07.01.2019

Katze anschaffen Was braucht eine Wohnungskatze wirklich?

Braucht eine gesunde Katze immer einen Garten? Was braucht eine Wohnungskatze wirklich? Wir fragen den Experten...

Foto: iStock/helenaak

Braucht eine gesunde Katze immer einen Garten? Was braucht eine Wohnungskatze wirklich? Wir fragen den Experten...

Wohnungskatzen sind tabu? Nicht unbedingt, doch wer sich eine Wohnungskatze anschaffen möchte, sollte einiges beachten.

Natürlich sind die meisten Katzen in einem großen Garten mit echten Rinden zum Krallen wetzen, Mäusen zum Jagen und Bäumen zum Klettern am besten aufgehoben. Doch es gibt auch Ausnahmen: Stubentiger, die ein warmes, bequemes Zuhause mit regelmäßigen Mahlzeiten sehr zu schätzen wissen. Mit dem Katzenexperten und Buchautor Alexander Zimmermann haben wir darüber gesprochen, wann es okay ist, eine Katze in der Wohnung zu halten und welche Ausstattung und Umstände so eine Wohnungskatze dann benötigt.

Richtig ausgestattet: Was braucht eine Wohnungskatze

BILD der FRAU: Häufig heißt es, Wohnungskatzen seien tabu. Und wenn Stubentiger, dann niemals in Einzelhaltung. Stimmt das? Braucht eine Katze immer einen großen Garten und einen Kompagnon auf vier Samtpfoten?

Alexander Zimmermann: Generell schon. Aber natürlich gibt es auch hier Ausnahmen. Nehmen wir eine kranke, altersschwache Katze, die die letzten Jahre im Tierheim verbracht hat. Die freut sich über ein warmes Zuhause mit fürsorglichen Zweibeinern und wird nicht allzu traurig sein, wenn es keinen Garten gibt. Hauptsache das Personal und der Service stimmen.

Eine junge Katze vom Bauernhof sollte man hingegen keinesfalls nur in der Wohnung halten. Und auch wenn sich mancher Vierbeiner bei der Heimkehr freut, als sei man ein halbes Jahr auf einer Polar-Expedition gewesen, kann er es durchaus verkraften, ein paar Stunden alleine zu bleiben.

Den ganzen Tag oder regelmäßig über längere Zeit alleine bleiben zu müssen, kann jedoch auf die Katzenpsyche schlagen. Hier sind ein vierbeiniger Spielpartner oder zweibeiniges Betreuungspersonal auf jeden Fall ratsam.

Was macht ein Katzenparadies in vier Wänden aus?

Wo soll ich da anfangen? Als erstes ist es natürlich wichtig, dass es Schlafplätze gibt. Sehr viele Schlafplätze. Und das bedeutet nicht nur ein Katzenbett. Ein Fensterbrett, ein Korb mit frisch gebügelter Wäsche, das Kopfkissen im Bett oder der viel zu kleine Karton von der letzten Online-Bestellung – das geht für die meisten Katzen als formidable Schlafgelegenheiten durch.

Dann sollte es noch einen ruhigen, nicht so leicht einsehbaren Platz für das Katzenklo geben, ein bisschen Spielzeug (ein gekaufter Feder-Puschel und eine Aufziehmaus können ebenso begeistern wie eine Papierkugel oder eine Wollmaus unter dem Schrank). Für Wohnungskatzen ist ein Kratzbaum ein absolutes Muss. Zum Spielen, Klettern, Schlafen und um erhaben über der Wohnung und dem zweibeinigen Volk zu thronen. Und natürlich lässt ein frisch gefüllter Futternapf jedes Katzenherz höher schlagen.

Bis ein Tigerchen stubenrein ist, können einige Teppichreinigungen vergehen. Was benötigt die optimale Katzentoilette, damit es sich wohlfühlt?

