Wichtig ist also: Bitte warten Sie bei Durchfallerkrankungen nicht zu lange ab. Besonders ältere Tiere oder Jungtiere werden durch Durchfall stark geschwächt. Bei starker Austrocknung sollte der Tierarzt Ihrem Tier eine Infusion verabreichen. Kommt der Durchfall bei Hund und Katze häufiger vor, ist eine gründliche Untersuchung unumgänglich. Dazu untersucht der Tierarzt Blut und Kot und erstellt ein Kotprofil. Eventuell kommen noch andere Untersuchungen, wie Ultraschall oder Röntgen, hinzu.

Was tun, wenn's nur noch läuft? Mehr auf der nächsten Seite...

 

Chronischer Durchfall: Was tun, wenn's nur noch läuft?

Wenn Ihr Tier häufig unter Durchfall leidet, sollten Sie eine Darmsanierung in Betracht ziehen. Dazu lassen Sie in einem Labor die Darmflora Ihres Tieres untersuchen. Nebst diesem Darmflora-Screen gibt es noch Untersuchungen auf Parasiten, wie Würmer und Giardien. Dazu werden zwei Röhrchen mit Kot an das Labor geschickt: Einmal frischer Kot (vom gleichen Tag), das zweite Röhrchen wird mit Sammelkot befüllt und dient zur Untersuchung auf Parasiten. Hierzu sammeln Sie im Vorfeld Kot an drei aufeinanderfolgenden Tagen.

Eine Kotprobe sollten Sie immer in einem Kotröhrchen abgeben, nicht in einem anderen Behältnis, ansonsten besteht die Gefahr der Kontamination und die Probe kann falsche Ergebnisse liefern. Kotröhrchen erhalten Sie bei Ihrem Therapeuten oder in der Apotheke.

Durchfälle, die phasenweise auftreten und bei denen die Kotuntersuchung keine Ergebnisse erbracht hat, können allerdings auch durch Stress verursacht werden. Beobachten Sie Ihr Tier, ob es auffälliges Verhalten zeigt und möglicherweise stressigen Situationen ausgeliefert ist.

Wann sollten Sie auf jeden Fall den Tierarzt aufsuchen?

Beobachten Sie Ihr Tier genau. Es ist wegen der Austrocknungsgefahr sehr wichtig, dass es ausreichend Wasser zu sich nimmt. Wenn es zu wenig trinkt, können Sie ihm ungesalzene und entfettete Geflügel- oder Fleischbrühe kochen. Durchfall führt auch zu Mineralstoffmangel, der Tierarzt kann Ihnen in solchen Fällen eine Elektrolyt-Lösung für Ihr Tier mitgeben. Wann Sie mit dem Tierarztbesuch auf keinen Fall zögern sollten:

  • Ihr Tier zeigt ein anderes Verhalten, wie beispielsweise plötzliche Aggressivität.
  • Der Durchfall wird sehr häufig abgesetzt und ist mit Blut oder mit Schleim durchsetzt.
  • Hund oder Katze schreien laut auf beim Absetzen des Kots.
  • Auch wenn Katzen plötzlich weichen Kot im Haus absetzen und nicht mehr in der Katzentoilette, sollten Sie das Tier unbedingt untersuchen lassen.
  • Fieber weist fast immer auf einen Infekt hin.
  • Nach etwa 2 Tagen ist keine Besserung eingetreten.
  • Das Tier bricht zusätzlich sehr stark.
  • Sie haben ein Jungtier zuhause, das an Durchfall leidet. Bei jungen Tieren kann dieser sehr gefährlich werden.
  • Wenn Sie eine Vergiftung oder einen Darmverschluss vermuten, müssen Sie sofort mit dem Tier zum Tierarzt gehen. Sollte Ihr Tier eine giftige Pflanze oder Ähnliches gefressen haben, nehmen Sie diese mit zum Tierarzt.
  • Das Tier zieht sich sehr zurück und ist kaum noch ansprechbar.

