25.09.2018

Abschied vom treuen Begleiter Bei der Einschläferung: Besitzer sollten ihr Tier nicht im Stich lassen

Wenn ein Haustier eingeschläfert werden muss, ist das keine leichte Situation für Mensch und Tier. Eine Expertin erklärt, welche Rolle der Besitzer in dem Moment spielt und wie er sich verhalten sollte.

Foto: iStock/andresr

Wenn ein Haustier eingeschläfert werden muss, ist das keine leichte Situation für Mensch und Tier. Eine Expertin erklärt, welche Rolle der Besitzer in dem Moment spielt und wie er sich verhalten sollte.

Endgültig Abschied nehmen vom geliebten Haustier fällt vielen Besitzern sehr schwer. Auch das Tier kann dadurch in seinen letzten Minuten leiden. Eine Tierärztin erklärt, wie die Einschläferung für den Hund oder die Katze schonender wird.

Der Hund oder die Katze sind treue Begleiter des Menschen. Oft ist das geliebte Haustier fast sein ganzes Leben lang an der Seite seines Besitzers. Zusammen erleben sie unzählige schöne Stunden. In Krisensituationen aber natürlich auch Zeiten des Bangens und Hoffens. Irgendwann heißt es jedoch Abschied nehmen – für immer. Ein Tier einschläfern zu lassen ist ein schwieriger Moment für den Besitzer – und häufig auch für das Tier.

Tiere einschläfern: So schlimm kann der Moment für das Tier sein

Bei Twitter hat die Userin Jessi Dietrich vor wenigen Monaten darüber berichtet, was es heißt, wenn das geliebte Haustier eingeschläfert werden muss. Sie erklärte, wie schlimm die letzten Minuten für die Tiere sein können, wenn der Besitzer bei der Einschläferung nicht für sein Tier da ist. Der Post bekam weltweite Aufmerksamkeit.

BILD der FRAU hat mit Tierärztin Dr. Barbara Juara Gusman über die Einschläferung von Hunden und Katzen gesprochen. Auch für die Expertin kein leichtes Thema, aber eines, über das man reden sollte. Denn auch in den letzten Minuten sollten der Besitzer und das Tier den Weg zusammen gehen.

Wann ist eine Einschläferung sinnvoll?

Was ist der häufigste Grund, dass Haustiere eingeschläfert werden müssen?

Dr. Barbara Juara Guzman: Das fortgeschrittene Alter der Tiere.

Ist es oft so, dass die Besitzer zu lange mit den Einschläfern warten?

Zu oft würde ich nicht sagen, aber es kommt immer wieder vor. Die Besitzer denken in dieser Situation leider mehr an sich, weil sie nicht ohne das Tier leben wollen. Deshalb zögern sie den Entschluss, das Tier einschläfern zu lassen, immer weiter hinaus, obwohl das manchmal aus medizinischer Sicht ein bisschen früher sinnvoller gewesen wäre.

Wann sollte ein Besitzer über eine Einschläferung nachdenken? Gibt es bestimmte Anzeichen?

Ja, zum Beispiel, wenn das Tier Schmerzen hat und ohne oder sogar mit Schmerzmitteln nicht mehr schmerzfrei leben kann. Und wenn zudem klar ist, dass sich dieser Zustand auch nicht mehr verbessern wird – zum Beispiel bei einer Arthrose oder einer Tumorerkrankung – sollte über eine Einschläferung nachgedacht werden. Oder auch, wenn das Tier nicht mehr richtig Laufen kann oder inkontinent wird. Dadurch sinkt die Lebensqualität für das Tier enorm. Wenn ein Besitzer unsicher ist, sollte er mit seinem Tierarzt über das Thema sprechen, so können dem Tier eventuell unnötige Leiden erspart werden.

Das passiert bei einer Einschläferung

Wie ist es für Sie, wenn Sie ein Tier einschläfern müssen?

Das ist von Fall zu Fall unterschiedlich. Wenn ich ein Tier sehe, zum Beispiel einen alten oder kranken Hund und ich erkenne, dass er leidet, weil er beispielsweise nicht mehr aufstehen kann oder nicht mehr richtig frisst, dann macht mir das nichts aus dieses Tier einzuschläfern. Ich denke in dem Moment daran, dass es jetzt das Beste für das Tier ist. Es muss nicht bis zum bitteren Ende kämpfen, bis es von alleine soweit ist, sondern ich kann ihm helfen und es von seinen Qualen befreien.

Wie sehr mich eine Einschläferung persönlich mitnimmt, hängt aber immer auch davon ab, wie die Besitzer das auffassen. Manche sind ganz gefasst, andere fangen an zu weinen – und dann muss ich mich auch immer sehr zusammenreißen.

Wie läuft eine Einschläferung ab?

Normalerweise wird das Tiere zunächst in Narkose gelegt. Dafür kriegt es eine Spritze, meistens in den Muskel. Es dauert so ca. fünf bis zehn Minuten, bis das Tier danach fest eingeschlafen ist – die Zeit variiert, je nach Dosis oder Vorerkrankung. Im Tiefschlaft bekommt das Tier anschließend die endgültige Spritze, mit der es eingeschläfert wird. Aber zu dem Zeitpunkt schläft es bereits richtig tief und bekommt davon nichts mehr mit.