Sauberkeit, Sauberkeit und Sauberkeit. Das kennen wir ja von uns selbst: Wer geht schon gerne auf ein ekliges, schmutziges Klo? Und gerade für Katzen, die kaum etwas so sehr schätzen wie Reinlichkeit, ist das ganz wichtig. Außerdem sollte eine Katzentoilette nicht im gleichen Raum wie die Futternäpfe, sondern eher an einem ruhigen Ort stehen. Am besten sollte sie zudem blickgeschützt sein und nicht in der Zugluft stehen.

Die größten Ernährungsirrtümer: Diese Lebensmittel sind für Katzen giftig

Katzen werden irrtümlicherweise häufig mit Milch in Verbindung gebracht. Was sind die größten Ernährungsirrtümer und welche Nahrungsmittel tun Katze tatsächlich gut?

Einem der größten Irrtümer verfalle ich auch gerne mal selbst, wenn ich meinen Kater füttere. "Der hört schon auf, wenn er satt ist", denke ich mir dann. Sein Wohlstandsbäuchlein spricht eine andere Sprache. Katzen haben kein wirkliches Sättigungsgefühl.

Deshalb sollte man unbedingt auf Dosierung und Menge achten. Und das mit der Milch ist natürlich noch immer ein weit verbreiteter Mythos. Nur Katzen, die ihr ganzes Leben lang Milch getrunken haben, können den Milchzucker verdauen. Bei allen anderen sollte man lieber Katzenmilch geben.

Und auch, dass Fertigfutter schlecht ist, kann man nicht so allgemein sagen. Viele Fertig-Päckchen haben eine sehr gute Zusammensetzung von Nährstoffen. Aber optimal ist natürlich noch immer die Maus – zum einen weil sie viele wichtige Nährstoffe enthält, zum anderen weil die Jagd auch gleichzeitig eine sportliche Betätigung ist und Katzenkörper und -geist fit hält.

Was das Stibitzen von Essen angeht, sind Katzen wahrhafte Meister. Welche Nahrungsmittel sollten aber lieber ganz hinten im Schrank verschwinden, weil sie giftig für Katzen sind?

Auch wenn sie derzeit voll im Nahrungstrend liegt: Avocados sind für Katzen hochgiftig. Ebenso wie Schokolade, Kaffee, Trauben und Rosinen, rohe Kartoffeln und Steinobst. Weiterhin ist natürlich bei vielen Dingen Vorsicht geboten, die auch für uns Menschen giftig sind. Putzmittel zum Beispiel. Aber auch Insekten- oder Mäusegifte. Genauso sollte man einige Pflanzen lieber außer Reichweite von Katzen aufbewahren – Weihnachtsstern, Tulpe oder Azalee sind ebenfalls giftig für die Vierbeiner.

Wenn es doch mal schief geht: Was darf in der heimischen Katzenapotheke nicht fehlen?

Die richtige Katzenapotheke unterscheidet sich von der menschlichen gar nicht so sehr. Heftpflaster, Wundsalbe und Fieberthermometer gehören ebenso hinein wie eine elastische Binde oder eine Rettungsdecke, damit der Vierbeiner nicht auskühlt, wenn er sich nicht bewegen kann. Ansonsten sollten auch Einwegspritzen (ohne Nadel) vorhanden sein, um ungeliebte Medikamente direkt in den Mund verabreichen zu können. Eine Wurmkur gehört natürlich ebenfalls dazu. Und Leckerlis. Denn bei kleineren Wehwehchen helfen bereits Ruhe, Liebe und ein kleiner Snack.

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Darum ist eine Kastrationspflicht für Katzen sinnvoll. Und so kreativ sind Katzen, wenn sie allein zu Hause sind.

Mehr zum Thema Wohnungskatze finden Sie in Alexander Zimmermanns Buch "So geht Katze", Gräfe und Unze Verlag GmbH (13.09.2017), 144 Seiten.

Viele Infos zum Thema Haustiere – ob Katzen, Hunde oder andere tierische Freunde – finden Sie auf unserer Themenseite.

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