Wie können Sie feststellen, ob Ihr Tier ausgetrocknet ist?

  • Sie ziehen im Nacken eine Falte hoch: Diese muss sofort verschwinden und darf nicht "stehen bleiben".
  • Die Augen können eingefallen wirken.

Auch Zuhause können Sie Ihrer Katze oder Ihrem Hund bei Durchfall aber schon weiterhelfen. Mehr dazu lesen Sie auf der nächsten Seite:

 

Was lässt sich Zuhause tun?

Fällt der Durchfall nicht zu stark aus und fühlen Sie sich sicher, mit der Situation zumindest ein, zwei Tage klarzukommen, können Sie es mit Hausmitteln wie der Moro'schen Karottensuppe oder ein paar anderen Tipps probieren. Beobachten Sie Ihr Tier und dessen Verhalten dabei aber genau.

Hilfe bei Durchfall: Möhrensuppe

Bei harmlosem Durchfall von Katzen und Hunden hilft die Moro’sche Karottensuppe. Der Kinderarzt Professor Ernst Moro hat diese Suppe Anfang des 19. Jahrhunderts erfunden. Zu dem damaligen Zeitpunkt starben viele Kinder an Durchfallerkrankungen. Professor Moro konnte mit diesem einfachen Mittel die Sterberate von Säuglingen und Kleinkindern in der Kinderklinik in Heidelberg deutlich senken. Lange Zeit wurde die Möhrensuppe standardmäßig eingesetzt, jedoch geriet sie irgendwann in Vergessenheit. Stattdessen stieg der Einsatz von Antibiotika immer mehr an.

Was Kindern und ebenfalls Erwachsenen hilft, hilft in diesem Fall tatsächlich auch dem Tier. Denn die Suppe wird standardmäßig nur mit wenig Salz gewürzt. In der Tierheilkunde wird die Suppe daher erfolgreich eingesetzt.

Warum die Moro'sche Karottensuppe bei Durchfall so gut wirkt und wie Sie das Hausmittel herstellen, lesen Sie ebenfalls bei uns. Das Rezept können Sie problemlos 1:1 übernehmen.

Hunde und Katzen sind selten von der puren Möhrensuppe begeistert. In diesen Fällen können Sie Hühnerschenkel oder ein ganzes Huhn mitkochen oder gesondert kochen. Ein mitgekochtes Huhn nehmen Sie nach der Kochzeit aus der Suppe und entfernen Haut, Fett und Knochen. Das kleingeschnittene Fleisch geben Sie dann wieder in die Möhrensuppe.

Eine weitere Alternative besteht darin, die Suppe mit gekochten und pürierten Kartoffeln anzureichern.

Wenn Hund oder Katze die Suppe aber partout nicht anrühren, mischen Sie sie ansonsten unter das normale Futter.

Sie sollten nur kleine Mengen füttern, und zwar mehrmals täglich, jedoch nicht mehr als 2 Prozent des Körpergewichts. Bei einer 5 kg schweren Katze entspricht das maximal 100 g Suppe. Die Moro'sche Möhrensuppe können Sie aber sehr gut auf Vorrat kochen und in kleinen Portionen anschließend einfrieren. Im Kühlschrank hält sie sich etwa zwei Tage.

Ulmenrinde als Mittel gegen diverse Verdauungsprobleme

Ein weiteres, sehr bewährtes Mittel ist die Ulmenrinde. Gewonnen wird sie aus der Rot-Ulme, einem Laubbaum, der in Amerika wächst. Ulmenrinde wird auch "Slippery Elm Bark" (SEB) genannt weil in der inneren Rinde Stärke und Schleimbestandteile enthalten sind. Schon die Indianer nutzten sie als Heilmittel, sie stellten aus der Rinde Umschläge und Tee her. Die Rinde enthält einen hohen Anteil an Rohfasern, Bitterstoffen, die den Appetit anregen, Gerbsäuren, Schleimstoffe, Vitamine und Mineralien. Daher wirkt Ulmenrinde sehr gut auf die gesamte Verdauung.