Verspüren die Tiere dabei Schmerzen?

Natürlich spüren sie die Narkose-Spritze an sich, das ist ein kleiner Stich, den merken sie. Ansonsten sollte die Einschläferung komplett schmerzfrei sein.

Tipps für Besitzer während der Einschläferung

Wie sollen sich Besitzer in so einer Situation verhalten?

Die Besitzer sollten tatsächlich bei der Einschläferung dabei sein, zumindest bis zu dem Moment, in dem das Tier eingeschlafen ist. Noch besser ist es natürlich, wenn sie wirklich bis zum Schluss an der Seite ihres Tieres bleiben.

Außerdem ist es schonender für das Tier, wenn die Einschläferung zu Hause, in gewohnter Umgebung stattfindet und das Tier keine langen Transportwege mehr zurücklegen muss.

Merken die Tiere in dieser Situation, dass etwas nicht stimmt?

Die Tiere merken in dem Moment natürlich, dass etwas anders ist. Ihr Besitzer ist aufgeregt oder aufgewühlt. Das kann die Tiere in eine Stresssituation versetzen. Am besten ist es, wenn der Besitzer ganz ruhig dabei ist. Das Tier einfach streichelt, mit ihm redet und für es da ist. Die Situation und das Stresslevel steht und fällt von der Stimmung des Herrchens oder Frauchens.

Das sollten Besitzer unbedingt vermeiden

Gibt es ein Verhalten von Besitzern, für das Sie kein Verständnis haben?

Ich habe selber Tiere und ich persönlich kann nicht verstehen, dass Besitzer in dem letzten Moment nicht dabei sein möchten. Dass man das Tier beim Arzt abgibt und sagt: 'Machen Sie es bitte', das finde ich sehr egoistisch in dem Moment. In solchen Situationen kann ich leider nichts machen, ich kann niemanden zwingen dabei zu sein. Aber das Verhalten finde ich unangebracht. Das Tier war ein treuer Begleiter, da haben die Besitzer auch eine gewisse Verpflichtung, den Weg mit dem Tier bis zum Ende zu gehen.

Haben Sie in dem Moment der Einschläferung mehr mit den Menschen zu tun, als mit dem Tier selber?

Nein, in dem Moment bin ich ganz konzentriert darauf, dass alles professionell abläuft und dass dieser Moment des Einschläferns dann schnell über die Bühne geht. Im Augenwinkel kriege ich natürlich mit, was der Besitzer macht aber ich konzentriere mich wirklich nur auf das Tier.

Vor und nach der Einschläferung kümmere ich mich meist mehr um den Menschen. Ich versuche ihn beispielsweise zu bestätigen, dass die Entscheidung richtig ist und dass alles gut ist. Durch gutes Zureden werden die Besitzer meist entspannter, das hilft der ganzen Situation.

Kann jedes Tier eingeschläfert werden?

Haben Sie schon mal eine Einschläferung verweigert?

Klar habe ich diese Situation schon erlebt. Wenn es keinen medizinischen Grund für die Einschläferung gibt, dann lehne ich das auch ab. Zum Beispiel wenn ich das Gefühl habe, dass finanzielle Gründe oder andere persönliche Interessen des Besitzers dahinter stecken. Wenn der Besitzer das Tier einfach nur loswerden will.

Ein Landwirt hat mich einmal darum gebeten, dass ich seinen Hund einschläfern sollte. Als ich auf den Hof kam lief mir der Hund sehr glücklich entgegen. Ich konnte keinen wirklichen medizinischen Grund erkennen, in dem Fall habe ich die Einschläferung verweigert.

Was passiert mit den Tieren nach der Einschläferung?

Das ist dem Besitzer vorenthalten. Wenn nach der Einschläferung kein spezieller Wunsch besteht, was mit dem Tier geschehen soll, kommt sein Kadaver zur Tierkörperbeseitigungsanstalt. Viele Besitzer wollen ihr Haustier aber selber begraben. Es gibt natürlich Vorschriften, was das angeht aber vor allem auf dem Land und auf Höfen werden die meisten Haustiere – und hiermit sind vor allem die Hunde gemeint – im Garten vergraben. Das Herrchen oder Frauchen kann sich auch für andere Wege entscheiden, zum Beispiel für eine Einäscherung oder für ein Grab auf einem Tierfriedhof.

Mittlerweile gibt es auch ganz ungewöhnliche Angebote, damit Besitzer sich auch nach dem Ableben des Tieres mit ihm verbunden fühlen können. Zum Beispiel ist eine Tätowierung mit der Asche des Haustiers möglich.

Wenn ein Haustier eingeschläfert werden muss, ist das immer traurig. Hier berichten Besitzer, wie sehr sie getrautert haben, nachdem ihr Haustier gestorben ist.

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Übrigens: So kreativ sind Hunde & Katzen, wenn sie allein zu Hause sind – klicken Sie rein.

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