29.09.2016

Tierisch Hunde sind kein Spielzeug: Wenn Kinder Haustiere wollen

Seit Balou da ist, spielt Mama für Fanni nur noch die zweite Geige.

Foto: Privat

Seit Balou da ist, spielt Mama für Fanni nur noch die zweite Geige.

Spielen, kuscheln, toben - Welpen wie Balou machen Spaß. Aber auch sehr viel Arbeit. Und die bleibt meist an einem hängen, weiß unsere Kolumnistin.

"Wir überlegen auch, uns einen Hund zu kaufen – unser Sohn wünscht sich das schon lange!" Strahlend stürzte sich die junge Frau auf Balou und ließ sich von ihm zärtlich anknabbern. Sie hatte gerade ihren Großen, vier Jahre alt, im Kindergarten untergebracht und wollte mit der Kleinen, etwa fünf Monate alt, die Einkäufe erledigen.

Ich schaute sie erstaunt an, ließ sie aber reden. "Er liebt Hunde und möchte alle streicheln. Wir haben zwar noch keine Wohnung mit Garten, aber sobald wir die gefunden haben, werden wir ihm den Wunsch erfüllen!" "Oh", erwiderte ich. "Ich nehme an, Spiderman hat er schon getroffen und ausgebildeter Feuerwehrmann ist er auch bereits?"

Kinder haben viele Wünsche - nicht alle muss man erfüllen

Es ist doch so: Kinder wünschen sich sehr viel, wenn der Tag lang ist. Meine Tochter wollte schon immer fliegen können, Pippi Langstrumpf treffen, ein Pferd für den Balkon, nicht mehr zur Schule gehen und ganz besonders doll wünschte sie sich einen neuen Hund, nachdem wir vor drei Jahren Anton einschläfern lassen mussten. Viele ihrer Wünsche werden wahr.

Einiges kann oder will ich nicht erfüllen. Fliegen gehört dazu, Ponys für den Balkon oder, bis vor einigen Wochen, einen neuen Hund. Dabei hat sie sich wirklich ins Zeug gelegt, um ihn zu kriegen. Ihre Versprechungen klangen aufrichtig und süß: "Ich gehe vor der Schule mit ihm. Und danach. Wenn es sein muss auch dazwischen.

Zu meinen Freundinnen kann ich ihn doch mitnehmen und ich verzichte auf Taschengeld, damit er genug zu Fressen hat." Tja, und ich alte Rabenmutter blieb knallhart und sagte NEIN. Aus dem einfachen Grund – und man muss es wohl immer wieder sagen: ein Tier ist kein Spielzeug. Aber woher sollen Kinder das denn wissen?

>> Diese Welpen konnten gerade noch gerettet werden

Kaufen Sie lieber einen Teddy

Ähnlich wie Jungs denken, Polizist sein bedeutet in einer schicken Uniform mit Blaulicht auf Verbrecherjagd zu gehen und Mädchen denken, Prinzessin sei ein Traumberuf, weil man den ganzen Tag schöne Kleider trägt und attraktive Prinzen küsst, haben Kinder keine Ahnung, was es bedeutet, einen Hund zu haben.

Natürlich verbringt man viel Zeit mit Spielen, Toben und Kuscheln. Doch wann soll ein vielbeschäftigtes Schulkind zwischen Rudern, Klavier, Hausaufgaben-Hilfe, Geburtstagseinladungen und einem enorm hohen Bedürfnis an Chill-Zeit das eigentlich machen?

Schon die Kindergartenkinder haben einen Terminkalender, der mit manchem Erwachsenen in Konkurrenz treten kann. Ob man das gut finden muss, sollte an anderer Stelle besprochen werden.

Möchte Ihr Kind ein Hund zum Kuscheln, kaufen Sie ihm einen Teddy. Möchte es mit dem Welpen spielen, kaufen Sie ihm Lego-Steine, einen Game Boy oder "Mensch ärgere Dich nicht". Und braucht es einen Hund als Freund, sprechen Sie dringend mit Kindergärtnern, Lehrer oder anderen Aufsichtspersonen.

Keiner dieser Wünsche rechtfertigt es, ein Haustier anzuschaffen. Nicht mal einen Wellensittich! Denn die Begeisterungsfähigkeit von Kindern ist meist recht kurz und so ein Hund lebt im besten Falle 15 bis 16 Jahre.