Bitte achten Sie auf gute Qualität beim Kauf der Ulmenrinde. Sie muss gemahlen sein und eine rötliche Farbe haben. Aus der Ulmenrinde können Sie einen Sirup oder Brei mit etwas Wasser kochen und diesen dann abgekühlt dem Tier geben. Bei Hunden können Sie dem Brei eine geringe Menge Honig zugeben. Falls das Tier die Ulmenrinde vollständig ablehnt, können Sie ihm mit einer Einwegspritze ohne Nadel den Brei direkt ins Maul geben.

Ulmenrinde eignet sich nicht nur zur Behandlung von Durchfall, sondern auch bei säurebedingten Magenbeschwerden, besonders bei nierenkranken Katzen. Sie hilft auch bei Appetitlosigkeit.

Nebenwirkungen von Ulmenrinde sind nicht bekannt. Sie sollten jedoch zwischen Futter oder Medikamenten und der Gabe von Ulmenrinde mindestens eine halbe Stunde Abstand einhalten, da der Schleim der Ulmenrinde die Absorption von Medikamenten verhindern kann.

Welche anderen Hausmittel helfen? Mehr auf der nächsten Seite...

 

Sonstige Hausmittel: Von Trockenhefe bis Homöopathie – was ist sinnvoll?

  • Lebende Trockenhefe, die Sie in Kapselform in der Apotheke erhalten, stoppt Durchfall sehr schnell.
  • Ein Hund kann einen Tag lang fasten. Danach können Sie ihm Schonkost geben. Diese sollte aus Hüttenkäse und gekochtem Huhn bestehen.
  • Katzen dürfen Sie nicht die Nahrung entziehen. Katzen trinken wenig und decken ihren Flüssigkeitsbedarf vorwiegend über ihr Futter ab. Außerdem kann beim Fasten ein Eiweißstoffmangel entstehen, der zur Verfettung der Leber führen kann (hepatische Lipidose).
  • Ballaststoffe wie Kleie oder Flohsamen können die Konsistenz des Kots schnell verbessern.
  • Präbiotika fördern die Vermehrung der guten Darmbakterien. Die löslichen Pflanzenfasern können dazu beitragen, dass sich die Darmflora wieder schnell erholt. Pektin und Inulin gehören dazu, aber auch ein ungeschälter und geriebener Apfel.
  • Toxinbinder machen die Giftstoffe unschädlich. Dies gelingt mit Aktivkohle oder Bentonit.

Homöopathische Mittel sollten Sie immer in Abstimmung mit Ihrem Therapeuten geben. Sie müssen individuell auf das jeweilige Tier abgestimmt werden. Das trifft ebenso auf Bachblüten zu. Falls es sich um einen stressbedingten Durchfall handelt, der in bestimmten Situationen öfter auftritt (beispielsweise vor einer Reise), kann sich sehr gut eine Bachblüten-Therapie zur Beruhigung eignen.

Ein gesunder Darm ist äußerst wichtig für Mensch und Tier

Als Langzeittherapie für einen Darmaufbau eignet sich die Mykotherapie sehr gut. Das sind Vitalpilze aus der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM). Vitalpilze gibt es in Kapseln. Das darin gepresste Pulver kann in das normale Futter gemischt werden und die Akzeptanz bei Katzen ist sehr gut.

Es gibt mehrere Pilze, die für eine Behandlung in Frage kommen. Auch hier muss immer das ganze Tier betrachtet werden. Es gibt auch Vitalpilze, die bei Stress oder Unruhe eingenommen werden können. Ihr Tierarzt oder Tierheilpraktiker berät Sie da sicher gern.

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Monika Weßeling ist Tierheilpraktikerin und Katzenexpertin in Langenfeld (Rheinland). Mehr Infos zu ihr und ihrer Arbeit finden Sie auf tierheilpraxis-wesseling.de

Weitere Tipps zum Thema Haustier lesen Sie außerdem auf unserer Themenseite.

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