23.12.2016

Aktuelles Recht Tiere können nicht erben und 10 andere kuriose Rechtsurteile

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Katzen und Hunde verstehen sich eben doch. Der beste Beweis ist dieses Bild.

Foto: © iStock / ilona75

Katzen und Hunde verstehen sich eben doch. Der beste Beweis ist dieses Bild.

Wie Richter entscheiden, wenn Tiere vor Gericht stehen - 11 aktuelle Urteile über Igel als Haustiere, Mäuse als Futter und Extra-Steuer für große Hunde.

Igel sind keine Kleintiere

Im Winter wird so mancher Keller zum Igel-Winterquartier. Aber Vorsicht: In Berlin hatte eine Frau mehrere Igel in ihrer Wohnung. Nachbarn beschwerten sich über den Geruch, die Vermieterin mahnte die Igelfreundin dreimal ab, kündigte ihr dann fristlos. Zu Recht, so die Richter. Igel fallen nicht unter die mietvertragliche Kleintierhaltungsklausel. AG Berlin-Spandau, Az. 12 C 133/14

Katzen dürfen nicht überall hinmachen

Tierische Aufregung in Westhausen: Kater „Tobi“ (7) pinkelte ans Nachbarhaus. Das störte die Nachbarin, sie klagte. Die Richter: Die Katzenbesitzerin „wird verurteilt, dafür Sorge zu tragen, dass ihr Kater nicht an das Gebäude der Klägerin uriniert“. AG Ellwangen, Az. 2 C 196/15

Aufpassen beim Gassigehen

Eine Frau führte drei Hunde aus. Ein Hund, ein italienischer Cane Corso, riss sich los, sprang eine Spaziergängerin an, verletzte sie. Die verlangte Schadenersatz. Den wollte die Hundeführerin nicht zahlen, da es nicht ihr Hund sei. Egal, sagten die Richter: Wer einen Hund ausführt, kommt auch für Schäden auf. OLG Hamm, Az. I-9 U 91/14

Tierarzt haftet bei Fehldiagnose

Ein Tierarzt stellte bei einem Islandhengst nur eine leichte Verletzung fest, verordnete Schonung. Der Mediziner übersah einen Haarriss im Knochen, der Hengst brach sich das Bein, musste eingeschläfert werden. Die Besitzerin klagte - und gewann. Deutschlands höchste Richter entschieden: Nicht die Besitzerin muss beweisen, dass der Beinbruch die Folge der Fissur war – sondern der Tierarzt müsste nachweisen, dass seine Fehldiagnose nicht zum Beinbruch geführt hat. BGH, Az. VI ZR 247/15

Gefahr auch vom eigenen Hund

Bei der Gassirunde mit dem eigenen angeleinten Hund wurde dieser von einem Golden Retriever angefallen. Der Hundehalter wollte die Tiere trennen, wurde dabei von dem fremden Hund verletzt. Trotzdem gibt’s nur anteilig Schmerzensgeld. Denn: Hundehalter müssen sich die „typische Tiergefahr“, die von ihrem eigenen Hund ausgeht, mindernd anrechnen lassen. BGH, Az. VI ZR 465/15

Lebendfutter verboten

Mäuse in der Wohnung der Nachbarin - da alarmierten Mieter die Hausverwaltung. Die stellte fest: Die 46-jährige Nachbarin hatte Pythons, züchtete für diese Schlangen Mäuse - als Lebendfutter. So nicht, urteilten die Richter. Lebendige Mäuse zu füttern ist Tierquälerei. VG München, Az. M 23 K 16.928

Katzen ohne Tasthaare sind Quälerei

Eine Berlinerin züchtete Nacktkatzen. Diese Tiere haben aufgrund einer Genveränderung keine Tasthaare. Das Bezirksamt verlangte deshalb von der Frau, dass sie die Zucht aufgibt, ihren Kater kastrieren lässt. Sie klagte dagegen - und verlor. Urteil: Zucht ohne Tasthaare ist Qualzucht – und damit verboten! VG Berlin, Az. VG 24 K 202.14

Mehrere Papageien sind erlaubt

Mit einem Kakadu fing es an, nach zehn Jahren hatte eine Frau neun Papageien. Nachbarn beschwerten sich über den Lärm. Schließlich erlaubte die Stadtverwaltung der Frau nur zwei Kakadus, da es ein Wohngebiet sei. Die Frau klagte, gewann. Urteil: Zum Wohnen zählt das Halten von Hunden, Katzen und Ziervögeln - da spielt die Zahl keine Rolle. OVG NRW, Az. 10 A 985/14

Schlafende Hunde lieber wecken

Eine 61-jährige Kundin wollte ein Geschäft verlassen, übersah dabei einen schlafenden Hund im Eingang. Sie stürzte, verletzte sich schwer am Knie. Von der Hundehalterin forderte sie Schadenersatz - und gewann. Auch schlafende Hunde sind eine Gefahr, so die Richter. OLG Hamm, Az. 19 U 96/12

Keine höhere Steuer für große Hunde

Für seine Bordeauxdogge musste ein Hundehalter 800 Euro Hundesteuer zahlen statt der üblichen 110 Euro. Er klagte, gewann. Urteil: Wer mehr Geld für „gefährliche“ Hunde will, muss dass begründen. Größe und Gewicht des Hundes reichen nicht! SH VG, Az. 4 A 71/15

Tiere können nicht erben

Nach dem Tod von Herrchen sollte Hund „Lucky“ alles erben - Haus, Land, Geld. Ein Freund des Verstorbenen sollte sich um den Mischling kümmern. Der Halbbruder des Toten klagte und gewann. Tiere können nicht erben, so die Richter. LG Bonn, Az. 4 T 363/09

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