Nur, wenn mindestens einer der Erwachsenen bereit ist, täglich mindestens zwei Stunden Zeit dem Vierbeiner zu widmen, sollte man dem Wunsch der Kinder nachkommen. Denn Gassi gehen, Pipi-Bäche wegwischen und Tierarzttermine einhalten, das ist Aufgabe der Großen!

Unser Hund, meine Arbeit!

Als wir uns vor einigen Monaten entschlossen, wieder einen Hund in unser Leben zu lassen, war die Freude bei den Kindern unendlich groß. Aber es war auch eines ganz klar: Es ist mein Wunsch, es ist mein Hund, es ist meine Arbeit! Selbstverständlich hat meine Familie Balou ins Herz geschlossen. Sie spielen mit ihm, sie kuscheln mit ihm und versuchen ihm lustige Dinge beizubringen. Alles freiwillig.

Doch ich bin diejenige, die Nachts aufschreckt, wenn er jault. Ich mache den ersten Spaziergang und den letzten und die meisten dazwischen mache ich auch. Ich sorge dafür, dass er andere Hunde trifft, spielt, gehorcht, alle Impfungen und Arztbesuche pünktlich erledigt werden und ausreichend Hundefutter in guter Qualität vorhanden ist.

Über alles, was mir abgenommen wird, freue ich mich. Aber ich beschwere mich auch nicht, wenn alles an mir hängen bleibt, weil die Hobbies der Kinder zu viel Zeit beanspruchen oder mein Lebensgefährte tagelang auf Geschäftsreise ist. Ich habe es schließlich so gewollt.

So viel Hundeglück!

Aber natürlich macht ein Hund nicht nur Arbeit. Wenn Fanni steht jetzt morgens extra etwas früher auf, denn Kuschelzeit mit Balou muss sein. Erst, wenn sie sich zum Frühstück schleppt, krieg auch ich mein Küsschen. Am Abend gilt der letzte Gute Nacht Gruß Balou, bevor wir beide aus ihrem Zimmer schlechen. Manchmal kann ich minutenlang an meinem Schreibtisch sitzen und dem Gegacker aus dem Kinderzimmer lauschen, wenn Fanni mal wieder versucht, Balou davon abzuhalten, ihre Schulbücher zu fressen.

Vielleicht möchte er ihr nur bei den Hausaufgaben helfen. Ich bewundere die vielen Selfies, auf denen sie sich stolz mit ihrem Hund für Likes und Kommentare auf Instagram präsentiert. Und ich bin mir ganz sicher, dass Balou schon einiges über mich in seine kleinen Hundeöhrchen geflüstert bekommen hat, was er besser für sich behalten sollte.

Die Abmachung mit ihr ist, das sie einen Hundedienst pro Woche und einen am Wochenende übernimmt. Sie hält sich nicht dran - und dreht fast täglich eine Extra-Runde. Kinder und Hunde? Das ist einfach die schönste Verbindung, die ich mir vorstellen kann.

Herzensgute Mutter trifft auf harte Realität

Der freundlichen Mutter habe ich dann noch ein bisschen von meinem Alltag mit Balou erzählt. Ich glaube nicht, dass ich dramatisiert habe, als ich ihr sagte, dass der Fahrstuhl mit uns dauerbelegt ist, ich oft aufwache, nur weil ich meine etwas gehört zu haben, doppelt so lange für meine Arbeit brauche, weil er zwischendurch spielen möchte, Erziehung bei Vierbeinern auch nicht erfolgreicher klappt, als bei Zweibeinern und er nach einigen Kauknochen stinkt, als hätte er sich auf einer Müllhalde gewälzt. Ich habe ihr dringend abgeraten, sich zu zwei Kleinkindern auch noch einen welpen anzuschaffen.

Garten hin oder her. Man hat einfach nicht genug Arme, um das alles zu jonglieren. Versuchen Sie mal ein Kind in einen Schneeanzug zu zwängen, während ihr acht Wochen altes Hundebaby dringend nach draußen muss. Nein, den Stress muss man sich nicht antun. Allerdings habe ich ihr angeboten, dass ihr Sohn mich jederzeit besuchen kann. Also nicht mich, sondern Balou. Der kann nämlich nicht genug Tobe-Kuschel-Spiel-Spaß bekommen und ich gehe danach gerne wieder mit ihm Gassi!

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Mein Leben als Hund:

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