20.12.2016

Venedigs Hunde Die Hunde von Venedig: So modisch sind diese Vierbeiner

Sandro begleitet den Gondoliere Nicola Grossi seit mehr als 14 Jahren und kennt Venedig wie seine Westentasche.

Foto: Luiza Puiu

Sandro begleitet den Gondoliere Nicola Grossi seit mehr als 14 Jahren und kennt Venedig wie seine Westentasche.

Venezianer haben ein ganz besonderes Faible: ihre Hunde! Davon zeugen extravagante Hunde-Kostüme und modischer Schmuck.

Venedig ist eine einzigartige Stadt. Mit ihren Kanälen, den engen Gassen und ihrer wunderbaren Architektur gehört die Stadt zu den beliebtesten Reisezielen in Europa. Kein Wunder, lässt es sich doch so herrlich in den malerischen Gassen flanieren. Auch die Venezianer erfreuen sich gerne an der Schönheit ihrer Stadt - und präsentieren bei ihren Spaziergängen ihre kunstvoll angekleideten und charismatischen Hunde.

Aber warum sind Venezianer eigentlich so hundeverrückt? Der österreichische Journalist und Venedig-Liebhaber Christian Ortner hat sich aufgemacht, genau das herauszufinden. Gemeinsam mit der Fotografin Luiza Puiu ist so ein sehr persönlicher und munterer Bildband mit dem Titel "Die Hunde von Venedig" entstanden, der viel über die Venezianer und ihre Hunde verrät.

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bildderfrau.de: Herr Ortner, im Buch ist die Rede von mindestens zwei Venedigs. Wie meinen Sie das?

Christian Ortner: Das eine Venedig ist das des Massentourismus, der klebrigen Nepp-Pizza und der Murano-Gläser, die in China produziert werden. Und das andere Venedig ist das der Venezianer, das es noch immer gibt, das man sich aber erarbeiten muss, weil man es nicht auf der ersten Blick sieht.

Eigentlich arbeiten Sie als Journalist in Österreich. Wie sind Sie auf die Idee gekommen, Venedigs Hunden und ihren Besitzern ein Buch zu widmen?

Christian Ortner: Weil mir bei langen Spaziergängen im winterlichen Venedig aufgefallen ist, wie witzig und phantasievoll die Venezianer ihre Hunde bekleiden. Und weil ich mich als politischer Journalist mal mit etwas Erfreulichen beschäftigen wollte.

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Etwa jede fünfte venezianische Familie besitzt einen Hund. Warum sind die Venezianer so vernarrt in Hunde?

Christian Ortner: Diese Frage konnte mir leider niemand schlüssig beantworten. Aber schon auf alten venezianischen Gemälden sieht man oft Hunde und ihre Besitzer abgebildet.

Man sagt ja, Italiener seien sehr modebewusst. Was bedeutet das für das Styling ihrer Hunde?

Christian Ortner: Dass die Hunde manchmal genauso chic angezogen sind wie ihre Besitzerinnen. Und manchmal halt etwas, sagen wir, geschmacksoriginell. Aber mutig fast immer.

Naturgemäß ist das Fell die Kleidung der Hunde. Hatten Sie das Gefühl, dass sich die Hunde in ihren Hundekleidern wohlfühlen?

Christian Ortner: Gute Frage, schwer zu sagen. Aber unglücklich wirken die Tiere nicht, eher ganz im Gegenteil.

Wie haben die Venezianer eigentlich reagiert, als Sie ihnen von ihrem Projekt erzählt haben? Waren die Hunde vielleicht auch eine Art "Eisbrecher?"

Christian Ortner: Die Reaktionen waren überraschend freundlich, die allermeisten Hundebesitzer waren begeistert von der Idee und haben gerne über ihren Hund und sich erzählt.

Luiza Puiu: Als Gesprächseinstieg waren die Hunde sehr hilfreich. Es war leicht mit Menschen in Beziehung zu kommen, wenn wir über ihren Hund geredet haben.

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Dass die Hunde sich vor der Kamera wohl fühlen, sieht man deutlich. Aber wie sieht's mit den Hundebesitzern aus? Mussten Sie viel Überzeugungsarbeit leisten, damit auch sie bereit sind, Modell zu stehen?

Luiza Puiu: Die Fotos sind spontan auf der Straße entstanden, ohne vorher einen Termin auszumachen oder etwas zu inszenieren. Wenn die Herrchen und Frauchen die Zeit hatten mit uns zu reden, stimmten sie auch fast immer zu, fotografiert zu werden. Ich weiß nicht ob es an der italienischen Freundlichkeit liegt oder am Stolz des Hundebesitzers, jedenfalls war das Überzeugen kaum ein Thema.

Welche Geschichten erzählen die von Ihnen fotografierten Hunde von Venedig und seinen Bewohnern?

Luiza Puiu: Auf jeder Seite wird eine neue Geschichte gezeigt: mal erzählt sie vom Gondoliere-Hund, der alleine durch Venedig spazieren geht, mal geht es um einen Boutique-Hund, der Touristen reinbringt. Dann wieder geht es um den tanzenden Zirkuspudel Gillo oder den pinkelnden Casa-Nova. Und haben Sie Sophia Loren mit ihrer gestrickten Ohrenmütze.gesehen? Ihre Besitzer kochen täglich frisch für sie.

Haben ihnen die Hunde noch eine andere Seite von Venedig gezeigt, eine Seite, die Sie noch nicht kannten?

Christian Ortner: Ja, mir war vorher nicht so klar, welche wichtige Funktion der Lido im Winter hat, wo Menschen mit und ohne Hund zu langen Spaziergängen am Meer kommen, was sonst in Venedig eher schwierig ist.

Was fasziniert Sie an Venedig? Verraten Sie uns ihren Lieblingsort?

Christian Ortner: Faszinierend finde ich, dass es in kaum einer anderen Stadt so viel konzentrierte Schönheit gibt wie in Venedig. Meine Lieblingsorte wechseln, aber ein morgendlicher Spaziergang auf der Guidecca zwischen dem Bauer Palladio Hotel und der Vaporetto-Haltestelle Palanca, das kann schon was.

Wer sollte Ihr Buch unbedingt lesen?

Christian Ortner: Alle, die Hunde mögen, alle, die Venedig lieben, und alle anderen natürlich auch, damit sie in Zukunft Venedig und Hunde gern haben.

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