26.05.2017

Dubiose Hundehändler Diese Welpen konnten in letzter Sekunde gerettet werden

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Diese Hundebabys wurden in Ingolstadt in der Wohnung eines Welpenhändlers beschlagnahmt.

Foto: Frank Boxler

Diese Hundebabys wurden in Ingolstadt in der Wohnung eines Welpenhändlers beschlagnahmt.

Ein Report über skrupellose Welpen-Dealer: So gelang es einer Tierschützerin 14 Welpen aus den Fängen der Hundebaby-Mafia zu befreien.

Es kommt Christin P. (33) gleich seltsam vor, als sie die Kleinanzeige im Internet liest: Da bietet jemand sechs Chihuahua-Welpen an, für 390 Euro pro Hund. „Über WhatsApp nahm ich Kontakt auf“, sagt sie. „Ich wollte wissen, was dahintersteckt und hab nach dem Alter der Tiere gefragt.“ Der Händler antwortet in gebrochenem Deutsch: „Acht Wochen. Wann wollen schauen?“

Als Christin P. nach dem Muttertier fragt, kommt nur: „In Tschechien.“ Christin P. ist sofort klar: „Hier will jemand mit Billig-Welpen aus Osteuropa das schnelle Geld machen.“ Die aufmerksame Tierfreundin meldet ihren Verdacht dem Veterinäramt – und die Anzeige im Internet wird gelöscht.

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Die Welpen-Mafia

Doch zwei Monate später taucht der dubiose Händler erneut im Netz auf – wieder mit viel zu jungen und zu günstigen Welpen. Christin P. meldet den Vorfall erneut – und diesmal geht alles ganz schnell: 14 Hundewelpen unterschiedlicher Rassen beschlagnahmt das Veterinäramt Ingolstadt im Beisein der Polizei und einer Mitarbeiterin des Tierheimes in der Wohnung des Händlers. Der Mann hat die Hunde mit gefälschten Impfausweisen illegal nach Deutschland gebracht und will sie ohne Kennzeichnung (Chip), gültige Papiere und Händler-Genehmigung im Internet verkaufen. Ihn erwartet jetzt eine Geld- oder auch Haftstrafe. Die 14 Hundebabys kommen ins Tierheim – zwei sind zu geschwächt, sterben kurz darauf.

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Es ist das miese Geschäft mit den Internet-Welpen. Immer wieder werden junge Hunde auf Seiten wie Ebay-Kleinanzeigen oder Quoka angeboten: Chihuahuas, Havaneser, Zwergmischlinge. Was Käufer oft nicht wissen: Viele Tiere stammen aus Vermehrerzuchten in Osteuropa, wo sie unter schlimmsten Umständen "produziert" werden.

Fatale gesundheitliche Folgen – für Tier und Mensch

Birgitt Thiesmann von der Tierschutz-Stiftung "Vier Pfoten": „Bereits im Alter von drei bis vier Wochen werden die Welpen ihren ausgelaugten Müttern entrissen, ungeimpft und mit gefälschten Papieren nach Westeuropa gekarrt. Die Hundebabys haben keine Möglichkeit, die wichtige Sozialisierungsphase bis zur 12. Woche zu durchleben. Die Folge sind massive Verhaltensprobleme.“

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Eine Schande – und ein gefährlicher Verstoß gegen das Tierseuchenschutzgesetz: "Die Welpen dürfen erst nach der Tollwutimpfung, also frühestens nach zwölf Wochen, und einer weiteren dreiwöchigen Karenzzeit aus dem Ausland transportiert werden“, so Expertin Thiesmann. "Sollten die Hunde wirklich Tollwut haben, können sie uns Menschen mit dieser tödlichen Krankheit anstecken.“

Auch die beschlagnahmten Welpen aus Ingolstadt haben im Tierheim zunächst acht Wochen in Quarantäne verbracht: "Alle Hunde waren von Würmern und Darmparasiten befallen", sagt Tierheimleiterin Katja Payer, "die Jüngsten waren gerade mal fünf Wochen alt und völlig kraftlos. Zwei haben es darum auch nicht geschafft."

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Traurig, aber ein typischer Verlauf im kurzen Leben der Internet-Welpen: "Sie stammen oft aus Inzuchten, haben versteckte Krankheiten des Herzens oder der Gelenke", warnt Birgitt Thiesmann. Zu Hause beim Käufer angekommen werden sie schon nach kurzer Zeit schwer krank, sterben trotz intensivmedizinischer Behandlung – oder landen wegen der hohen Arztkosten im Heim.

Pflege und Liebe bringen hohe Kosten

Auch das Tierheim Ingolstadt ist durch die beschlagnahmten Welpen in den Ausnahmezustand geraten: "Die Hunde brauchen sehr viel Pflege", schildert Katja Payer, "und die Kosten sprengen gerade unser Budget." Auch wenn die Welpen nun alle entwurmt, geimpft und gechipt sind, fehlt dem Heim das Geld, um weitere Untersuchungen wie z. B. einen Herzultraschall vorzunehmen. "Anfang Mai werden wir die Hunde in ein neues Zuhause vermitteln", sagt die Tierheimchefin, "aber erst nach intensiven Beratungsgesprächen mit den Interessenten. Diese Welpen brauchen viel Aufmerksamkeit, niemand weiß, wie sie sich entwickeln werden."

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Christin P., die den Welpen-Skandal aufgedeckt hat, wird einen der Hunde aufnehmen. Havaneser "Struppi" hat es ihr besonders angetan. "Wir werden diesem Welpen ein liebevolles Zuhause geben. So, wie es jedes Tier verdient hat."

Hier können Sie helfen

Tierheim Ingolstadt

Spendenkonto-Nr. 13 13

Sparkasse Ingolstadt

IBAN: DE05 7215 0000 0000 0013 13

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6 Regeln für den Welpenkauf

  1. Die Übergabe sollte nur beim Züchter zu Hause stattfinden, nicht in Treppenhäusern oder auf Parkplätzen. Sehen Sie sich genau an, wo und wie der Welpe lebt.
  2. Lassen Sie sich das Muttertier zeigen. Oft werden Hündinnen (im Ausland) als „Gebärmaschinen“ missbraucht.
  3. Die Welpen sollten mindestens acht Wochen oder älter sein.
  4. Vorsicht, wenn der Züchter viele Rassen anbietet. Oft ist er dann nur Zwischenhändler.
  5. Mitleid oder Schnäppchen-preis dürfen kein Kaufgrund sein - sonst kurbeln Sie nur das Geschäft der Hunde-Mafia an.
  6. Schauen Sie ruhig noch einmal im Tierheim nach einem neuen Hund, dort warten viele liebe Vierbeiner auf ein Zuhause.

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Dieser Beitrag erschien zuerst in der BILD der FRAU Nr. 19.

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